Kurzgedanken III Etwas länger und in Farbe.

Oder eher Splitter und Fetzen…

Die Ambivalenz der Gedanken die seit Monaten den Kopf durchjagen, rasen, Ecken ankratzen, tiefer dringen, Angst machen, in Frage stellen, schießen von Höhepunkt zu Höhepunkt. Eine Achterbahnfahrt wäre sicher ein Witz dagegen. Stell ich mir zumindest so vor. Ich steh nicht so auf Höhe und auch nicht auf den durch solches erreichten Adrenalinspiegel. Bin da eher für die Tiefe zu haben. Sie reizt mich mehr.

Im Moment allerdings ist die emotionale Talfahrt täglich ungeheuerlich.. Verschiedenste Gedanken, sie klatschen ständig am Kopfeingang ab und machen sich in meinem Hirn breit. Und ständig ist die Gefühlwelt durchgeschüttelt.

Heute ist die: LeckmichamarschEmo ganz weit oben, gepaart mit der LeererkopfistmiramliebstenEmo. Doch leider sind diese Gefühle ständig nur kurze Haltepunkte. Verschnaufpausen. Da reicht ein Blick auf Käthe Knoblochs´s wundersamen schönen Blog und schon jage ich wieder los zur nächsten Talfahrt. Runter ins Grauen.

Es ist so als ob derzeit alle Regeln irgendwie außer Kraft scheinen. Oder das sie sich neu finden müssen. Ja. So klingt es besser. Der liebe und so weise Gerhard Mersmann hatte dazu gestern einen Artikel, der aus dem Tieftal wieder hoch half. Vor allem der letzte Absatz.

Ich weiß nicht ob ein Einpendeln funktionieren wird. Ich weiß nicht was kommen wird, aber ich weiß das diese ganze Medienmache Menschen erschreckt, ihnen soviel Angst macht, das sie Gewehr bei Fuß zu stehen scheinen und vorab provisorisch erstmal schießen. Irgend wen richtigen trifft es schon.

Wenn ich bei Facebook lese das dafür geworben wird: „schau bei deinen Freunden, wer die Pegida unterstützt“, dann kann ich kotzen. Wo sind wir hier, bei der Stasi?

Denn ganz ehrlich, ein klares Statement, auch wenn es mir völlig missfällt, Menschen die klar und offensiv ihre Meinung vertreten, sind mir als Gegenüber viel lieber, als die, die ihr vermeintlich gefährliches Gedankengut für sich behalten und dir von hinten in den Rücken schießen. Sie sind noch gefährlicher als die dummbratzigen Mitläufer. Die Gutsmenschen, die ihre dreckige Wäsche nur im Keller aufhängen….

Wie auch in jedem guten Krimi, der Bösewicht ist mir häufig lieber, als der intrigante „Zweitbösewicht“.

Vor Monaten wurde mir mal eine Frage gestellt:

„Stell dir vor, ich gebe dir 1.000.000 Euro und dafür drückst du einen Knopf. Einen kleinen Knopf. Mit dem bringst du 10 Menschen um. Du kennst sie nicht, sie können dir völlig egal sein. Am anderen Ende der Welt, da befinden sie sich. “   Die erste automatische Antwort wird dir sofort ins Hirn schießen. Hab ich recht? Aber überlege weiter. Und tiefer. Ein paar Tage. Ich möchte die Antwort nicht wissen. Es soll nur widerspiegeln, das es eben mehr in uns gibt. In jedem Einzelnen.

Und bevor die Hütchen – Stöckchen Reise weitergeht, hier einen Stop, vielleicht gibt es Morgen eine ganz neue Sicht der Dinge. Oder eine noch bessere Erkenntnis. Oder einen Schöneweltzauberstab 😀

 

Und passend dazu, denn der Kopf fährt schon wieder Achterbahn:

Heute hat ein Bild mal einen Namen…

Der leere Kopf

 

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54 Kommentare

  1. Es braucht beileibe keine Million, liebe Mia, um Menschen zu erlegen, das machen Soldaten im Krieg völlig umsonst, und dann vergewaltigen sie auch noch dabei kleine Mädchen, was für eine Welt! Und auch ein Profikiller gibt sich mit viel weniger „zufrieden“…
    aber:
    Wir beide haben die Welt nicht „erfunden“, so wie sie ist! Es gibt sie so, und das Geld thront gewaltsam über allem und lacht sich eines, und alle machen nichts dagegen, ALLE!

