6. Einladung für alle interessierten Mitschreiber, Blogger, Skizzierer, Fotografen (auf die ich immer noch warte :D )

Die sechste Woche bricht an, bin weiter gespannt auf coole Stories, sanfte Töne, traurige Klänge, schicke Bilder, lustige Texte, laute Kracher.

Die vergangenen Wochen waren wirklich fantastische Geschichten am Start, ich freue mich immer, wenn der „Nächste“ sich an diese Materie traut und einfach loslegt. Probieren, Testen, Freue an der Schreibe haben. Das ist die Intention.

Das Bildprojekt seht noch ein wenig mehr in den Kinderschuhen, vielleicht hab ich bis nächste Woche ein neues gemalt und starte einen zweiten Versuch. Oder es gibt etwas ganz neues. Man wird es sehen. So. Nun aber.

Hier nochmal (wie immer) die Verlinkung zum Beginn dieses Projekts.

Heute gab die liebe Arabella50 die 10 Wörter vor. Danke an dieser Stelle.  Habt viel Spaß!

1.Aprikose
2.Ozean
3.Gothik
4.Seide
5.Anthony Hopkins
6.Zeit
7.Perle
8.Südafrika
9.heimelig
10.Abschied

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73 Kommentare

  1. Eine haarige, kleine Spinne krabbelte über seinen Fuß, er wackelte mit den Zehen. Die Spinne blieb stehen und verweilte. Fast schien es ihm, als würde sie ihn angucken, mit ihm sprechen. Doch er halluzinierte viel seit einigen Tagen, er war daran gewöhnt. Wären seine Hände nicht auf dem Rücken zusammengebunden, könnte er das Spinnentier einfach vorsichtig in die Hand nehmen oder beiseite schupsen. Dieses lief nun seine Fußsohle hoch. Er kicherte.
    „Was ist?“, unterbrach der dicke Mann, der vor ihm mit einem Buch im Schneidersitz saß, sein lautes Lesen. Zum dritten Mal hatte er dieses Buch schon angefangen. Er las gerne, außerdem wollte er den Gefangenen etwas aufheitern. Es war ein Werk von Anthony Hopkins, andere Bücher gab es auf dem Schiff nicht.

    Der junge Mann mit den gefesselten Gliedern fühlte sich den Theorien Hopkins draußen auf dem Ozean erstaunlich nahe. Wenn man nichts anderes unter sich hat, als das schaukelnde Holz und über sich der Himmel, dann versteht man das Wort Bedeutungslosigkeit besser. Sein Hemd aus Seide hatte man ihm weggenommen, dafür hatte man ihm ein verschwitztes Hemd gegeben, damit die Sonne ihn nicht verbrennt. Wann das war, wusste er nicht, Zeit hatte ihre Bedeutung verloren. Wie alles.

    „Die Spinne“, krächzte er, „kannst du sie von meinem Fuß holen? Sie kitzelt.“ Der Mann hob die Spinne an einem Bein hoch und schnickte sie über Board. Er ignorierte das Gesicht des Gefangenen, der immer sehr mit Tieren mitfühlte.

    Ein weiterer Mann kam und sofort hörte man Magenknurren von verschiedenen Ecken des Schiffes. Er war derjenige, der die Essens-Dosen verteilte. Er stellte zwei davon vor den Vorleser und dieser öffnete sie mit einem Messer, indem er dieses mit dem Handballen auf hämmerte. „Aprikosen!“, seufzte er glückselig. Er gab dem Gefangenen eine ab. Er war der netteste auf dem Schiff. Mit dem Messer spießte er eine Aprikose auf und hielt sie ihm vor den Mund. Wie ein schnappender Fisch versuchte er von der kostbaren Frucht abzubeißen. Saft tropfte ihm auf den Hals, süßes Fruchtfleisch landete auf seiner trockenen Zunge. Er kaute japsend.

    „Wir kommen bald an Festland vorbei“, plauderte der nette Gefängniswärter, während er die andere Dose öffnete. „Wir lassen dich wohl da. Ich weiß nicht, welches Land es ist. Südafrika vielleicht. Dort kannst du Menschen finden, die dich retten werden.“ Die zweite Dose enthielt Bohnen, wie enttäuschend. „Ein bisschen wird mir der Abschied von dir ja schon schwerfallen. Du bist auf dem Schiff der beste Zuhörer. Das hat es hier irgendwie heimelig gemacht.“

