Frau Ahnungslose 10 Wörter Geschichten

Das Geschehen ohne Namen – 10 Wörter eine Geschichte – Mein Beitrag :)

Irrlicht

Rübezahl

Tannenwald

Johannisbeere

Weihnachtswunder

schnabelnasig

Varieté

Eierlikördusel

kleinwüchsig

schnar

Rechts. Links. Links. Rechts. … „Herrgott, kann dieser, ohrscheinliche Riese von einem Mann nebenan nicht einfach mal leise schlafen, wie jeder andere Bewohner dieses begnadet schönen Ortes?“ Nein, kann er nicht. Wie auch die vergangenen zwei Wochen nicht. Er schnarcht und schnarcht, das sich die Balken biegen. Jetzt wusste sie auch, warum sie dieses kleine Apartment so gut wie fast umsonst mieten durfte. Aber nicht mit ihr. Diese feine Behausung wollte sie um keinen Preis wieder hergeben. Da konnte auch der Weltmeister im Schnarchkontest nichts dran ändern.

Wütend nahm sich Marie vor, ihm die Meinung zu geigen. Ein schmaler Fuß kam aus der Decke hervor, gefolgt von einem zarten Bein, samt dem Rest der feenartigen kleinen Marie, die nun in ihrem seichten Nachthemd durch das Apartment fast schwebte, zielstrebig Richtung Tür um dem Nachbarn freundlich, aber bestimmt auf sein nächtliches Dröhnen hinzuweisen. An der Tür schlüpfte sie in ihre kleinen und öffnete die Tür. Horchend folgte sie dem dröhnenden Geräuschen, die fast das gesamte Haus vibrieren ließ.

Klopf Klopf……….. Nix……………Klopf Klopf, Marie versuchte es stärker. Doch auch jetzt tat sich nichts. Gleichmäßig dröhnte es weiter durch das Haus, ihr Klopfen ging völlig darin unter. Marie nahm ihren ganzen Mut und öffnete vorsichtig die Tür.

Angewurzelt blieb sie stehen und blickte sich lange sprachlos um. Sie war in eine völlig andere Welt geraten. Keine Tür mehr hinter ihr, Marie stand mitten auf einer Lichtung in einer Welt, in der sie eigentlich selber so gut hereinpassen würde, wie sie befand. Ein Tannenwald soweit das Auge reichte, ein strahlend heller Himmel, ein Blumenmeer tanzte um sie herum, ganz hinten links, wirkte es ein wenig dunkel und unheimlich und ihr schien, als sähe sie längst vergangene Irrlichter, die durch diese moorige Landschaft irrten. Weiter vorne kleinwüchsige, menschenähnliche Geschöpfe, schnabelnasig und mit Hörnchen rechts und links der Stirn, wuselten geschäftig vor ihren Augen herum. Jetzt sah sie auch, dass ihr vernommenes Schnarchen von kleinen Maschinen herrührte, die aus unglaublich vielen Johannisbeersträuchern eine Art Saft herstellten.

Laute Zwischentöne holten die kleine Marie aus ihrer Starre und sie sah einen kleinen, ebenso schmal wie sie, wild gestikulierenden Wicht, laut lallend auf ein Geschöpf zu torkeln. „Loooooos.. nehmmmmm, ääändlichh die Beeräään aus der Kessääääl und pack die Eiääär wieder reinnnnn“ lallte er. Ihre Augen wurden groß, was war denn nu?

„Kümmer dich nicht um ihn.. das ist der Eierlikördusel“ , lachte es in dem Moment über Marie und ihre Augen sahen eine bunte Elfe fröhlich über sich schwebend. „Der Wicht ist ein direkter Nachkomme von Rübezahl und meint er wäre was besseres. Er findet immer, alle müssen machen was er sagt. Ist natürlich Quatsch, aber er versucht es dennoch.“

Marie schaute die Elfe an.

Marie schaute die Wichte an.

Marie kniff sich.

Marie schlug die Augen auf.

„Herrgott, was war denn das für ein kunterbuntes Varieté“  Marie schüttelt den Kopf, schaut auf die Uhr. Fünf Uhr in der früh. Was für ein Traum.. und das am Weihnachtswundermorgen…

Un-lektoriert, 30 Minuten allerdings, ich muss gestehen 🙂

10 Wörter eine Geschichte. Heute : Wer nicht hören will…

Blogger schreiben gemeinsam Geschichte.

1. Fahrrad

2. Wahn

3. Spendenblut

4. trinken

5. Zitat

6. Männerquote

7. fühlen

8. Katzenfutter

9. drucken

10. jäten

Tina arbeitete als nicht unerfolgreiche Architektin im Berliner Großstadtdschungel. Ein gutes Auge hatte sie schon immer, zielstrebig und erfolgsorientiert, lobten sie die Lehrer schon seit frühstem Elterngespräche während ihrer Schulzeit. Das kam nicht von ungefähr, denn Tina ward in eine Familie geboren, die von Erfolg seit Generationen begleitet wurde. Ihr Großvater, einst Millionär mit der Produktion von Katzenfutter, auf veganer Basis, geworden, machte da keinen Unterschied.