    Trotz allem… liebe Morgengrüße an dich von mir…

    und was ich auch noch sagen wollte: was für ein Gemälde von dir, Hammergut!!!

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  2. Die Frage mit dem Knopf, die ist eine, die uns abstrakt erscheint. Die traurige Realität ist aber, dass wir tagtäglich einen solchen Knopf drücken. Eine Million bekommen wir dafür nicht, wir erhalten stattdessen damit unser System am Laufen. Ich frage mich mittlerweile, ob ich aufgrund dieses Wissens es nicht sogar wagen würde, den Knopf zu drücken…

    Und ansonsten habe ich mir selbst gesagt, dass es jetzt wieder weitergeht. Ich schreibe meine Texte, die sich nicht auf die aktuelle Situation beziehen (womöglich sind sie beeinflusst, aber wie könnte ich das abstellen?). Das Leben hat so einige hässliche Fratzen, ich wende mich gerade wieder den schönen Gesichtern zu und erzähle ihre Geschichten. 🙂

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      1. Also wenn man sich bewusst wird, dass Menschen tagtäglich dafür leiden, dass ich günstige Klamotten kaufen kann oder dass Menschen dafür sterben, dass ich Benzin tanken kann und unsere Maschinen laufen, dann sinkt die Hemmschwelle, direkt einen Mord zu begehen. Gestern erst bekam ich von einem Berufsschullehrer berichtet, wie sich zwei seiner Schüler verhalten, die für Deutschland in Afghanistan waren. Wir schicken sie dorthin, denn kaum jemand demonstrierte damals gegen jenen Einsatz oder tut es mittlerweile. Entweder es sind unsere Soldaten, die dort sterben oder es sind eben Menschen in Afghanistan, die dabei sterben. Das ist die traurige Realität. Die Frage, ob man zehn Menschen, von denen man nichts weiß und niemals etwas wissen wird, tötet, zielt genau in diese Richtung. Wir tun das eigentlich schon, so sehe ich es zumindest und wenn nun jemand zu mir käme und mir eine Million anbietet, dann kann ich jetzt hier sehr leicht schreiben, dass ich es ablehnen würde, aber ob ich in der Realität mein Gewissen nicht doch damit betrügen könnte, dass irgendwo ja eh jemand für mein wohliges Leben stirbt???

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      2. Danke. Ja, jetzt kann ich dir besser folgen. Gewöhnt daran, dass andere für uns sterben und Millionen will hier doch auch jede:r. Warum also plötzlich Hemmungen entwickeln?

        Dass unser Gewissen uns auch betrügen kann, das finde ich ganz nebenbei einen Punkt zum Festhalten.

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      3. Nunja, den Knopf zu drücken, das werden die wenigsten Menschen einfach so tun. Da ist also etwas in uns, dass ganz genau weiß, dass es falsch ist und was uns stocken lässt. Vielleicht sollte man auf dieses etwas hören 😉

        Inwiefern kann uns unser Gewissen betrügen? Nun musst du mal erklären 😀

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      4. Ha, ha! Das kam doch von dir!
        Ich verstand es ungefähr so: Dieses typische schlechte Gewissen kennen wohl die meisten. Nagt und sagt, das wäre anders besser gewesen. Moral, Über-Ich oder auch persönliche Wertvorstellungen, die sich bemerkbar machen.
        Hier womöglich umgekehrt. Natürlich weiß man, dass es falsch ist, diesen Knopf zu drücken und man stockt. Aber dann kommt dieses Betrügen ins Spiel. Weil eh unser Lebensstil auf Kosten anderer, schnelles Geld, Fremde, blablabla. Quasi zu etwas kommen, wogegen normalerweise das schlechte Gewissen ausschlägt (was in Folge nicht ausgeschlossen werden kann).
        Aber – und westendstories hat eh schon Geduld mit uns – ich könnte an dieser Stelle noch weitergehen. Ist das dann „Gewissen“ zu nennen, das uns betrügt? Oder ein Geschwister, dessen Name ich grad nicht sagen könnte?