    Der junge Mann blickte hoch. So sehr er seine Gefangenschaft als Qual empfand, er fürchtete sich vor einer unbekannten Wildnis noch mehr. „Mein Seidenhemd“, sagte er, nachdem er sich geräuspert hatte, „bekomme ich den obersten Knopf zurück?“ Es folgte ein Lachen: „Nein. Der oberste Knopf ist eine Perle. Die werden wir verkaufen und viel Gold dafür bekommen.“ Er sang ein Sauflied, bis seine Stimme wegbrach, dann: „Kennst du dieses Lied? Ach, sicher nicht. Es ist neu. Es ist von Gothik vor die Hunde, eine Band aus Schottland.“

    „Die Perle habe ich von meiner Mutter. Sie sollte mir auf meiner Reise Glück bringen. Mich vor Tropenkrankheiten bewahren, vor Sonnenstich… und Piraten…“ Seine Stimme war klein und traurig. „Ich sehe, was ich machen kann“, murrte der Pirat, doch sein Versprechen war bedeutungslos. Er stand mit knackenden Knochen auf, klemmte sich das Hopkins-Buch unter den Arm und beim Weggehen grölte er wieder seinen neuen Ohrwurm.

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    1. In der Welt daheim
      Welch herrlicher Abschied. Der Ozean spielte die Hintergrundmusik, ein Obstmandala aus Bananen, Aprikosen und Papaya versprühte den Duft und die Zeit legte sich wie ein Schleier aus Seide um die Schultern. Es schien ein ganzes Leben lang her zu sein, als sie von Anthony in Südafrika begrüßt worden war. „Anthony“, stellte er sich mit einer kleinen Verbeugung vor. „Anthony wie Hopkins.“ Durch ihn hatte sie sich hier vom ersten Moment an heimelig gefühlt. Für ihn war sie eine Perle, einen Schatz.
      Welch herrliches Gefühl, das sie nun mit nach Hause tragen durfte. Direkt hinein in die kleine Wohnung ihrer Schwester, wo alles nach Gothic schrie. Und sie freute sich darauf zu entdecken, was aus der Perle werden würde. Denn eines wusste sie: Verlieren konnte sie sich niemals wieder.

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      1. ich wiederhole: ich sitz hier bloß. hab es aber geschafft, gestern einen usb-stick abzuschlagen. psychische schmerzen…
        und der bildschirm vom läppi könnte auch plötzlich zuklappen und…
        wow… besser, man hat die neigung. wirklich besser!

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  2. Wenn sie Muße hätte, würde sie möglicherweise mitmachen bei dieser Schreibgeschichte.
    Sonntag abends, wenn die Woche ihren Abschied einläutet, es still wird, heimelig und dämmrig, dann tauchen diese zehn Wörter auf. Wie aus dem Grund eines tiefen Ozeans. Aufgehoben von Menschen, deren Namen sie mitunter kennt. Sie heben die Worte wie kostbare Perlen auf, lassen sie einfließen in Geschichten, verwoben mit Gedanken und Bauchnabellust.
    Wörter können wie Samt sein, Seide, Leinen, alles möglich, blassgrün, brillant weiß, feurig rot. Hellgelb wie die Sonne sich nur in Südafrika zeigt, tiefschwarz wie die Lippen des Gothic-Mädchens, das hinter dem Gartenzaun lebt. Alle Schattierungen spürbar.
    Sie mag das Spiel mit Worten. Die Gedankengänge anderer Menschen. Manchmal ist es, als schenke sich ihr ein Wort. Eine einzelne Silbe kann reichen, sich in ihr einzupflanzen wie im Kern einer Aprikose.
    Unvermittelt denkt sie an Anthony Hopkins und seinen Film “Und der Himmel steht still.” Geblieben ist ihr dieser Titel. Es gibt Worte, die sie sind so schön, als halte der Himmel den Atem an.
    Ein Sizilianer sagte ihr vor einiger Zeit, wer keine Muße kenne, der lebe nicht. Sie gab ihm damals schon recht.
    Vielleicht lässt sie sich einladen und macht mit, bei diesem Spiel mit den Worten. Vielleicht.

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  3. Herzlichen Dank für die Einladung. Hier nun mein äußerst bescheidener Beitrag.

    „Bei den Frauen gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie sind Engel. Oder sie leben noch.“*

    … murmelte Anthony Hopkins. Ach Ozeanzeitperle, so heimelig und aus Seide, Du, nuschelte er hinterher, während die Gothikaprikose in Südafrika ihren Abschied feierte. –

    In diesem Sinne: salva venia! 😀

    http://salvaveniaxxl.wordpress.com/2014/09/15/bei-den-frauen-gibt-es-nur-zwei-moglichkeiten-entweder-sie-sind-engel-oder-sie-leben-noch/

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  4. Afrika

    Sie hatte nie einen Gedanken an dieses Land verschwendet.
    In ihrer Vorstellung hätte sie ihren Urlaub lieber auf dem heimeligen Sofa verbracht. Gothik Musik gehört, Filme mit Anthony Hopkins angeschaut und die übrige Zeit in ihrem eigenen Garten die Aprikosen geerntet.

