Was ist eigentlich Existentialismus ? – Frau Ahnungslos lernt dazu .

Ich habs ja nicht so mit Fremdwörtern, lerne sie aber wirklich gern dazu. Darum lese ich auch so gern den werten Gerhard Mersmann, er schreibt nicht nur wirklich gute Artikel mit viel Inhalt, sondern da muss ich manchmal wirklich jedes fünfte Wort googeln und nachlesen. Ja, so ist das wirklich. Da grätscht meine Vorliebe zwischen der einfach zu lesenden Sprache, wo übrigens auch mittlerweile gern die Doktorarbeiten drin geschrieben werden sollen, denn schließlich ist es nicht schlecht, wenn mehr als 10 % des Textinhaltes von der Mehrheit der Leser verstanden wird.

Wenn ich da an eine Doktorarbeit aus den späten Siebzigern denke, welche ich im Zuge einer Zusatzausbildung in der interkulturellen Kommunikation lesen wollte und eigentlich auch sollte. Alois Moosmüller. Ein Vorreiter und eine wirkliche Koryphäe auf seinem Gebiet. Absolut. Und für die Wortcracks und Hardcorefremdwortfetischisten wirklich empfehlenswert. Da fang ich also diese Doktorarbeit an. Satz eins, mindestens sieben Zeilen, Wörter um Wörter, keinen Plan. Und fang ihn nochmal an. Und nochmal. Verdammt. Morgen nochmal, für heute ist Schluß. Lange Rede, kurzer Sinn. Auch am kommenden Tag, keine Erleuchtung. Ich blickte es nicht. Weg mit der hochgeschätzten Lektüre, zurück zum Bukowski. Der schreibt da ja einfacher und hat ja auch irgendwas mit Kommunikation zu tun.

Ebenso ging es mir eben, da kommentierte der liebe Censay einen Beitrag zum Thema Sein und Handeln, unter anderem mit dem Wort Existenzialismus. Oke. Existenz ist mir klar, ich google also los um völlig auf dem laufenden zu sein und stoße auf den gleich folgenden Beitrag. Ein so schöner Beitrag, das ich ihn gerne Teilen möchte, zumal der doch interessante, Jean Paul Sartre  einen Schlüsselabsatz bekam, der großartig ist. Ein Artikel der freut, Mut macht und dem einen oder anderen doch ein wenig Sinn für vieles erleichtert. 🙂

 Was ist eigentlich Existentialismus?

 
Bist du glücklich?Wenn man sich mal unsere Fußgängerzonen, Bushaltestellen oder Ausflugslokale anguckt – sieht niemand so aus, als würde er mit „Ja“ antworten können. Obwohl wir doch eigentlich schwer damit beschäftigt sind, glücklich zu werden:Wir fliegen 2000 Kilometer nach Malle, um es mal richtig krachen zu lassen, springen an Gummibändern von Fernsehtürmen, jagen uns Pülverchen in die Nase, umarmen Bäume oder geben ein Heiden Geld für Ganzheitliche Ayurvedareisen in ferne Robinson Clubs aus.Was ist denn eigentlich Glück?
Laut Albert Camus war der glücklichste Mensch ein Herr Namens Sisyphos.Genau! Der Typ, der den ganzen Tag einen Stein den Berg raufrollt, einen Stein, der dann kurz vorm Ziel den ganzen Weg wieder runterkullert.Super, danach wären wir ja alle mehr als glücklich! Gibt es doch heutzutage genug Leute, die ihren Job als „Sisyphos-Arbeit“ bezeichnen. Also sind sie eigentlich alle des Glückes hold: die Online Broker, Fließbandarbeiter, Nachrichtensprecher oder Gesamtschullehrer!Aber erst sollte man Monsieur Camus mal fragen, was er damit eigentlich gemeint hat!Camus sah im Sisyphos sah er den Inbegriff eines sinnlosen Lebens. Wie jetzt? Wie kann ein sinnloses Leben Glücklich machen?
Genau darum geht es: Statt auf einer Autobahn mit 220 in Richtung Erfüllung zu brettern, eiern wir mit einer Bummelbahn durchs Leben, die an den absurdesten Orten Halt macht. Aber gerade dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, dem Leben in der bewussten Anerkennung des Absurden Würde und Größe zu geben.Klingt doch ganz plausibel.Wir alle sind da, hier in der Welt. Ohne dass uns jemand gefragt hat, ob wir das überhaupt wollen. Wir leben unser Leben.Ein Leben, dass immer wieder Haken schlägt, uns hinters Licht führt und wenn wir einmal glauben, die Grundregeln verstanden zu haben, uns den Stinkefinger zeigt!
Aber das kann ja auch gutes haben! Wenn es keinen Masterplan gibt, kann man selber einen schmieden.So sah es auch ein anderer Franzose, Jean Paul Sartre war sein Name. Er stellte diese „Sinnfrage nach dem Sein“ und machte aus ihr auch gleich eine eigene philosophische Richtung. Den Existentialismus!In seinem Mittelpunkt steht der existente Mensch. (in all seinen Zuständen – ob verliebt, ängstlich oder wütend), der sich als frei und selbst bestimmt erkennt.Na endlich sagt es mal einer! Wir sind frei! Wir können tun und lassen was wir wollen, denn wir definieren uns nur über unser Handeln. Weil wir einfach existieren, gibt es kein Schema nach dem wir handeln müssen. Kein Gesetz, keinen Ehrenkodex und keine Etikette! Sondern wir selbst wählen das Thema unseres Lebens.Jeder wird also so, wie er sich selbst schafft. Der Existentialist glaubt, vollkommen alleine ohne Beistand durchs Leben ziehen zu müssen und hat nur die Aufgabe, mit sich im Reinen zu sein.Sind wie selber also der eigene Sinn unseres Leben?Quasi eine philosophische Form der Selbstbefriedigung?
Aber WARUM wir also Leben weiß hier auch niemand. Na toll!Camus meinte es sei einfach etwas Absurdes, das Leben und der Tod sei der Höhepunkt! In seinem Fall ein Autounfall auf dem Weg nach Paris.Das Leben ist eine Krankheit die tödlich verläuft. Oder ein spannender Film mit Happy End! Je nachdem.Deswegen sollten wir – auch wenn das jetzt nach dem Inhalt eines Glückskekes klingt, versuchen, das Beste daraus zu machen!Denn: nur James Bond lebt zweimal!
 
