Alltag einer Singlefrau

Auszug eines Singledaseins. Der Singlefrau von heute geht es meist so richtig gut. Wirklich. Selbst ist die Frau, schafft sie vom achter Dübel in die Wand, bis hin zum Karrenkauf wirklich alles selbst. Leichtes Holpern dennoch nicht ausgeschlossen.

Samstags Morgens beim Bäcker um Zehn. Das ist eine Zeit, da sollte es Singlefrau vermeiden zum Bäcker zu gehen. Strahlende Gesichter von ausgeschlafenen familienfreudigen Männern, wie auch halbtote Überbleibsel der letzten Nacht, selbiger Gattung, bevölkern den Bäcker. Hier eine achter Tüte Körner. Dort die Familientüte mit zwei Croissants inklusive. Singlefrau:  „Ein Mohn bitte“. Schielende, bedauernde Blicke von rechts und links. Natürlich ganz beiläufig und scheinbar ungesehen. Da helfen erstmal fünf Minuten später nur zwei dickbeschmierte Hälften mit Nutella. Zucker hilft in solchen Momenten. Zumindest bis zum nächsten Kauf einer Hose. Spätestens dann ist das Drama ihrer Inkonsequenz da.

Später muss Singlefrau zum Arzt. Kann kaum auftreten, der Fuß ist dick geschwollen. Es ist Wochenende, also ab in die Klinik um ihren Knöchel fachkundig untersuchen zu lassen. Im Bad nochmal schnell den schmerzhaften Fuß gecheckt, Fuß ist sauber, Lack ist noch frisch und schick. Zwei zufällig entdeckte Haare schmücken Frau´s linken Zeh. Oh  Gott. Kopfschuss oder Rasierer. Pinzette ist zu schmerzhaft. Zack die zwei letzten maskulinen Attribute weg und los.

Drei Stunden im überfüllten Krankenhaus warten. Zwei Galas und einen Stern später ist Singlefrau dran. Endlich. Schön, wenn die wohl bestaussehendste Granate der zuständigen Orthopäde ist. Ratzfatz  richtet Singlefrau noch schnell die Haare, nebst Brille auf dem Kopf zurecht, und ihm gefolgt. Seine wunderbaren Augen, ebenso vollen Lippen, zum hinschmelzen. Er begutachtet ernst ihr übelschmerzendes Gelenk. Tastet, fühlt, tastet noch ein wenig mehr. Nickt und diagnostiziert eine Überdehnung durch zu hohes Schuhwerk. Auf Dauer schwer Fußschädigend. Aha.

Frau lächelt, verspricht nicht mehr auf allzu hohen Absätzen tagtäglich rumzulaufen, strahlt den Doktor noch kurz an und will schon wieder los. Nicht ohne ein paar tiefe Blicke und ein paar bedenkliche Gedanken Richtung  Doktor zu werfen.

„So, würden Sie bitte auch den anderen Schuh ausziehen?“ . „Nein.“ „Wie bitte?“. „Nein nein, das braucht doch nicht, eine Salbe wird helfen, ich muss los“. Das ist jetzt nicht sein Ernst. Leichte Panik macht sich breit. Der Film spult zurück. Zurück ins Bad. Zurück zu nur einem überarbeiteten und aufgehübschtem Fuß. Der Doktor ist unerbittlich und Singlefrau gibt schweigend nach. Ohne selber hinzuschauen, zieht sie die Socke vom Übel und wird ganz still. Der Doktor, Gentleman wie er ist, verzieht keine Miene. Bittet die Dame ein wenig vorsichtig die Tage zu laufen und das ja auf flachen Schuhen. Sie nickt und geht.

Einen letzten Gang noch schnell in den Supermarkt, während sie ihrer Freundin via Handy, von dem blöden Arztbesuch berichtet. Hier ein paar Äpfel, dort eine Milch, ach ja, ein paar Hygieneartikel können auch nicht schaden. Ab an die Kasse. Sie redet und redet immer noch. Hinter ihr drei Herren im Anzug. Sie hat eh genug von weiteren Auftritten, schmeißt ihren Einkauf direkt vor die Kerle aufs Band und will nur noch nach Haus.

Erst daheim merkt sie, dass die vermeintlichen Hygieneartikel Inkontinenzeinlagen mit extra dickem Boden waren. Gute Nacht für heute.

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32 Kommentare

  1. schlimmer gehts immer 🙂
    doch wer so spritzig und schön schreiben kann, muss sich weiß Gott keine Gedanken um nur einen pedikürten Fuß von zweien machen – alles andere wäre spießig 😉
    Herzliche Abendgrüße sendet
    Marlis

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      1. Grüß sie herzlich von mir und richte ihr aus, dass sie mich auch dazu animiert hat einen kritischen Blick auf meine french-lackierten Zehennägel zu werfen. Ja, ja, ich kehre auch heftig vor der eigenen Tür, obwohl besagte Lackierung (und zwei Glitzersteinchen sind auch noch dabei) tatsächlich zu meiner eigenen Freude da ist. Prinzipiell ……… :mrgreen:

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      1. Ich habe gar nichts vor. Du klagtest doch über Probleme beim nächsten Kauf einer Hose, wenn ich zitieren darf: „Zucker hilft in solchen Momenten. Zumindest bis zum nächsten Kauf einer Hose. Spätestens dann ist das Drama ihrer Inkonsequenz da.“
        Kaufe Stretchhosen und Du hast die freie Süßigkeitenwahl ohne Hosendrama … 😉

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