10 Wörter eine Geschichte – Blogger schreiben gemeinsam

Weil es mal wieder längst überfällig ist!

Weil ich mich auf schöne, spannende, traurige, romantische und völlig bekloppte Geschichten freue 🙂

Weil es mir großen Spaß macht mit euch gemeinsam Geschichten zu schreiben.

Weil hier und da kleine Vermissenszeichen auftauchen.

Weil es großartige neue Wörter gibt.

Here we go: 

Blogger schreiben gemeinsam.

10 Wörter, heute von der wunderbaren Karfunkelfee

Du bist neu ? Klick doch mal hier

Kurzgefasst:

10 Wörter

Deine Chance daraus was tolles zu basteln. Schreiben, Zeichnen, Fotografieren, oder ein Hörspiel? Das hatten wir noch nie 😀  Hauptsache die 10 Wörter finden einen Platz in deiner Kreation.

Verlink deinen Beitrag mit mir, oder kopiere mir deine Geschichte hier rein. Und vielleicht bekomme ich es wirklich mal hin, mal wieder alle gebündelt hier aufzuzeigen. Wobei ich es doch gern auch anders hätte. Mal schauen, was das kommende Jahr so mit sich bringt 🙂

Und hier sind sie:

schwülstig
Klappspaten
Raunacht
Zaubernuss
Blitzzement
Nebelmaschine
Sahnewolke
Pfefferminze
minimalistisch
Gestaltwandler

Viel Spaß 🙂 Und Zeit ist erstmal offen

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64 Kommentare

  1. Ich finde die Idee super schön und die Worte haben etwas für sich, vielen Dank liebe Karfunkelfee und Westendstories. Es ist faszinierend wie viele so verschiedene Geschichten schon entstanden sind. Ich weiß jetzt nicht ob ich mich hätte irgendwo anmelden müssen, oder ob ich einfach so teil nehmen durfte.
    Eine kleine Geschichte hat sich einfach in meinem Kopf materialisiert und möchte euch erzählt werden, wer mag kann mehr erfahren über „Das verlorene Jahr der Welt“:
    https://misstueftelchen.wordpress.com/2016/01/03/das-verlorene-jahr-der-welt/

    Liebe Grüße

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  2. Musste noch sein ….

    Der kleine Gestaltwandler saß auf dem Bootsrand und kräuselte seine Zehen im Wasser. Er konzentrierte sich, so wie er das in der Schule gelernt hatte, und es klappte – er hatte jetzt sechs Zehen am rechten Fuß. Zufrieden zog er den Zeh wieder ein. Sehnsüchtig schaute er über die Wasserfläche. Wenn er nur schon so viel gelernt hätte, dass er wie die Schwäne über den See gleiten könnte. Aber das geht nur mit Üben, hatte die Lehrerin ihnen gesagt, üben, üben, üben – da hilft auch keine Zaubernuss.
    Eigentlich sollte er gar nicht hier sitzen. Er hatte ja den Auftrag, einkaufen zu gehen. Jeder in der 3. Klasse musste das machen, sie wechselten sich ab. Er schaute auf seine Einkaufsliste: „3 Klappspaten, 5 kg Blitzzement, 1 Nebelmaschine (mit Sahnewolken-Modus), 3 kg Pfefferminz“. Und ein P.S. „Wir brauchen das für die nächste Raunacht, also bitte auf gute Qualität achten.“
    Er schielte wieder auf den Schwan. Sooo schön, so majestätisch, gar nicht so schwülstig wie die Fabelwesen, deren Lebensläufe sie immer Montags in der dritten Stunde präsentiert bekamen. Blödsinn alles, unpraktisch. Er seufzte. Nach dem Einkaufen hatte er eine Freistunde, gerade noch Zeit, seinen Aufsatz „Was plane ich für meine nächsten Ferien“ zu Ende zu schreiben. Er machte das immer auf den letzten Drücker, vermutlich würde der Aufsatzlehrer wieder etwas drunter schreiben in der Art „Das ist nun wirklich zu minimalistisch, das gibt nur eine vier minus“.
    Er sah noch ein letztes Mal den Schwan an, der langsam seinen langen Hals nach unten bog, um etwas im Wasser zu erhaschen. „Vielleicht… vielleicht im nächsten Sommer!“.

