Immer diese Talfahrt.

Manchmal machen mich diese ständigen Gedankentalfahrten wahnsinnig.

Wenn sich ab Tempo hundert, auf offener geistiger Strecke, Überlegung über das heutige Mittagessen zwischen Frikadellen und Biogemüseauflauf streiten. Unvermittelt trifft die Meldung über die kommende Abstimmung über die Aufhebung der Immunität von Abgeordneten in der Türkei grob dazwischen. Oh oh, was passiert dort bald noch viel schlimmeres in der noch schönen Stadt am Bosporus. Von hinten schreit jemand die Erinnerung an die verschleppten Mädchen aus Boko Haram dazwischen. Und dann tritt sacht der großartige Fotograf Martin Grommel dazwischen.

Ich sehe ein junges so schönes stolzes Mädchen, mit klaren großen strahlenden Augen und einem so warmen Blick, wie er mich unvorbereitet mitten ins Herz trifft. Sehe ihre leicht vernarbte Haut auf dem Fussrücken. Spuren ihrer Flucht. Grätsche zurück zu meinen Kids. Die sich vor ein paar Minuten darüber streiten,..ja worüber war das noch genau. Über die letzte Portion Cornflakes. Genau. Darum ging es. Das Mädchen mit den klaren Augen lässt mir jedoch keine Ruhe. Kontaktiere den Fotografen. Er hat das Mädchen aus den Augen verloren. Irgendwo in Idomeni. Auf den Gleisen. Im Niemandsland und doch ganz nah. Oder doch ganz weit…

Da rast der Zug des Lebens zwischen der Dringlichkeit über des täglichen Seins und dem Rest der Welt. In all seiner Schrecklichkeit. Schönheit. Traurigkeit. Dramatik. Der eigenen Hilflosigkeit. Des Glücklich sein. Dem Wunsch zu Helfen. Dem Sein.

Und oft möchte ich einfach die Mütze über die Augen ziehen und mir höchstens Gedanken über die Farbe des Nagellacks für heute Abend machen….

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5 Kommentare

  1. Liebe Mia, der Wunsch zu helfen darf uns nicht verlorengehen. Er zeigt unsere Menschlichkeit. Zwar können wir nicht jedesmal aktiv etwas tun, aber die Wahrnehmung und das Teilen kann schon die ganz persönliche Talfahrt stoppen.

    Danke für den Link zu Herrn Grommel mit Respekt vor seinem Tun.

    Dir einen friedlichen Sonntag und überhaupt…
    Deine Käthe, von Herzen.

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  2. Das Leben scheint dir zuzusetzen …
    Es gibt immer Krieg, Leid und Elend in irgendeinem Teil der Welt.
    Aber eben auch das Gegenteil.

    Du kannst und wirst die Welt nicht retten.
    Wir alle können das nicht.
    Kein wenn, kein aber.

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    1. Es gibt immer ein Wenn und ein Aber. Außer vllt in der Mathematik. Und wenn es nicht die Welt ist, dann eine kleine Sequenz ihrer. Kennst du nicht das Glücksprinzip? Und den einen der dir unvermittelt die Tür aufhält wenn die Taschen mal wieder zu schwer sind?
      Schau mal genau….

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