Wo fängt es an, wo hört es auf. Sequenzen aus einem Leben mit ES

Oder: wann warst du das letzte Mal 13?

Das Leben mit einem ES ist, sagen wir, stunden-quartalsweise wirklich total toll. Den Rest blenden wir am besten aus. Diese Zeit wenn man höchstens den Schatten von ES zwischen Bad und Bett vorbei huschen sieht. Ganz kurz. Eine Milisekunde hast du vielleicht Glück und erhascht einen Blick, mindestens von der Rückseite, dann ist ES scrollend oder laut singend auch schon wieder weg. Die Spuren von ES sind allerdings spätestens beim Betreten vom Badezimmer deutlich. Gerne markiert ES am liebsten Morgens diesen Raum. Ist ja schließlich nur ES ihr Bad. Und der Rest der hier wohnt? Bitte welcher Rest?  Der könnte auch in der Küche seine Zähne putzen und wenn er sich klein machen würde, wäre eine morgendliche Dusche im Spülbecken sicher auch nicht so schwierig.

ES verteilt dann gerne Fön, Glätteeisen, Concealer, Coversticks, Deo, Haarkämmspray, Labello, Augencreme, Antipickelcreme für die Stirn, Handtücher, Schlafhose und Co im Bad und begibt sich anschließend wieder in die einzig genutzten 3,2 qm im eigentlichen ES-Zimmer, geschmückt mit Kissen, Decke und nicht zu vergessen, dem Ladekabel. Zweitwichtigster Gegenstand neben dem Handy überhaupt. Und so lebt ES quasi in seinem Bett. Könnte ES auch in die Abstellkammer schieben und ihr Zimmer untervermieten. Würde dem ES sicher gar nicht auffallen.

Aber da wollen wir den Fokus ja gar nicht drauf halten. Waren wir ja alle mal ein ES. Auch wenn es der eine oder andere gern vergaß oder leugnen möchte. Aber neee, da kommt keiner mit durch. Früher oder später geraten wir alle in diese nicht greifbare Zeit, die dennoch so unglaublich toll ist. Wenn auf einmal kein Kind mehr mit am Tisch sitzt. Wenn die Augen Geschichten erzählen. Wenn du auf einmal eine politische Meinung hörst. Getuschte Wimpern mit zarten Rosa auf dem Wangen siehst, laut gesungene englische Lieder mit korrektem Text aus dem Zimmer ertönen, Geschichten über die verliebte Freundin am Tisch erörtert werden. Und du gebeten wirst, abends eine Stunde länger aus zu bleiben. Das lässt das Herz höher schlagen, vergisst das Chaos und du denkst vielleicht selber an deinen Start ins Erwachsen werden zurück.

Und so sitze ich eben da, sinniere über die furchtbare Pumphose aus meiner ES Zeit, die schreckliche Mode insgesamt damals und bekomme die neuste Schülerzeitung in die Hand gedrückt.  Und bin völlig begeistert.

Du meine Güte, wenn ich da an unsere Schülerzeitung so denke. Und weil ich zwei Exemplare bekommen habe, schicke ich es gern an jemanden, der Interessiert ist und sich mal eine wirklich coole Zeitung der Generation 2015 näher anschauen möchte, zu 🙂

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20 Kommentare

  1. Gedanken eines passionierten Onkels mit ohne eigenem Balg:

    Der Punkt an dem du dem Kleenen sagst: wenn die Eltern nerven, kommst’e rum, gönnst’e dir un‘ wir chillen was ab.

    Und das es dann auch passiert und man über die Probleme dann auch mit ES sprechen kann und es weitergeben kann.
    Ich wünsche dir und eigentlich jedem Elternpaar einen Onkel oder eine Tante oderoder, die als externe Bezugsperson entspannen kann um letztlich zu vermitteln.