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  3. Meine Liebe, hier nun die Verlinkung zu meinem Beitrag:
    https://karfunkelfee.wordpress.com/2015/12/09/die-letzte-rauhnacht/
    Und jetzt…möchte ich erst einmal stöbern und lesen. Viele Beiträge habe ich noch nicht gelesen…also los…ich freue mich über diese Resonanz, über die Themenvielfalt der Texte und was den anderen alles einfiel zu meinen zehn Wörtern.
    Das ist einfach nur schön!
    Danke für dieses wunderbare Schreibprojekt.
    Herzliche Grüße von der Fee✨

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    1. Liebe Fee, vielen Dank f[r die lieben Worte. Es ist mir eine Ehre das du dabei bist. Und mir die sch;nen W;rter gabst.
      Heute schreibe ich auch, sofern meine Tastatur wieder funktioniert. Yeichen und Buchstaben sind weg, oder vertauscht, wie du sicher grad merkst >D
      Liebste Gr[-e, und ich ich freu mich auf deine Geschichte !

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  4. Wie immer… wenn’s zu viel wird, einfach löschen 😉

    Es war nass. Er musste vorsichtig fahren. Aber diese Fahrt hatte er sich ausgesucht, um seine 10 Wörter unterzubringen. Er hatte sich für die Zahlen von 10 bis 100 entschieden, immer die glatten Zehner. 60 konnte er schon abhaken, das war die Geschwindigkeitsbegrenzung bei der Einfahrt in die Baustelle.
    Diese Baustelle… sie nervte ihn. Will nicht endlich mal so ein Techniker Blitzzement erfinden? ging es ihm durch den Sinn. Dieser ganze Betonscheiß, taugt doch nicht. Aber was soll’s, Hauptsache er kommt an seine Zahlen.
    Er fingerte am Handschuhfach herum, er hatte sich absichtlich 20 Päckchen Kaugummi gekauft, um die 20 abzudecken. Er zog eines hervor: Mist, Erdbeergeschmack. Das nächste – Himbeer! Verdammter Dreck, dachte er, gibt es hier kein Pfefferminz, habe ich nicht aufgepasst? Er resignierte bei Pflaume. Okay, dann ist es eben Pflaume. Aber die Zahl 20 war geschafft.
    Das Wetter änderte sich, die schweren Regentropfen wandelten ihre Gestalt zu feinsten Nieseltröpfchen, dann verdichteten sie sich immer mehr. „Was’n das? Hat hier einer eine Nebelmaschine in Betrieb genommen, damit ich die Hand nicht mehr vor den Augen sehe? Das ist schon kein Nebel mehr, das ist ja eine Sahnewolke direkt vor meinen Scheinwerfern!“ Er fuhr langsamer, 30. Okay, irgendwann war die 30 ja auch dran.
    Da, ein Parkplatz mit der Nummer 40. Genial! Damit hatte er gar nicht gerechnet. Er zog nach rechts. Autsch, was war das? Ein Stoß ging durch den Wagen. Er kannte das schräge Schepperfahren noch aus den Zeiten, als er mit Billigautos unterwegs war. Ein Platter! Was hatte da auf der Straße gelegen? Hätte er bloß diese blöde Pause nicht gemacht, er wollte ja um Punkt 10 Uhr von der Autobahn abfahren. „Ich denke, 10 Uhr nachts gilt auch statt 22 Uhr“. Okay, Reifen wechseln konnte er. Er sprang aus dem Wagen, zog sich die Kapuze über den Kopf und eilte zum Kofferraum, öffnen, Reifen raus und an die Werkzeugkiste. Auf diese wohlsortierte Kiste war er besonders stolz. Er riss sie auf, wo war der Wagenheber, wo der Akkuschrauber? Das einzige, was ihm aus der kühlen Kiste anblickte, war ein Klappspaten. „Was um’s Verrecken soll ich mit einem Klappspaten?“ Wer hatte ihm diesen üblen Streich gespielt. Wutschnaubend bewegte er sich wieder zur Vordertür, wo das Handy bereit lag. Das laute Knirschen, das heftige Bremsen, das metallische Schlagen des Körpers auf die Seitentür hörte er schon nicht mehr. Hätte er noch denken können, wäre sein letzter Gedanke gewesen „Ich hoffe, der Typ fuhr mit 80 km/h – die 80 fehlte mir noch.
