Im Alltag des Alltag

Die Menge johlte. Schreie hallten wirr durcheinander. Die Besucher grölten wie im Rausch und feuerten die beiden Männer in der Mitte des Szenarios an. Einer von beiden war kaum noch auf den Beinen. Ein Auge zugeschwollen, nicht mehr sichtbar. Über dem anderen Auge, wo sich die Augenbraue befand, klaffte eine große Wunde und das pulsierende Blut, welches mit Schweiß vermischt, in sein noch gesundes Auge lief, versperrte ihm fast die Sicht. Ihm war leicht schwindelig. Merkte seinen wunden Körper nicht. Die verdächtig immer dunkelroter werdenden Flecken neben der Niere. Das Schienbein. Das Schulterblatt, welches sich viel weiter unten befand, als es sein sollte. Das Adrenalin schützt vor den Schmerzen. Noch. Es wird nicht lange dauern, da wird ihn sein Körper mit Schmerzen strafen.

Sein Gegner war stärker und blieb fast unverletzt. So wurde er zum Liebling der Zuschauer. Nicht zuletzt durch sein markantes Gesicht und das Funkeln in seinen Augen, welches spätestens drei Minuten, nachdem er den Käfig betrat, bis in die letzten Zuschauerreihen sichtbar war.
In der ersten Reihe, Viplounge, saß eine zarte Frau. Allein. Ein üppiges Dekolleté zierte ihr knappes champagner farbenes kurzes Kleid. Die langen dunklen Haare sorgsam hochgesteckt. Eine auffällige Marc Jacobs Sonnenbrille ließ keinen Blick auf ihre Augen zu. Wer sie genau beobachtete vernahm das leichte Zittern ihrer Beine. Bei jedem weiteren Schlag des Kämpfers, der seinen Gegner weiter zu Boden zwang, ging ein leichtes Zucken durch ihren Unterleib.
Ein nächster Schlag. Blut spritzte. Die Menge grölte. Sie fühlte die feinen Spritzer die ihr Kleid und ihr Gesicht trafen. Rechts neben ihrem Mundwinkel. Mit der Zungenspitze säuberte sie die Stelle genüsslich. Sie sprach mit niemandem, ihre Augen waren immer stets bei den Kämpfern im Ring. Ein paar Minuten später war der Kampf vorbei. Der Gegner lag bewusstlos blutüberströmt am Boden und wurde von den herbeieilenden Sanitätern aus dem Käfig geholt.
Sie stand auf und verließ ohne sich noch mal umzudrehen die aufgeheizte Halle.
Fuhr nach Hause. Befriedigte sich. Duschte, zog ihren rosa Nikki-Hausanzug an. Schenkte sich ein Glas grünen Tee ein und strickte noch ein paar Maschen an ihrer neuen Küchengardine.

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