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      5. Ob es nun Gewissen heißt oder eine innere Stimme ist…es ist doch irgendwie das Gleiche 😉 und was den roten Knopf betrifft, so kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wie ich mich entscheiden würde. Meine aktuelle Antwort wäre ein klares „Nein, ich drücke ihn nicht.“ Und man muss auch das sagen, denn man darf das Gute im Menschen ja auch nicht vergessen.

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    1. Und darum lies bitte Justine, von de Sade. Es spiegelt das derzeitige Weltbild ungemein. Und erschrecken richtig wieder.
      Danke für den Link, heute abend ist Muße 🙂
      Übrigens finde ich deinen wahrheitsgemäßen Kommentar sehr gut!

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      1. Du kennst ja meine Meinung zu de Sade, aber ich schaue mal, ob ich da nicht ne legale und kostenlose pdf bekomme, die ich mir auf meinen Kindle ziehe. Ist immerhin lang genug tot, der Kerl.

        Ja, mir ist heute aber auch so ungemein danach, die Wahrheit zu sagen 🙂 da fällt es mir leichter…vielleicht hab ich noch Alkohol im Blut…wer weiß 😉

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      2. Mensch, das wollte ich Dir doch noch erzählen: ich lese es gerade. Es zog mich eigentlich nie richtig zu diesem Buch, aber nach Deiner Empfehlung stand es dann doch auf meiner Liste. Schwere Kost … Lieben Gruss. Melanie

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  3. Das Einpendeln muß, wird gelingen. Ein Lächeln eines Fremden, ein Wort der Liebe, ein Zeichen des Vetrauens, eine kleine Freude…
    Ich habe heute einen Fremden gefragt, ob er ein Stück mitfahren will im Automobil, habe an der Tankstellenkasse ein Duplo gekauft und dem Kassierer geschenkt und habe der Omi, der ich die Bestellung nach Hause brachte, einen Blumenstrauß geschenkt. Der große Seelenschmerz, er drückt nicht mehr ganz so schlimm.
    Danke fürs Bewohlworten, liebe Mia und nochmals herzliche Grüße, Deine Käthe.

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  4. dumdidum.. wer wird sich denn aufregen? Anderswo sterben täglich viel mehr menschen aus ganz anderen gründen als der luxus-pressefreiheit. z.b. boko haram: verschleppt mädchen und vergewaltigt und tötet sie. regt sich hier auch keiner drüber auf, weil die leute nie über den tellerrand gucken!
    nur wenn mal quasi „vor der haustür“ ne bombe detoniert, ist die welt plötzlich schlecht? nee, war sie auch vorher und wird sie auch immer bleiben!

    Frau L. aus HH… drückt trotzdem die verfasserin obigen textes.

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      1. Ich hab meine rosa Brille schon lange runtergespült im Klo. Vielleicht treibt sie irgendwo auf nem Fluss. Wer sie findet: Es könnte noch „AA“ dran kleben. Pfui!

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      1. Immer diese Links, bei denen ich mittlerweile nicht mehr abschätzen kann, wohin sie führen.
        Dir, Ben, vertraue ich da ein Stück weit. ABER wenn ich danach nicht schlafen kann, dann bleibst du mit mir wach und erzählst mir eine Geschichte!

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      2. Sehr gern und Herr Volckmann darf eh ein paar mehr Besucher bekommen. Keine Ahnung, wieviele Leute auf seine Seite schauen, aber es dürfen gern mehr sein. Er hat ja auch gerade erst ein Buch veröffentlicht, welches mir schon bereitliegt, gelesen zu werden.

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      3. Ne, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Was meine Geschichten betrifft, da bin ich entspannt. Ich mag es auch gar nicht so sehr, sie selbst vorzulesen. Es freut mich aber dennoch ausgesprochen, dass sie dir gefallen.

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