10 Wörter eine Geschichte… Heute: Walter

10 Wörter eine Geschichte.. Einladung dazu, hier 🙂

„Ich glaub mein Schwein pfeift!“. „Was hat der Idiot denn da schon wieder abgeschleppt?“ Der Einrichtungsleiter der sanatorischen Einrichtung für chronische Kleptomanen im Allgäu schüttelte den Kopf. Walter, erst seit ungefähr drei Monaten in dem exclusivem Sanatorium, hoch oben in den Bergen, umgeben von Wäldern und Äckern, schaute betreten zu Boden. „Gib sofort die zehn Flaschen Essigreiniger zurück!“ , rief Herr Stubenrein. Walter schaut weiter betreten zu Boden.

Erst neulich entwendete er aus dem indischen eingerichtetem Biergarten, unweit der Einrichtung, fünf Buddha Figuren und versuchte diese krampfhaft in seinem Zimmer zu verstecken. Aber nicht nur dort. Im Ofenrohr des Speisesaals, fand Herr Stubenrein, der Direktor dieser hochangesehenen Klinik, weit über die Landesgrenzen hinaus, den fünften und letzten Buddha. Herr Stubenrein fände den Verlust der Figuren insgeheim nicht schlimm, fragte er sich eh, was eine indische Ausstattung in einem allgäuer Biergarten soll. Doch nachdem eine kleine indische Reisegruppe vor ein paar Jahren ins beschauliche Allgäu kam und einer sich von ihnen in der Hohenfreyberger Ruine verlief und erst Tage später gefunden wurde, blieb der Inder gleich ganz im Allgäu. Hat er sich doch in die schöne Landschaft Rund um Neuschwanstein verliebt, nebst Küchenchef Franz, von eben benannten Biergarten. Und so übernahm das lustige Päärchen bei passender Gelegenheit den Biergarten komplett und verwandelte ihn in einen buddistisch, indisch angehauchten Biertempel.

Was er sich allerdings mit Patient Walter, fern angereist aus dem Ostblock, da ins Haus holte, wurde ihm langsam klar. Seine Frau Ilse, warnte ihn schon vor. Aber wie es so ist in der Vetternwirtschaft. Da gab Herr Stubenrein nach. Ist Walter doch ein Cousin, dritten Grades seines verstorbenen Hausmeisters Bruders. Was tut man nicht alles für Familie, Freunde und Langangestellte. Schließlich war der Hausmeister dreißig Jahre bei ihm, war quasi seine rechte Hand. Hat ihm manch Gefallen getan, seine geliebte Kunstlederbank in seinen Privatgemächern mit Liebe neubezogen und war immer vor Ort und Stelle, wenn Not am Mann war, um das eine oder andere kleptomanisch ergatterte Gut seiner Patienten, wieder an den rechtmäßigen Eigentümer zu übergeben.

Aber was genug ist, ist genug. In Walters diffusem Hirn scheint nichts zu fruchten. Therapie für Therapie. Da klaut der Walter sogar des Nachbars Kässpatzen, wenn der eine Sekunde nicht hinschaut, direkt vom Mittagstisch. Und sogar den Getränkeschirm der kleinen Marie, Enkeltochter der ersten Haushaltsvorsteherin seines vorbildlich geführten Hauses, war nicht sicher vor ihm. Finish. Walter ist nicht mehr zu helfen und soll zurück wo er her kommt. Herr Stubenrein schreibt einen letzten Bericht, packt ihn feinsäuberlich ein und leckt sanft die Briefabschlußkante. Er mag diesen Geschmack. Aber das ist eine andere Geschichte.

15 Minuten , – nicht überarbeitet.

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23 Kommentare

  1. hallo liebe westendstorie, hier ein betrag von mir. oder wo soll der hin? zu den letzten 10 wörtern.
    —–schnipp
    Das ist man ja gewöhnt, Vetternwirtschaft allenthalben, wo man hinsieht. Kein Wunder, dass die Menschheit im Korruptionssumpf ertrinkt. Quasi. Da helfen keine Rettungsschirme, da helfen auch keine Schirme für das schlechte Wetter, nicht dass noch einer meint, der Sumpf käme vom vielen Regen. Abgesahnt, reingelegt, Profit gemacht. Das zählt. Sonst nix. Hänge ich mich da mit rein? Muss ich da mitmachen? Muss gar nix. Nein ich klinke mich aus, wo es nur geht, lasse die anderen machen, höher, schneller, immer weiter ist nicht meins. Selbst die Kriegstreiber im Ostblock und auf der ganzen Welt, die können mich, gelinde gesagt mal am A*!?&% lecken. Wobei ich hier keine Prokotologen provozieren möchte oder auf den Plan rufen will, das war ein anderes Thema hier im Blog. Da setz‘ ich mich doch lieber in den Biergarten oder auf meine Kunstledercouch, die gar keine ist und trinke ein Bier. Oder zwei. Mir erscheint, dies trotz diffuser Wetterlage im Spätsommer heuer die sinnvollere Alternative, fast schon zu kalt im Biergarten, aber ich komme relativ schnell hinter dem Ofenrohr hervor, wenn es interessant wird. War das nun richtig hier mit dem Schreibdingens? Hab‘ ich die 10 richtigen Wörter genommen? Darf ich nun 10 neue Wörter nominieren? Ansonsten mach‘ ich mich mal vom Acker. Nein, halt zu dem Kriegsthema fällt mir noch ein schlauer Spruch ein von einem, der sich mit dem Buddha gut auskennt: „Kriege entstehen aus dem Scheitern, das Menschsein der Anderen zu verstehen.“ – Dalai Lama. Na. Gar nicht mal so einfach. Viele Grüße Willi. 10-Finger-System. 8 Minuten. 14:04. 04-09-2014
    —-schnapp

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    1. Oh bitte.. das liegt wirklich an der Einschreibzeit und an den sicheren Händen auf der Tastatur. Wer nicht täglich beruflich mit den Fingern drauf zutun hat, der nehme das bitte nicht als Maßstab.
      Vielen vielen Dank lieber L. 🙂

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  2. Sehr irre kleine witzige Geschichte. Ich befürchte fast, ich werde mehr als 15 Minuten brauchen um aus dem hingeworfenen Bild herauszufinden, also auch ich ein Gast von Herrn Stubenrein, nicht verwandt und nicht verschwägert.

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      1. (Kleptomanie war nie mein Problem. Sollte ich mir mal anschaffen. Dann würde ich gezielt mir das Nötigste schon zusammenklauen, was als Leerstelle zu meinen Gedanken mir so arg mißfällt, nämlich Worte.)

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      2. Nur ist es immer so gesagt, wie es gesagt werden wollte (und gelesen, so wie es gelesen werde wollte (und hat es die Welt so verändert, wie es die Welt ändern wollte (und fühle mich darum darin besser, wie ich mich darin danach besser fühlen wollte)))?

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      3. Und passiert es mir doch zu häufig, zu lesen mit unscharfer Brille. Mit dem Wohlfühlen ist es eh so eine Sache. Das kann ich nicht kommentieren. Schwankt es zumindest hier, doch zu häufig. Unerklärbar.

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