    Erwartungsvoll sah der junge Autor den Verleger an. „Das wird bestimmt mein Durchbruch!“
    Der ältere Herr blickte auf den Anwärter. Er konnte ihn gut leiden, auch wenn er ihn für völlig unbegabt hielt. Aber die Begeisterung, mit der er immer wieder seine schwülstigen Dinge vorlegte, rührte ihn immer wieder.
    „Mein junger Freund“, begann er. Der junge Freund sackte bei diesen mitleidigen Worten bereits in sich zusammen. „Ihre Geschichte … ist etwas zu minimalistisch, es fehlen die Details. Auch dies mit den 10 Wörtern, das ist einfach zu abgehoben. Es fehlte nur noch, dass sie der Story die Überschrift geben ‚Die Raunacht‘.“
    Der junge Autor, der sich für sehr begabt hielt, hatte nicht seine Mutter ihn schon in der Grundschule für seine phantasievollen Geschichten gelobt?, starrte leer auf den Schreibtisch. Dort lag ein großes Rosenquarz-Ei, das ihn schon immer fasziniert hatte. Er hörte nicht mehr, was der wohlgesonnene Mann ihm gegenüber freundlich vermitteln wollte, er dachte nur noch: Das ist eine Zaubernuss, das ist eine Zaubernuss… Er schaute hoch. Ihm gegenüber saß ein alter Mann, aber alle paar Sekunden verwischten sich seine Züge und machten die Metamorphose zum Reptil durch. Da war es dem jungen Mann plötzlich klar: Ja, hier hatte er einen Gestaltwandler vor sich, der die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Und er, ja er, war berufen, die Welt von dieser Bedrohung zu befreien. Sich seiner Mission bewusst, riss er die Zaubernuss vom Schreibtisch und drückte sie dem Reptil in den offenen Rachen. Das Reptil durchlief eine letzte Wandlung. Die Zaubernuss war voller Blut. Der Blick des jungen Autors leerer denn je, als er eine halbe Stunde später gefunden wurde und die Männer in den knallfarbenen Westen fragte: „Darf ich die Zaubernuss mitnehmen?“

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  5. Darf man auch zweimal was „abliefern“? Wenn nicht – Beitrag einfach löschen 🙂

    Mein Spazwandergang heute war minimalistisch – kaum kam ich ans Ende der Straße, fiel mir auf, dass die Frau auf der anderen Seiten so einen komischen Gang hatte, als würde sie auf dem Produkt einer Nebelmaschine wandeln, als würde eine Zaubernuss nach der anderen unter ihren Schuhen rollen und ihre Trittfestigkeit verunsichern. Ein Schritt weiter brachte mir Klarheit, es war rutschig – kein Wunder nach so einer Raunacht – und ich wünschte mir, vom Himmel würde Blitzzement regnen. Tat es aber nicht, ich hatte auch keinen Klappspaten dabei, um den rutschigen Ausphalt aufzureißen, aber da es weder Pfefferminz regnete noch sich eine Sahnewolke am dunklen Firmament zeigte, beschloss ich eben, früher heimzukehren. Dabei wünschte ich mir, ich wäre ein Gestaltwandler, dann hätte ich – statt destruktiv Asphalt aufzureißen – einfach eine eisgerechte Gestalt angenommen, wenigstens bis an den Fuß des Berges. Ihr findet die Schilderung meines Morgenspaziergangs schwülstig? Nicht mein Problem, lutscht einfach ein Pfefferminz und alles wird gut.

