Onlinedating vs Kennenlernen wie es mal war

Im Netz gebe ich dir einen Ausschnitt meines Gesichtes und damit ein paar wenige Sequenzen von mir. Von meinem Ich. Und entweder es greift nach dir und weckt den Forschungsdrang nach mehr, oder eben nicht…. Stumme Bilder, stille Zeilen. Angaben über die Grundaustattung eines Menschen, nebst – mit viel Glück – einiger erwähnter Sonderaustattungen und Inhaltsangaben, die der eine oder andere hervorhebt. Im besten Fall gut formuliert mit Lust auf mehr. Beidseitig. Und dabei ist doch so viel anderes viel wichtiger. Wie wenig Sinne auf diesem Wege doch berührt werden. Da ist der oldschool Weg doch viel schöner. Wenn auch schwieriger in Zeiten, wo Mensch häufig noch nicht mal ein Lächeln schenkt, da es einfach uncool ist. Und die Parties der alten Zeiten werden auch weniger. Denn Freunde und Bekannte leben in festen Alltagsabläufen mit, im besten Fall, einmaligen Kegelhighlight im Monat. Ok. Vielleicht übertreibe ich. Aber so ähnlich.

Lieber säße ich am Tresen einer schummerigen kleinen Bar. Nehme einen Drink zu mir, die Beine sind übereinander geschlagen. Die Bar ist laut und halb voll. Es ist eine von denen die gern besucht wird von all den Individuen die keinen Bock haben auf Mainstream, laute Diskotheken aufgetakeltem Publikum und oberflächlichem Gerede und Getue dort. Ein kleiner Geheimtipp für Freigeister und jene die gerne unter diesen weilen. Die Musik ist gut, die Drinks noch besser. Jeder ist willkommen und keiner fragt woher du kommst. Ob in Chucks oder in Abendgarderobe, es interessiert niemanden.

Hier könnte es anfangen, ohne zu wissen wo es endet… hier ist der reale Mensch interessant… Die Bewegung, der Gang. Der Geruch der beim Vorbeigehen den Kopf wenden lässt, da er irgendetwas berührt und anzieht. Die Stimme die neben dir einen Drink bestellt. Eine Stimme die dir einfach gefällt und die du mehr hören möchtest und noch mehr…

Lieber würde ich dir dort begegnen. Blicke treffen sich, ein Lächeln welches mich in deinen Bann zieht. Gestiken und Mimiken die so reizvoll und anziehend sein können. Die genau die Synapsen ansprechen die zwischen zwei Menschen so wichtig sind. Ob für ein Gespräch welches nicht enden soll an dem Abend, bis in den langen Morgen hinaus, oder für ein Begehren welches, ohne die Ursache erklären zu können, einfach entfacht wird und du spürst du willst mehr..viel mehr…

Hier ist der Weg andersherum und all die bedeutenden Berührungen finden im Geiste statt, zumindest erst einmal… Ende offen

Und so ist es doch viel schöner. Eigentlich…

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27 Kommentare

  1. Solche Bars, Kneipen, Wohlfühlorte, ich fürchte, es werden immer weniger. Oder vermisse ich die nur aus der Provinz heraus?! Dafür hat sich der Bekanntenkreis inzwischen schön eingetaktet. Immer weniger Menschen mit gänzlichst anderen Interessen werden versuchsweise zugefügt, weil die Erfahrung zeigt, daß es eh nicht übereinstimmt. Ist beim Bloggen wohl so ähnlich. Ich denke darüber nach, mich offen zu zeigen. Ich mag es ja bei den anderen auch so. Frau Maribey, die Rocknroulette, es ist schön, ihren Blick zu erahnen.
    Herzliche Grüße, Ihre Frau Knobloch.

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    1. Kann ich verstehen. So handhabe ich es auch. Wenn dennoch hin und wieder völlige tolle *Querschläger* dazu kommen, und genau richtig sind. Allerdings stellen sich auch dann häufig die richtigen Gemeinsamkeiten raus.
      Ein Gesicht? Ich würde mich freuen. Bin ja auch halb sichtbar 🙂 Herzliche Grüße zurück 🙂

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  2. Die virtuelle und die reale Welt – zwei Seiten einer Me­dail­le. Sieht man die eine, sieht man die andere nicht. Undurchlässigkeit. Kennenlernen kann nur real stattfinden; sich begegnen: Augenkontakt, Timbre, Manier, Geruch, Körperlichkeit, Gestik, Mimik und Aura; Aktion, Reaktion.

