Monat: November 2015

Im Alltag des Alltag

Die Menge johlte. Schreie hallten wirr durcheinander. Die Besucher grölten wie im Rausch und feuerten die beiden Männer in der Mitte des Szenarios an. Einer von beiden war kaum noch auf den Beinen. Ein Auge zugeschwollen, nicht mehr sichtbar. Über dem anderen Auge, wo sich die Augenbraue befand, klaffte eine große Wunde und das pulsierende Blut, welches mit Schweiß vermischt, in sein noch gesundes Auge lief, versperrte ihm fast die Sicht. Ihm war leicht schwindelig. Merkte seinen wunden Körper nicht. Die verdächtig immer dunkelroter werdenden Flecken neben der Niere. Das Schienbein. Das Schulterblatt, welches sich viel weiter unten befand, als es sein sollte. Das Adrenalin schützt vor den Schmerzen. Noch. Es wird nicht lange dauern, da wird ihn sein Körper mit Schmerzen strafen.

Sein Gegner war stärker und blieb fast unverletzt. So wurde er zum Liebling der Zuschauer. Nicht zuletzt durch sein markantes Gesicht und das Funkeln in seinen Augen, welches spätestens drei Minuten, nachdem er den Käfig betrat, bis in die letzten Zuschauerreihen sichtbar war.
In der ersten Reihe, Viplounge, saß eine zarte Frau. Allein. Ein üppiges Dekolleté zierte ihr knappes champagner farbenes kurzes Kleid. Die langen dunklen Haare sorgsam hochgesteckt. Eine auffällige Marc Jacobs Sonnenbrille ließ keinen Blick auf ihre Augen zu. Wer sie genau beobachtete vernahm das leichte Zittern ihrer Beine. Bei jedem weiteren Schlag des Kämpfers, der seinen Gegner weiter zu Boden zwang, ging ein leichtes Zucken durch ihren Unterleib.
Ein nächster Schlag. Blut spritzte. Die Menge grölte. Sie fühlte die feinen Spritzer die ihr Kleid und ihr Gesicht trafen. Rechts neben ihrem Mundwinkel. Mit der Zungenspitze säuberte sie die Stelle genüsslich. Sie sprach mit niemandem, ihre Augen waren immer stets bei den Kämpfern im Ring. Ein paar Minuten später war der Kampf vorbei. Der Gegner lag bewusstlos blutüberströmt am Boden und wurde von den herbeieilenden Sanitätern aus dem Käfig geholt.
Sie stand auf und verließ ohne sich noch mal umzudrehen die aufgeheizte Halle.
Fuhr nach Hause. Befriedigte sich. Duschte, zog ihren rosa Nikki-Hausanzug an. Schenkte sich ein Glas grünen Tee ein und strickte noch ein paar Maschen an ihrer neuen Küchengardine.

Das kranke Hirn

camera_Sophia

Stimmen. Überall Stimmen.

Unruhig wälzt sie sich in ihrem Bett. Klong. Geräusche aus der Wand.

„Die verdammten Nachbarn. Wieso hauen sie nur immer gegen die Heizungsrohre“.

Nimmt das Kopfkissen und presst es sich auf ihr Ohr. „Geht weg von mir! Lasst mich in Ruhe“.

Schließt ihre Augen zu, versucht weiter zu schlafen. Die Geräusche hören nicht auf.

„Na wartet ihr da oben. Ihr könnt was erleben.“ Sie schiebt ein Bein aus dem Bett, geht ins Bad, muss pinkeln.

Anschließend ins Wohnzimmer, macht den Fernseher an. Der dusselig Moderator interviewt irgend einen C Prominenten.

Ihre Augen verdichten sich. Es fallen Wörter die nur sie allein benutzt. Und ihre Mutter. Doch die ist Tod. „Na wartet ihr da oben. Verdammtes Fernsehteam steckt auch mit den beschissenen Nachbarn unter einem Hut“.

Wütend schaltet sie den Fernseher aus, geht in die Küche, holt den riesiegen Schinken aus dem Kühlschrank, geht nach oben und schlägt den Schinken an die Tür. Anschließend verschwindet sie in ihrer Wohnung.

Macht sich auf die Suche. Schaut überall in ihren vier Wänden. Findet die Wanzen nicht. „Noch nicht, irgendwo müssen sie sein“. Fängt an Löcher mit den Händen in die Wand zu kratzen. Hässliche rote Flecken bleiben im bloßen Mauerwerk zurück. Gibt die Suche nicht auf. Ruft die Polizei. Die finden die Wanzen auch nicht.

Bringt die Hunde um den Blog. Sammelt fein säuberlich die noch warmen Haufen ein. Beschmiert,leise in sich hinein grinsend, den Briefkasten der Nachbarin von oben damit. „Diese Nutte die“.

Lässt sich eine Sicherheitstür und ein Sicherheitsschloss mit Fünffachsicherung einbauen. Die Stimmen hören nicht auf. Sie hören nie auf… das Hirn ist zerfressen von bösen laut sprechenden Mikroorganismen.

So schlimm es ist, von solchen Menschen, unwillkürlich mit in eine solche Geschichte hineingezogen zu werden, so schlimm muss es sein, selber manisch zu sein. Hinter jeder Tür was böses zu ahnen. Hinter jedem Menschen einen Fein zu betrachten….

Ein Bild für eine Weihnachtsausstellung

Eine weitere Gemeinschaftsausstellung… und ich kann mich nicht entscheiden, welches Bild mit soll…

Welches gefällt denn euch am besten? Einmal drauf klicken, dann wird es groß 🙂