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  6. Bei „gelesen“ gefunden und die Idee auch gut gefunden. Hier meine Geschichte (ich hoffe, ich habe die Regeln eingehalten):

    Schwülstig ist das Wetter. Dennoch meine Sehnsucht verlangt es mir ab, ich hole den Klappspaten aus dem Keller. Ob Raunacht oder Zarttag – Hand muss angelegt werden! Während ich so vor mich hingrabe, denke ich mir: Jetzt eine Zaubernuss finden, das wäre toll. Ich grabe tiefer und tiefer. Ich suche die Seejungfrau und wenn ich ihre Mumie fände, wäre das eine Zeile wert. Die Seejungfrau ist ein Märchen, bei dem ich heute noch in Tränen ausbreche.
    Ich muss aufpassen, dass die Tränen nicht auf den Blitzzement treffen, den ich neben meine Füße gehäufelt habe, sonst zieht es mich hinab zur Seejungfrau, ob ich sie beim Grabvorgang treffe oder nicht. Grabvorgang – das hat nicht nur etwas mit Graben, sondern auch mit Grab zu tun, durchschauert mich der wenig aufheiternde Gedanke.
    Mein Nachbar wirft seine Nebelmaschine an. Muss das wirklich sein? Ich breite eine Plastikplane um mich aus, damit ich von den Wassertröpfchen verschont werde, denn ich habe die Befürchtung, dass ich mich wie Zucker in den Tröpfchen auflöse. Ich habe die Worte meiner Klassenlehrerin noch im Ohr, wenn sie uns bei Regen auf den Schulhof scheuchte „Ihr seid doch nicht aus Zucker!“. Woher wollte sie das wissen? Ich bin doch nicht die Seejungfrau, nicht heute, und damals war ich es auch nicht. Aber ich scheue immer noch vor den Wassertropfen zurück, falls ich mich doch auflösen sollte.
    Ich grabe und grabe, die Seejungfrau ist immer noch nicht in Sicht. Wie viele Stunden muss ich noch graben, bevor ich eine Strickleiter brauche, um wieder nach oben zu kommen? Wie kann ich mir die Zeit beim Graben vertreiben, ohne wieder in Tränen auszubrechen und meine Selbstauflösung in Gang zu setzen?
    Ganz einfach – ich wende meine üblichen Selbstschutzmechanismen an. Das ist das Essen. Frustessen nennt man das, gerne in Form von Erdnüssen, da die Zaubernüsse mir zu teuer sind. Aber heute will ich kein Frustessen veranstalten, denn es ist der Tag der Seejungfrau. Ein Rezept muss her, das etwas hermacht. Vielleicht sollte ich eine Torte backen? Locker-leichter Biskuit, mit einer Sahnewolke drauf, die ich mit ein wenig Pfefferminze aus der Tube dekoriere. So kann ich mich gut ablenken, während ich mir diese Torte virtuell Gabel für Gabel, Bissen für Bissen auf der Zunge zergehen lassen. Das bringt mich vielleicht näher zur Seejungfrau, als es jeder Grabvorgang könnte.
    Mein Nachbar ruft aus seinem Nebel herüber „Halloooo, alles gut? Hier ja“. Er hat diese minimalistische Ausdrucksweise, die mich immer wieder befremdet. Warum sagt er nicht „Hallo liebe Nachbarin, ist bei Ihnen alles im grünen Bereich? Ich hoffe doch, dass es Ihnen so gut geht wie mir!“. Dann würde ich ihn vielleicht auch einmal besuchen. Aber so?
    Mein Klappspaten stößt auf etwas, jetzt heißt es vorsichtig sein. Ich beuge mich über eine verwitterte Kiste, aus Blei, so scheint mir. Schöner wäre es, sie wäre aus Gold, dann wäre ich jetzt reich und könnte mir ein Heer von Grabern leisten, die für mich weitergraben.
    Mit viel Aufwand und Kraft gelingt es mir die Truhe aufzubrechen. Ich bin bereit, das Antlitz der Seejungfrau auf mich einwirken zu lassen. Die Spannung wächst, in der Truhe ein gestaltartiges Etwas, das in Leinentücher gewickelt ist, die unter meiner Hand zerbröseln bis auf ein paar Reste. Und dann sehe ich sie – und die Tränen der Enttäuschung laufen mir über das Gesicht. Das ist nicht die Seejungfrau, das ist eine Seeschildkröte. Aber dann hebe ich den Kopf, versuche eine Brise frische Luft zu eratmen und denke: Das ist die Seejungfrau! Sie war nicht nur lieblich, sondern auch eine begabte Gestaltwandlerin. Ich bin am Ende meiner Suche angekommen. Ich weiß nur nicht, wie ich mich jetzt fühlen soll.

