Gegen die Diskriminierung des traurig seins.

Weinen macht hässlich. Und alt. Wird dir anschließend auch noch mit dicken fetten Tränensäcken quittiert . Sagte mal wer.

Darum gibt es ihn sicher nicht. Den Traurigtag. Bedauerlich. Wie ich finde.

Weinen wird dir schon als Kind gesagt, sollst und brauchst du nicht. Wofür allerdings diese Wein- und Traurigseinfunktion sonst da ist. Das weiß ich nicht.

Was für ein Tag das wohl wäre. Überall werden dir traurig Taschentücher gereicht. Offene und tröstende Arme werden dir an jeder Ecke angeboten. Gratis.Für die mit leichter Wutambivalenz gibt s die Pumpgun dazu. Versteht sich von selbst.

Man trauert hier und da, melancholiert über dies und das. In öffentlichen Cafés läuft bedrückende Musik. Oder ein dramatischer Film. Leonardo. Wie er kraftlos in den Wogen langsam versinkt. Oder Winnetou. Wie die letzte Kugel ihn trifft und in den Armen seines besten Freundes , sein Atem für immer verstummt.  Ganz groß auch: „Lauf Bambi lauf, dreh dich nicht um!“ rief sein Vater und es tat es doch. Das kleine Reh musste mit ansehen, wie vor seinen Augen das Muttertier blutüberströmt zusammenbrach. Ja, das war schon traumatisch traurig.

Diese wohlige Zeit des Traurigseins. Sie wird hinter verschlossenen Türen verlebt. Vorhänge zu. Für den nächsten Anruf schnell die Nase geschnäuzt und dreimal geatmet. Tief ein und aus. Ein und aus. doppelt geschluckt und ab an die Strippe. „Hallo, Ja, danke. Mir geht es gut. Klaro, ganz wunderbar. Du, entschuldige, brauch grad beide Hände zum Abwasch. Und die Wäsche, die ist auch grad fertig. Ich meld mich später „. – oder auch nicht.

Macht man nicht. Nervt ja nur. Könnte Schwäche zeigen. Auf den Pinsel gehen. Und weitere 100 gute Gründe gibt es noch, um lieber hinter verschlossener Tür alleine seinen persönlichen Traurigtag zu verleben.

Dabei wäre es doch schön. Man hält ihn einfach gemeinsam ab. Zieht sich ein paar beschissene traurige Filme rein. Mit happyend. Für die ganz harte Fraktion natürlich ohne. Raucht drei Schachteln und trinkt Bier. Geht allerdings auch ohne. Bier.  Labert bis die kein Ton mehr raus kommt….

Ich mein ja nur…

 

 

 

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10 Kommentare

  1. Oja, wie recht du mal wieder hast.
    Früher war ich eine Partymaus, riesen Freundeskreis, bis die Depression gekommen ist… so schnell wie alle weg waren konnte man gar nicht kucken.
    Mittlerweile geht es mir ja wieder gut und ich habe wieder tolle Freunde die es auch mal aushalten wenn ich ab und an schlecht drauf bin… alle anderen hab ich nämlich direkt aussortiert.
    Und ja, eine Umarmung und ein nettes Wort hilft mehr als alles andere.

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  2. Es wäre nicht nur schön. Es ist schön.

    Es ist empfehlenswert mitten in der Stadt die Tränen kullern zu lassen. Vielleicht gemütlich bei einer Tasse Tee, oder beim irgendwie tröstenden shoppen. Vielleicht auch eine ruckelige Busfahrt. Und hinterher gibt’s ein Eis.

    Wenn man das allein macht, dann schauen die Menschen zwar, als würden sie zum ersten Mal Tränen sehen. Aber so mancher dazwischen spricht einen an und kann vielleicht sogar ein Lächeln hinterlassen…

    So können Tränen Menschenliebe zeigen, die sonst nicht gesehen werden kann..

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    1. Meine liebe Freundin K. aus H. sagt ja, die intensive Weinzeit beläuft sich auf circa 15 Minuten. Dann ist es erstmal vorüber. Und könnte ggf abgeschlossen werden oder eben intensiviert werden für die nächste Traurigseinzeit. Da passt es doch gut mit dem Eis 🙂

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