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      1. Ich denke den Zahn des virtuellen Schlösserbauens, der wird schnell gezogen. Wohin gegen ich hoffe, das der reale Wunsch nach diesen immer bestehen bleibt. Sind nicht diese es, die Mensch antreibt? Wohin gegen das Baumaterial da schon unterschiedlich sein kann 🙂

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  3. Das eine tun und das andere nicht lassen. Online lernst Du den Mensch kennen, der die Bar zeigt, die Du suchst. Im Ernst, man sollte die „Partner“ viel mehr danach aussuchen, ob sie interessante Freunde haben und dann dort „reale“ Menschen kennen lernen.

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      1. Schau Dir doch einmal Deine Freunde und Bekannte an. Das ist fast immer ein Spiegelbild der eigenen Situation. Ist man Single hat man viele Single Freunde. Ist man verheiratet mit Kindern, dann sind es viele Familien. Macht ja Sinn, da man als Single mit Familien nicht so viel anfangen kann bzw umgekehrt. Entsprechend ist der oder die Suchende im Internet entweder ein Betrüger/in oder auch Single. Wenn man jetzt nicht nach Mr. oder Mrs. Perfect sucht, sondern nach jemanden mit netten, interessanten Freundeskreis, so hat man viel mehr Chancen auf einen Treffer. Es erfordert etwas mehr Mut sich gleich in einer Freundesrunde zu treffen. Andererseits ist die Gefahr eines Totalausfall ebenfalls geringer, denn selbst wenn das eigentliche Date nichts ist, dann können die Freunde es immer noch rausreissen.

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      2. Ja, recht hast du. Und wenn du eben aus diesem Familiending raus bist, dann ist es quasi häufig ein Neuanfang. Denn wer hat schon als Single ständig Lust, zwischen netten Päärchen zu sitzen.
        Wenn ich an meinen ersten Urlaub alleine mit einer Freundin und den Kids dachte… Hilfe. Ein nettes abgelegenes Familienhotel. Wer auf die Schwachsinnsidee kam, keine Ahnung 😀

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      3. Besonders (er)kennt man als ehemaliges Paar die ganzen Sticheleien, etc bzw. weiß zwischen den Zeilen zu lesen. Da bekommt man dann Dinge mit, die man gar nicht mitbekommen will.

        Ich hatte vor vielen Jahren einmal einen Mann aus HH getroffen. Der erzählte, dass sie eine lockere Singlerunde haben. Jeder kann seine Partner mitbringen, aber er meinte, dass die meisten sich für die Zeit der Partnerschaft ausklinken und erst wieder kommen, wenn sie wieder Single sind. Klang sehr entspannt.

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  4. Online-Kennenlernen…es hat seine ganz eigene Reize…aber kommt doch nicht an das heran, was man im direkten Kontakt spürt. So sehr kann man sich in etwas verlaufen, das sich in der Realität anders anfühlt. So ein Club schützt aber auch nicht falschen Eindrücken…
    Schön beschrieben.

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      1. Wobei man auch fair sein muss, wann werden schon alle Sinne im vollsten angesprochen, also bei Begegnungen im Alltag? In der Disko hat man eben das Problem, dass durch äußere Reize die Sinne getäuscht werden können.

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      2. Da hast du eben anderen, wenn auch vielleicht mehr. Du hast Gerüche, ein Lächeln, Gestik, Stimme… auch wenn dort sicher auch viel Getäuscht werden kann. Nicht umsonst wachte schon der eine oder andere erschrocken morgens neben Dresden 96 auf 😀

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  5. Eine solche kleine Bar kannte ich.
    Künstler’s kleine Bar hieß sie.
    Auf engsten Raum konntest du fühlen, worin der Reiz eines Abends unter Gleichgesinnten bestehen kann.
    Aus lockeren, einfach durch Blicke entstehenden Gesprächen über Kunst und Musik, Essen und Bücher.
    Ein oder zwei Drinks, die lösen, aber nicht trunken machen, Zigarettenrauch, Berührungen beim Feuer geben, das Einfangen der Blicke mit Gesten.
    Eine Sehnsucht danach bleibt ganz tief ein wenig für immer.

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