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  7. Geschichten aus meinem 10 verrückten Wörtern! So viele neue Gedanken. Wie ich mich auf das Lesen freue…
    Danke Mia!
    Und…natürlich rattert mein Hintergrundprogramm schon…es spuckt Satzfragmente und Wortansammlungen aus…altes beklopptes Schreib-Stotterding…
    Schlafschönträumschön…✨

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  8. Hab ich grad bei Arabella gesehen und mich über ihre Geschichte schon kaputtgelacht. Das ist eine tolle Idee! Da mache ich gerne mit! 🙂

    Die Gestaltwandler

    Redner (in einer Aula): Meine sehr verehrte Damen und Herren …
    Herr Jensen (leise zu seinem Sitznachbarn): Jetzt hält der wieder so eine schwülstige Rede …
    Herr Michels (sein Sitznachbar ebenfalls leise): Bla, bla bla, blabla …
    Redner: Wir sind hier zusammengekommen, in dieser Raunacht, wie schon unsere Vorfahren und Vorvorfahren und deren Väter und Urväter …
    Herr Jensen: Und unsere Urgroßmütter väter- und mütterlicherseits …
    Herr Michels (kichert)
    Redner: … um, wie schon gesagt, diese feierliche Nacht zu begehen, und in jahrhundertealter Tradition …
    Herr Jensen: *Schnarch*
    Herr Michels: Willst Du eine Zaubernuss?
    Herr Jensen: Ne was?
    Herr Michels: Eine Zaubernuss. Schmeckt nach Pfefferminze.
    Herr Jensen: Ja, zeich mal her.
    Herr Jensen (raschelt mit einer Papiertüte und reicht Herrn Michels ein Bonbon)
    Herr Michels: Das ist ja bloß ’n Hustenbonbon.
    Herr Jensen: Naja, was denkst du denn, dass ich hier Zaubernüsse in der Tasche habe?
    Herr Michels: Na, was weiß ich.
    Herr Jensen: Du spinnst doch.
    Redner: … und zur Begehung dieser Zeremonie hat man bereits im Mittelalter mit Räucherwerk …
    Herr Michels: Räucherwerk, hast du gehört? Die haben früher mit Räucherwerk …
    Herr Jensen: Ja was denn? Wenn du nicht dazwischengequatscht hättest jetzt, wüssten wir auch, was.
    Herr Michels: Naja, das ist doch ganz klar. Die haben damit Rauch erzeugt. Sowas macht man heute mit einer Nebelmaschine.
    (Pause)
    Herr Jensen: Denkst du das gleiche wie ich?
    Herr Michels: Ja.
    Herr Jensen: Das wird ein Spaß.
    Herr Michels: Vielleicht sollten wir bis zur Pause warten.
    Herr Jensen: Unsinn. Pläne soll man sofort umsetzen. Die sind wie Blitzzement. Bringt man sie nicht gleich in die richtige Gestalt, ist alles vermasselt.
    Redner: Bla, bla bla, bla bla …
    Herr Michels: Ok, dann los.
    (Sie stehen auf, quetschen sich umständlich durch die Stuhlreihen und schleichen, während sie sich die Krawatten glattstreichen, durch die verdunkelte Aula Richtung WC. Von dort gelangt man in den Technikraum hinter der Rednerbühne.)
