Einladung zu einer weiteren gemeinsamen Übung…. Ein Bild, eine Geschichte

Am Schreiben haben ja so viele Lust und darum gibt es jetzt mal eine weitere Idee.

Ein Bild, eine Geschichte. So bekommt ihr eine Skizze und die Möglichkeit, das Bild lebendig werden zu lassen. Ich bin wirklich gespannt auf eure Story dazu 🙂

Auch hier würde ich dennoch empfehlen, sich ein wenig einzuschreiben und erst dann mit der eigentlichen Geschichte, dem Text, zu beginnen.

Bin wirklich äußerst gespannt, ob diese Art von kreativer Schreibe genauso viel Spaß bereitet und Anklang findet.

Und hier das Bild der Woche:

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27 Kommentare

  1. Safiras Rache

    Chemnitz, Frühjahrt 2017. Safira Z. ist sauer. Sie ist schon länger sauer. Sauer über jahrelange, jahrzehntelange Diskriminierung, Gängelung, Geringschätzung, Versteckspiel. Sie will nicht mehr jammern. Sie will sich jetzt wehren. Sie hat einen Plan. Einen diabolischen Plan.

    Sie schaut sich ihr Land an. Die demografische Keule zeigt längst ihre Wirkung. Überall Alte. Nichts gegen alte Menschen. Sie wird ja auch nicht jünger. Am allerältesten sehen die politischen Parteien aus, denen sterben die wenigen Mitglieder regelrecht weg. Regelrechte Rentnerversammlungen sind das. Und über genau die Parteien hat sich Safira am meisten geärgert.

    Sie arbeitet als Freiberuflerin, aber sie genießt keine der vielen Vergünstigungen, die anderen Freiberuflerinnen offenstehen. Sie bietet nämlich sexuelle und erotische Dienstleistungen an. Die Nachfrage dafür ist zwar stabil, aber die Parteien haben sie in den letzten Jahren sehr drangsaliert. Vor allem die Zwangsregistrierung für Sexarbeiterinnen macht sie wütend. Seit das Register im Rathaus gehackt wurde und ins Netz gestellt wurde, wissen jetzt alle was sie macht.

    Sie macht es weiter, aber es wurde nicht einfacher dadurch. Aber sie will sich heute abend rächen. Rächen an Werner K. Werner K., langjähriger Abgeordneter des Bundestages. Ihr langjähriger Kunde. Sie hat ihm jahrelang Vergünstigungen gewährt, als Gegenleistung für das Versprechen im Bundestag etwas gegen die Diskriminierung ihres Berufs zu tun. Aber er hat sie belogen, natürlich, wie so viele. Er war immer ein Hardliner. Er könne nicht anders, sagte er, er sei ja in der CDU. Da könne man nicht offen für Huren eintreten, ohne seine Karriere zu gefährden. Nur als Hardliner könne er etwas für sie tun. Nichts hat er getan, sagte ihr andere Kunden aus derselben Partei.

    Heute will sie genau das tun: seine Karriere gefährden. Oder um ehrlich zu sein, sie beenden. Sie kandidiert gegen ihn. Sie will selber Abgeordnete werden.

    Vor zwei Wochen ist sie in die CDU eingetreten. Sie hat sich bei anderen Kunden erkundigt, die Stimmungslage erfragt, die Schwächen des Werner K. erkundet, welche Feinde er in der örtlichen Partei hat. Sie weiß jetzt, dass er sich viele Feinde gemacht hat. Viele haben offene Rechnungen mit ihm. Aber niemand wagt es, gegen ihn anzutreten.

    Sie wagt es.

    Er stellt sich vor. „Gibt es weitere Kandidaten?“, fragt der Versammlungsleiter.

    Sie meldet sich.

    Werner K. lacht sich halb kaputt. „Was willst du denn hier? Spinnst du?“

    Das war sein Ende.

    „Kennst du sie?“ fragt jemand.

    „Äh, nein, natürlich nicht.“

    „Natürlich, Werner, erst letzte Woche warst du doch wieder bei mir. Direkt nach der Fraktionssitzung. Und hast wieder abgelästert über Karl-Heinz B., über Tillich, über viele andere die ich nicht kenne.“, erwidert sie. Totenstille im Saal.

    „Kommen wir zur Sache“, sagt der Versammlungsleiter. „Also Sie kandidieren? Sind Sie Mitglied? Wie ist Ihr Name?“

    Werner K.‘s Bewerbungsrede wird zum Desaster. Mit hochrotem Kopf stottert er irgendwas, niemand versteht es. Es ist peinlich.

    Safiras Bewerbungsrede wird zum rhetorischen Feuerwerk. Sie hätte sich das nie zugetraut. Sie reißt den Saal mit. Sie trifft die richtige Tonlage, redet über Lüge in der Politik, über Ehrlichkeit und Doppelmoral, über Jesus und Maria Magdalena, über Menschlichkeit.

    Sie gewinnt die Abstimmung klar. Das CDU-Direktmandat gilt als sicher.

    Safiras zweite Karriere begann an diesem Abend.

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      1. Anhörung im kanadischen Parlament.Dominatrix Terri-Jean Bedford hatte erfolgreich vor dem Obersten Gerichtshof gegen diskriminierende Gesetze gegen Sexarbeiterinnen geklagt. Regierung will jetzt das schwedische Modell einführen, d.h. Kunden werden kriminalisiert. Bei der Anhörung drohte sie damit, die Namen von Politikern zu nennen, die sie schon als Kunden hatte, und flog daraufhin sofort aus der Sitzung.

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  2. Café Seelenlos

    Das übliche Setting. Frauen mit knisternder Garderobe, eine starke Idee überschminkt. Sie sitzen an unbequemen Tischen, umsäumt von leuchtenden Kristallgläsern voller Schaumwein und Likör. Süßes, an Konfekt erinnerndes Parfüm taucht das ganze Ensemble in eine Sphäre, die zwischen Kindergarten und Bordell schwankt. Mit ihren tiefen Ausschnitten animieren die Frauen für den Bordellgedanken, mit ihren zerwühlten Frisuren ebenso. Ihre piepsigen Stimmen, die am Ende eines jeden Satzes die höchste Lage erreichen, drängen den Betrachter in die Kinderecke zurück. Zielgruppe jedoch sind Männer, die allesamt älter als die Frauen sind. In einfallslose, schlecht sitzende Anzüge gehüllt, mit Gesichtern, die der Vorstellung vom Haifischbecken entstammen. Ihr Grinsen verstört und verrät die Gier, die das wohl lustbestimmteste Gefühl ihrer Existenz ausmacht. Ihr Metier ist die Macht. Sie ätzen den Eros aus dem Raum und machen mit ihrem eisigen Grinsen aus einer amourösen Situation ein Machtspiel. Gewinner gibt es nicht an diesem Abend. Nur Verlierer. Auf der ganzen Linie.

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    1. Wie freu ich mich sowas von! Da bist du der erste mit dem Bild, war ja so unsicher. Daaanke lieber Gerd 🙂 Finde das eh so spannend, wie unterschiedlich ein Bild vielleicht gesehen werden kann. Wo der Fokus liegt und… wie überhaupt ein Bild mit Text verbunden wird. Danke nochmal.

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    1. Hinterher? Du schaffst es immer eine der ersten zu sein. Darum würde ich mich auch freuen, wenn du in der kommenden Woche die 10 Wörter mir geben würdest 🙂
      Geschichte lese ich gleich, und auch für das Bild hast du bis kommenden Sonntag Zeit. Sofern du Lust zu hast, was prima wäre 🙂
      Herzliche Grüße durch die Nacht zurück 🙂

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