Kollegen

Das tut man nicht, das macht man nicht.

Diese Tage die viel zu viel sind für nur einen Tag. Tage an denen ich mir eine Kippe wünsche. Oder zwei oder drei. Und éine Dose Bier. Ein Haake. Oder ein Störtebeker.

Manchmal wäre ich dann gern ein Dachdecker. Ein Gerüstbauer. Oder irgend ein Handwerker überhaupt. Und wenn mir ein Mitarbeiter auf den Pinsel geht, weil er sich wie ein Kollegenarsch verhält, dann wird das mal kurz geklärt. „Halt die Fresse Horst du scheiß Fixxer“. „Udo du dummes Arschloch, dir reiß ich gleich das Maul ein und steck dir den Besen quer“. Vielleicht hätte ich dann Udo ein paar auf die Fresse gehauen und gut. Das Thema wäre erledigt. Ich säße dann am Wasser vielleicht mit einem blauen Auge oder einer aufgeschlagenen Hand. Würde dennoch beruhigt den Rauch meiner Kippe tief einziehen und entspannt die Dose Bier leeren. Vielleicht noch eine Zweite dazu. Die Sache wäre geklärt und fertig.

In einem Unternehmen wie meinen sagt man nicht halt die Fresse. Und es wird auch kein Kollege verkloppt. Auch wenn er es selbstverständlich verdient. Das macht man bei uns nicht. In einer Einrichtung mit Angestellten, Akademikern und Co, da wird ein anderer Umgang gepflegt. Man ist freundlich. Respektvoll. Überlegt. Da sitzt die Bluse gerade, während du dich wunderst, welche Drecksau doch just die Toilette so verdammt schmutzig hinterlassen hat. Da holst du dir einen Kaffee und wunderst dich, wie viele denn noch ihre dreckige Tasse auf den sichtbar leeren Geschirrspüler stellen. Eine Einrichtung voller oben Huis und unten Pfuis. Dennoch sind wir weiterentwickelte zivilisierte Menschen und gehen selbstverständlich respektvoll und freundlich miteinander um. Ein Haufen von polierten Hochglanzschichten. Doch wehe du kommst leicht an die oberste Schicht. Dann ist der Lack hier ganz schnell ab…

Neulich in der Büroküche – oder: Das linke Bein, heute zu erst.

Werter Kollege, werte Kollegin, 

hiermit möchte ich mich schnell zurück melden, dass ich, wie augenscheinlich von dir gewünscht, ordnungsgemäß und umgehend, dein dreckiges Geschirr, deine Tassen, deine Gläser und auch deinen Suppenteller, nebst Besteck, wirklich ganz richtig in den dafür bereitgestellten Geschirrabwaschautomaten gestellt habe. Das ist das Gerät welches sich unter deinem hin drapierten Geschirr befindet.  

Sicher warst du in Eile und hast dir so auch keine Mühe machen können, einen Blick in den Spüler zu stecken, um festzustellen, dass dieser auch für dein Geschirr noch ganz viel Platz im Angebot hatte.  

Ich hab das doch gerne für dich gemacht. Kann ich ja ruhig an dieser Stelle noch erwähnen, dass sich morgens quasi einige Kolleginnen fast darum prügeln, wer denn heute vorbereitetes dreckiges Geschirr, wegräumen darf.  

Eine Schürze dazu wäre übrigens auch nicht schlecht.

Dennoch würde ich mich noch sehr viel mehr freuen, wenn du das nächste Mal, selber deinen Kram wegräumen würdest.  

Gerne auch im Gegenzug vielleicht mal deinen freiwilligen ehrenwerten Abspül- und Wegräum-Feen, deinen persönlichen Dank aussprechen würdest.  

Mit besten Grüßen,

 die Spülfee