    Herr Jensen: Hast du einen Schlüssel?
    Herr Michels: Logisch. (Er klimpert mit dem Schlüsselbund, den er aus der Hosentasche hervorgezogen hat und an dem etliche Schlüssel hängen.)
    Herr Jensen: Nicht so laut! Ist das dein Schweizer-Schlüsselbund mit Laserschwert und Klappspaten und allem? (Er zieht ebenfalls seinen Schlüsselbund aus der Tasche, an dem nur 4 Schlüssel hängen und hält es zum Vergleich daneben.)
    Herr Michels: Ist eben nicht jeder so minimalistisch wie du. Und hast du vielleicht den Schlüssel für die Nebelmaschine? ‒ Siehste.
    (Sie schleichen sich in das Kabuff und schließen ein Technikschränkchen auf.)
    Herr Jensen: Diese ganzen Knöpfe und Lämpchen.
    Herr Michels: Aber nur einer, der da draußen gleich das Blabla in eine Sahnewolke zu hüllen vermag.
    (Sie kichern.)
    (Herr Jensen drückt einen Knopf, der die Nebelmaschine in Gang setzt.)
    Redner: Seit Jahrhunderten, ach was sag ich ‒ Jahrtausenden – Ja, was ist denn das?
    Gelächter aus dem Publikum
    Schüler: Räucherwerk, Herr Direktor. Wie in alten Zeiten.

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  9. Aufruhr im Weihnachtsland

    Kurz bevor der Heilige Abend da ist, passierte es.
    Ein Strolch, ein elendiger, schlich sich in den Stall des Rentiers Rudolf.
    Schon seine schwülsigen Lippen machten seinen Anblick unappetitlich. Und dazu noch dieses feiste Lächeln, das um sie spielte. Eckelhaft, wie der ganze schmierige Kerl selbst.
    Aus seinem schmuddeligen Rucksack zog er einen alten Klappspaten und einen Sack Blitzzement.
    Aus seinen, längst vergangenen Mafiosizeiten, wusste er noch wie man damit umgeht. Selbst diese reißerische Truppe hatte ihn ausgestoßen. Auch dafür wollte er sich rächen. Keiner sollte in diesem Jahr Weihnachtsfreude empfinden. Er würde Rudi einfach einzementieren.
    In seinem minimalistischem Denken hatte er die Wunder der Raunacht nicht bedacht.
    Rudi hatte nur einen Augenblick unruhig geschaut.
    Dann besann er sich auf die Zaubernuss, die unter seinem rechten Huf im schon fest werdenden Zement lag.
    Gerade rechtzeitig konnte er sie noch zerdrücken.
    Dichter Nebel wie aus einer Nebelmaschine stieg auf.
    In ihm verwandelte sich der Zement in eine Sahnewolke.
    Leichthufig stieg Rudi durch sie und trabte geradewegs zum Gestaltenwandler.
    Er drückte einen grünen Knopf und sofort verwandelte sich der fiese Bösling, den die Sahnewolke zementfest umschloss, in Stangen von rosa Pfefferminze.
    Rudi packte sie ein und flog mit seinem Schlitten zum Weihnachtsmann.
    Was würden das für fröhliche Weihnachten werden.

    Gefällt 4 Personen

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