    Am geilsten is‘ einfach, dass ich ihn abgeben kann wenn er nervt. 😉

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    1. Also ich hab die heute auch abgegeben und find das ebenso geil 😀

      Eine so nahe Beziehung wie du sie empfiehlst, haben sie zum Glück. Der eine zum Onkel die andere die Omi. Ich hatte beides nicht und bin sehr dankbar, das sie so selbstverständlich immer einen Ort haben, wenn sie Abstand brauchen 🙂

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  2. Unser ES ist manchmal etwas unausgelastet und weiß nicht wo es ihr Ei hinlegen soll.

    Was ist los?

    Nichts

    Na komm, irgendetwas ist doch?

    Nein, es ist nichts

    Usw und man sieht das doch etwas ist. Manchmal kommt etwas und manchmal eben nicht. Man weiß es vorher nie. 🙂

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  3. Und ganz erstaunlich ist es, wenn so ein ES woanders ist und es so ganz anders wahrgenommen wird: ihre aufblühende Schönheit, ihre Wachheit, ihre Verwirrtheit, ihre Empathie, ihre Intelligenz, ihre Sportlichkeit und Hilfsbereitschaft 😉
    So lernen Eltern ihre eigenen ES nicht kennen in der Pubertät 😆
    Um diese Jahre zu überstehen, liebe Mia, musst Du Dein ES sehr lieben, eine Riesen-Portion Gleichmut bekommen und Dich fast jeden Tag an die eigene Jugend erinnern. Und ab und an darf man auch mal einen Teller an die Wand schmeißen, in den Wald laufen und lauthals schreien oder ähnliches, hilft manchmal 😉
    Sei ganz herzlich gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

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    1. Haha, genauso ist es. Also wenn ich ES von meiner Freundin hier habe.. hach, was für ein wohlgeratenes höfliches, stets gut gelauntes fleißiges Kind ^^ 😀 Haha… ich übe und übe mich in deinem zweiten Absatz tagtäglich und weiterhin. Versprochen. War ja selber quasi eben erst ein ES 🙂
      Herzliche Grüße zurück >3

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      1. Tja, so sind sie, die kleinen, niedlichen ES, gell ♥
        Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächsten Jahren beim täglichen Durchhalten und „Üben“ 😉
        GLG ♥ Pauline ❤

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  4. Ein wunderbarer Text, der mich breit grinsen läßt. Ja, ich weiß, bei mir dauert es auch nicht mehr lange. Erste Anzeichen von ES sind schon zu erkennen 🙂 Sieht cool aus die Schülerzeitung. Lieben Gruss. Melanie

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    1. Es schwankt zwischen in den Keller sperren, zu bewundern, zu lieben, an die Wand zu klatschen…. übelst nett quasi 😀 Viel Spaaaaß sag ich nur ^^ Und ja, die Zeitung ist total cool. Und der Kerl auf dem Bild ist echt ein Lehrer von ihr gewesen 🙂 Unglaublich. Also meine Lehrer sahen anders aus. Echt jetzt 😀 . Mist. Das muss noch in den Text ^^
      Liebe Grüße zurück.

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      1. Okay, das ES ist doch schon mehr hier zu erkennen, nachdem was Du beschreibst 🙂 Wie cool ist das denn. Ihr Lehrer? Solche Lehrer gab es in meiner Schulzeit auch nicht.

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      2. Dialog:
        Du Hirnamputierte kleine Knallkuh.
        Er.Sechzehn.
        Du, Du, Du, ach, blöde Sch….
        Sie. Fast Dreizehn.
        Mama, der hat Knallkuh gesagt!
        Sie hat aber angefangen, diese kleine blöde…piep…affige…pieppiep…
        Er. Sechzehn.
        Du Lusche! Ich mach Dich fertig!
        Sie. Fast Dreizehn.
        Ich.
        Irgendwo dazwischen.
        47.
        Pah.
        Dreizehn?

        Toller Text, Du…
        Der Dialog stammt von meinen Kindern. Geschwisterliebe. Pur.
        Heute in der Küche.
        Where‘ s the difference?✨😊

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