Das es ein paar Jahre später, die meisten fellummantelten Stubentiger an Mangelerscheinungen kläglich dahinrafften, machte dem Onkel nix. Der grätschte damals als einer der Ersten in die Modewelle der 55er  vegetarisch-veganer Tierfutterindustrie mit ein, verkaufte soviel hipster Dosenfutter für die Katz, dass er sich mit nur 43 zur Ruhe setzen konnte und aus reinem Spaß einen Schweinemastbetrieb in Vechta aufbaute. Und damit druckte er weiter eine Menge Scheine. Die Klagen von drei mutigen Katzenbesitzern schmetterte damals schon der Richter in erster Instanz ab, war dieser doch Hauptinvestor bei Tinas Opa und heimlicher Liebhaber von dessen Schwester.

Die nächste Million war auf dem Wege. Er jätete damals nicht nur Bewunderung in der Familie, als auch in der Nachbarschaft, nein, Neid war ein geläufiger Begriff in seiner Umgebung und so schnappte er sich nicht unselten sein Fahrrad und fuhr hinaus ins Grüne, zu seinem alten Baumhaus, welches er sich Jahre zuvor, selber zusammen gezimmert hatte. Dort fühlte hin und wieder wohler, als zwischen Scotch trinkenden Geschäftskollegen, oder daheim zwischen Frau und fünf Kindern. Vier Söhne eine Tochter. Da war immer eine Menge los, vier Söhne tanzten der Mutter schon häufig auf der Nase rum, am schlimmsten war dabei der kleine Tom. Ein schlaues Kerlchen, doch Lernen konnte er nur aus Erfahrung. Da half kein noch so schlaues Zitat, kein gutes Beispiel vorran, nein, Tom musste einfach seine Welt mit seinen Füssen und Händen erklimmen und erkunden. Das war für seine Eltern anstrengend und für seine Brüder zuweilen auch. Von der kleinen Schwester mal ganz abgesehen. So begab es sich dann eines Nachts, dass Tom und seine Brüder in dem hiesigen Krankenhaus, vorsichtig an der Nachtschwester Edna vorbei schlichen, die gruselige Schwester Edna – das war schon fast Mutprobe genug, kursierten doch die wildesten Geschichten über Schwester Edna´s Bestraffungsmaßnahmen, wenn man ihr nicht Folge leistete.

Nun gut. Tom und Co also vorbei an der dösenden Edna, hoch in die dritte Etage, zweite Tür links, ab an den dritten Schrank neben dem Fenster. Da waren sie. Eisgekühlt und wunderschön rot anzusehen. Die kleinen Gläser Spenderblut, jenes, welches heute frisch aus der Großstadt angeliefert wurde. Es war angeblich das Blut für Pierre dem Knochenbrecher. Unlängst eingebuchtet ein paar Kilometer weiter in der JVA. Pete, der Sohn vom Gefängniswärter und Klassenkamerad von Tom, erzählte ihm im Anflug von Geisteswahn, nicht darüber nachdenkend, WEM er da was erzählte, zumal Tom wirklich stadtbekannt war für seine Ideen. Die Jungs nahmen sich  also das Behältnis mit dem vermeintlichen Spendenblut für Pierre dem Knochenbrecher und schlichen vorsichtig wieder vorbei an Edna. Leider sahen sie nicht, dass diese schon längst ihr Kommen bemerkte und mit verschränkten Armen grinsend vor der Türe auf sie wartete. Verdammt. Die Krankenschwester hatte sie erwischt. Mit dem Zeigefinger gebot sie die Jungs zu ihnen zu kommen und ihr in den Keller zu folgen. Edna rieb sie die Hände, die Jungs bibberten.

Fortsetzung folgt 😀

20 Min …..

10 Wörter, eine Geschichte. Heute : eine traurige Geschichte, und doch so täglich…

10 Wörter Geschichte.. Einladung für weitere Interssierte hier.

52 Grad, glühende Hitze. Ahmad lehnt sich schwer atmend an die bröckelige Wand des Felsens. Stunden. Tage. Wie lange er unterwegs ist, das weiß er nicht mehr. Die karge Gegend ist auch im Spätsommer kaum erträglich, so sehr glüht die erbarmungslose Sonne vom Himmel. Seine Beine machen nicht mehr mit und langsam sinkt er zu Boden. Fernab von ihm sind seine körperlichen Kräfte, blutig seine Füsse. Wirre Gedanken schwirren wie Fliegen durch seinen Kopf. Der lange Wasserentzug macht sich bemerkbar, die schwere Wunde schwächt ihn so sehr, das seine ehemals kraftvolle Gestalt und sein klarer Verstand ein Fragment an alte Zeiten sind. Niemand würde ihn in diesem Augenblick erkennen.