    Aber sie liess sich überreden.

    Nach insgesamt 12 Stunden Reisezeit stiegen sie aus dem Flieger. Da waren sie nun. In Südafrika. Die warme, trockene Luft umströmte sie. Es fühlte sich an wie Seide auf ihrer Haut. Sie atmete tief durch und dachte unvermittelt: Das ist mein Land. Die Weite dehnte sich regelrecht in ihrem Körper aus. Ruhe und Stille machten sich in ihrem Geist breit. Augenblicklich fühlte sie sich angekommen.
    Bei sich.

    Sie sah Brillenpinguine am atlantischen Ozean bei Sandsturm.
    Elefantenherden am Wasserloch.
    Schläfrige Löwen in der Savanne.
    Auftauchende Nilpferde in Tümpeln.
    Fressende Giraffen an Bäumen.
    Grasende Büffel.
    Schwärme von Zebras.
    Blitzschnelle Antilopen.
    Paviane auf Strassen.
    Sie besuchte eine Straußenfarm und probierte Krokodilfleisch.

    Die Townships sah sie mit einem bedrückendem Gefühl. Die sichtbare Armut am Rande Kapstadts. Kinder in Schuluniformen, die weite Wege zu Fuss zurück legten.

    Sie hörte afrikanischen Musikern zu und bestaunte die würdevolle, körperliche Eleganz der Menschen. Die Leichtigkeit in den Bewegungen. Als wenn sie tanzend voran schreiten würden.

    Der Abschied kam viel zu schnell. Sie genoss die Zeit in vollen Zügen. Versuchte die Eindrücke mit all ihren Sinnen zu erfassen und trug sie als Perle in ihrem Herzen zurück mit in ihre Heimat. Afrika bezeichnet sie seitdem als ihre seelische Heimat.

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  5. Sir Walter, so nannte man ihn im Viertel, war nicht nur stadtbekannt um seiner Kunst willen, die ihm die Menschen, weit über die Landesgrenzen von Vorstadt quasi aus den Händen rissen, nein er hatte einfach seinen Namen, als alter Seebär mit täglich ner Buttel Rum in der Hand, wegen seiner doch immer sehr dekadenten Art bei all dem was er tat.

    Und das war eine Menge. Dachte man im ersten Moment, der Alkohol wäre seine große Liebe, so irrte man sich gewaltig. Sicher gab es wenige Augenblicke in denen Sir Walter mal so ganz bei 0,0 Promille war, aber das machte nichts. Und ihm schon gar nicht. Seine eigentliche große Liebe war weit weit weg, fern gen Sonnenaufgang, über den Ozean. Ja, seine Perle lebte in Südafrika. Sie war der Grund, nein, seine Muse, sein Antrieb der sein Herz schlagen lies. Für sie stand er morgens, egal wie dick sein Schädel war pünktlich um acht Uhr auf und schmiedete die schönsten Korsetts. Immer in Gedanken dabei an sie. Seine Korsetts waren Unikate, heiß begehrt und eins schöner als das andere. Die Damen der feinen Gesellschaft standen Schlange um seine eigenwilligen feinen geschmiedeten Schnürrleiber, verflochten mit feinster Seide zu ergattern. Und es kam nicht selten vor, das bei den dekadenten Fetischparties, häufig in Ghotikstil in dunklen Gemäuern, fernab der täglichen Biedrigkeit, seine Visitenkarte die Dame wechselte und neue Aufträge seinen Arbeitstisch zierten.

    Die Arbeit machte ihm Spaß, sofern ihm überhaupt etwas Spaß machen konnte, seit er damals vor langer Zeit, Abschied von seiner Holden nehmen musste. Und nicht unhäufig, saß er in seiner, für einen Säufer doch sehr heimeligen Stube, trank einen Martini, verziert mit einer Aprikose aus der Dose und dachte an die Zeit, als noch sein Herzblatt seinen Schoß schmückte. Und nicht sein alter Kater Anthony, aber bitte ohne Hopkins.

    Gefällt 3 Personen

  6. Liebe Mia , meine Geschichte steht wieder in meinem Blog, vielleicht lerne ich das Verlinken noch. Ich habe nicht geschummelt, Ehre wort und fand verschiede Wörter schwer einzubauen.
    Herzlich, deine Arabella und nochmal Dank für die Mühe, die du dir machst.

    Gefällt 1 Person

      1. Oh ja, verlinken wäre klasse. Die ist mir echt durch die Lappen gegangen, wie ich gerade gelesen habe. Die Zusammenführungen der vierten und fünften Woche folgt. War einfach die Tage zu viel beschäftigt. Es kann nur besser werden ^^.

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