Gefunden   :    http://www.3sat.de/page/?source=/philosophie/159974/index.html
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20 Kommentare

  1. Ich musste ein wenig stutzen, als ich in dem Teil über Sartre las, das der Existentialist „daran glaubt alleine […] durchs Leben ziehen zu müssen und […] mit sich im Reinen zu sein.“

    Zuerst wusste ich nicht, warum ich darüber stolperte. Dann ging mir aber noch mal ein Kommentar von dir durch den Kopf. „Laut meiner Recherche sind wir alle Existentialisten“ (so in etwa) sagtest du.

    Wie viele Menschen kennst du den genau, denen Gesetze, Ehrenkodex und Etikette egal sind? Gut. Einige haben vielleicht verfehlte Ansichten… Aber wirklich losgelöst von gesellschaftlichen Ansichten?
    Oder noch einfacher… wieviele Menschen kennst du, die mit sich selbst im Reinen sind?
    Existentialistisch sein klingt leicht. Doch als jemand der sich selbst an der reinen Form scheitern gesehen hat… Aussehen ist eben nicht alles.

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    1. Ich musste noch einmal den Text lesen und grinsen. Es ist so häufig, du liest etwas, und nimmst dir das raus, was dich anspringt. Deine, meine und jede Interpretation folgt darauf. Ich las in diesen Zeilen im groben, dass wir einfach die Wahl haben. Wir haben die Wahl Wege zu ändern. Wir müssen nicht konform mit der Gesellschaft leben und und vor ihr leiten lassen. Wir müssen nicht das für richtig halten, was uns irgendwer vorschreibt. Ist eh immer so ein Ding mit richtig und falsch. Und dabei geht es nicht darum Gesetze zu brechen, Menschen mit Handeln zu verletzen. Eher noch einmal das Sichtbarmachen, des erlaubten Handelns. Entgegen der Erziehung vielleicht, entgegen sonstiger Etikette. Ich lebe ständig in dieser Gradwanderung. Auf der einen Seite überlege ich häufig, was sind die elementaren Dinge die ich meinen Kindern mitgeben möchte. Welchen Grundstock möchte ich ihnen vorleben. Auf der anderen Seite mein Ich. Außerhalb dieser Rolle. Und die lebt sehr häufig grenzüberschreitend, zumindest der groben Gesellschaft gegenüber. Mir ist es egal was Menschen von mir denken. Versuche niemandem weh zu tun, versuche aber dennoch das auszuleben, was mir gefällt.
      Und ja, es ist nur einen kleine Facette von dem Ganzen. Nur ein Tropfen der Existenz. Und ganz ehrlich, Menschen die mit sich im Reinen sind, kenne ich nicht viele, aber ich glaub so einige. Sie wissen was ihnen gut tun, was weniger, handeln und leben danach. Sind viel ausgeglichener als andere. Jedoch sind es nur eine Handvoll…

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    1. Gelesen und bejahend für gut befunden. Zumal ich ebenso aus solch einer Zeit komme. Und es äußerst bedaure, das im Nachhinein manch Charme und Hochschauen auf das vergangene so trist erscheint. So weigere ich mich heute Filme der Vergangenheit zu schauen und belasse
      diese in schöner Erinnerung. Wenn ich mich da an die Freude auf ein Eis meiner Kindheit erinnere, welches ich mir voll Freude kaufte und sooooo bitterlich enttäuscht wurde. Ein Graus war es.
      Was das eigentliche Thema angeht, und ja, wie häufig sind die vermeintlichen looser doch im Nachhinein die Helden. Und eben diese die wahren Verlierer. ..
      Herzlichst zurück durch den nordischen Regen,
      Ihre Frau Ahnungslos

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