Ein Wunder müsste geschehen, doch nicht einmal das vermag er noch hoffen. Es wird niemand mehr helfen. Sein Herz pumpt aufbäumend, gegen den Kampf des Verdurstens allein. Gegen die Aussichtslosigkeit mit letzten Zügen und nur in kurzen Wachmomenten fühlt Ahmad, wie seine Füsse beginnen kalt zu werden. Seine Waden, hoch zu den Oberschenkeln kriecht sie unaufhörlich weiter. Eine eisige Kälte die nichts als Betäubung und Taubheit übrig lässt. Weiter fliegen seine Gedanken. Einmal um die ganze Welt. Fetzen, Bruchstücke. Sieht sich lachend am Meer mit seiner Frau und den Kindern, der salzige Geruch des Meeres und der eines frischgezapften Bieres streift seine Nase. Der Augenblick als die Lippen seiner Frau das erste Mal die seinen berührten.

Dann der Moment als er sich entschied aufzubrechen in die Ungewissheit. Daheim in Europa. Gut behütet, sanft gebetet. Seine deutschen Freunde konnten das damals nicht verstehen, warum Ahmad sich in solch eine Gefahr begeben wollte und mitten in das Kriegsgebiet fuhr. Er versuchte es ihnen zu erklären, warum er fahren musste und warum es für ihn keine Alternative geben konnte. Für seine gestorbene Frau. Sein gestorbenes Kind. Für seinen Vater und seiner Mutter, seinen Verwandten. Es ging nicht anders.

Ein kurzer Wachmoment. Seinen halben Körper spürt er nicht mehr. Die klaffende Wunde in seinem Bauch tut auch nicht mehr weh. Gut fühlt sich das an. Endlich werden die Schmerzen weniger. Das Lachen seiner Tochter schalt durch seinen wirren Geist. Er lächelt. Sie war sein Herzblatt. Sein Ein und Alles. Sie waren eine glückliche Familie. Bis seine Frau mit dem Kind eines Tages in ihre gemeinsame Heimat fuhr. Vier Tage nach Ankunft, klopfte es damals brutal an der Tür, daheim in dem kleinen Dorf. Der Vater öffnete, mehrere Männer schlugen den alten Mann brutal zu Boden und nahmen Frau und Tochter mit. Bilder der Überreste von beiden schickten die Behörden eine Woche später per Fax nach Deutschland. Der Vater überlebte schwerverletzt. Das ist jetzt ein Jahr her. Sein Herz schlägt unregelmäßig bei diesen Erinnerungen, es gibt sich die größte Mühe Ahmads Körper zu versorgen. Ihn am Leben zu lassen.

Doch Ahmad will nicht mehr. Sein Brustkorb hebt und senkt sich. Immer langsamer. Nichts tut ihm mehr weh, Durst verspürt er auch nicht mehr. Mutter Theresa flimmert durch seinen Kopf, sie hat er immer verehrt. Der Dalai Lama lächelt ihn sanft an. Seine Frau strahlt vor seinen Augen, hält ihm die Arme offen entgegen. Seine Gesichtszüge entspannen sich, sein Herz hört auf zu schlagen, Eine leblose Hülle bleibt zurück….

35 Minuten geschrieben.

 

Eine Meldung, ein Schlag. Mitten ins Gesicht. Nicht der erste in diesen Tagen. Wochen. Monaten. Es gibt Tage, da funktioniert die Distanz. Da bist du in deinem Leben verstrickt, deinem Rhythmus und Tagesablauf. Und dann geht die Tür in deinem Büro auf und ein strahlender Kursleiter betritt dein Büro. Mitsamt einer Frau, du kennst sie nicht. Mit lächelnden glücklichen Augen stellt er sie dir vor, seine Ehefrau. Nach ganzen 48 Monaten, endlich in Deutschland. geflohen aus Syrien. Gemeinsam mit ihren Töchtern. Sie haben Geschenke mit. Etwas für dein Büro, etwas zum Essen. Direkt aus Damaskus. Bis dahin kannte ich ihn nur sehr zurück gezogen, mit verkniffenen Augen. Ich wußte nie warum.

Und an diesem Tage bleiben die Gedanken besonders außerhalb dieser Distanz. Sie sind fernab des sicheren Bereiches. Sie sind bei den Menschen denen der Bombeneinschlag das tägliche Wiegenlied singt….

 

35 Minuten geschrieben….

Darum, heut mal keine abseitige Trashgeschichte, sondern ein Thema, so aktuell wie nie zuvor…