Blogger schreiben gemeinsam Geschichte….. Zusammenfassung aller Geschichten der ersten Runde

Vorab, heute Abend gegen halb neun geht es weiter. Die neuen 10 Wörter für die nächste Runde sind schon am Start.

Freu mich sehr auf rege Beteiligung.

 

Nehm dir ein wenig Zeit und mach es dir gemütlich. Es kann ein wenig dauern. Hier kommen nun alle Geschichten auf einen Blick. Unglaublich was alles zusammen gekommen ist. Ich kanns nicht oft genug sagen. Großartig !

Ich hoffe ich hab sie alle beisammen und alles so korrekt verlinkt. Ansonsten bitte ich um Nachsicht und direkte Meldung bei mir.

Der Unperfektionismus im Perfektionismus. Ja. so ist das hier 🙂

1.

Edelweiß erwacht völlig verkatert auf der Rückbank eines Porsche. Wie, zur Hölle, war er denn bitte hierher geraten? Er erinnert sich dunkel, dass er gestern Abend auf dem Weg nach Hause in der „Machete“ gelandet war.
Eigentlich wollte er aus der Kneipe nur ein paar Streichhölzer holen, denn in der Brusttasche seiner Latzhose steckte eine schöne, fette Zigarre, die er zur Feier seiner Beförderung zum Werksmeister gemütlich zuhause auf dem Balkon hatte rauchen wollen.
Doch dann betrat er den schummrigen Raum mit der langen Theke und die Lust auf ein Bier überkam ihn. Er hatte schon ein paar Kurze mit den Kollegen gekippt, zur Feier des Tages, aber ein letztes Bier würde ihn nicht umbringen. Ein gemütliches Bier, das wäre das Richtige jetzt. Mit einem wohligen Seufzer ließ er sich auf einen der Barhocker sinken und bekam wenige Sekunden später ein kühles Blondes zugeschoben. Aaah.
Neben ihm zündete sich eine rassige Rothaarige mit Sommersprossen eine Zigarette an. Er tastete nach der Zigarre, dachte „was soll’s“ und fragte die Rothaarige nach Feuer. Ein Wort gab das andere, er fragte, was sie trinken wolle und auf einen einzigen Wink von ihr, baute der Barkeeper schon eine Flasche Champagner samt Eiskübel vor ihr auf.
Im ersten Moment hatte Edelweiß eine Intrige gewittert – vielleicht war sie so eine, eine, die es für Geld macht und ihren Verehrer vorher ausnimmt bis aufs Blut, aber so war es nicht. Sie trank ihren Champagner und setzte sich irgendwann auf seinen Schoß, ganz umsonst.
Jetzt atmet sie leise auf dem Vordersitz, ganz eingehüllt in einen Regenmantel, darunter vielleicht mit nichts. Wenn ihn nicht alles täuscht, ist auf seinen Lippen der Geschmack von Sommernachtstraum, und sie hat wirklich nichts an unter dem Regenmantel. Er wälzt sich auf die Seite, um sie genauer zu betrachten, sie ist ganz hübsch, ein paar Falten mehr als gestern Abend hat sie. Er streckt die Hand aus, um sie zu wecken, doch sie bewegt sich im Schlaf und das Haar fällt über ihr Gesicht. Er zieht die Hand wieder zurück.
Draußen ist es still, nur ein paar Vögel singen. Er kann nichts sehen, keine Landschaft, nur eine Brüstung aus rotem Sandstein. Wo ist er hier nur gelandet? Stöhnend öffnet er die Tür des Autos, lässt sich langsam vom Sitz auf die Füße gleiten und wirft einen Blick über die Mauer.
Als er die Gegen erkennt, stöhnt er wieder auf – unter ihm breitet sich eine Gartenkolonie aus, und zwar nicht irgendeine, sondern die „Hippie-Indien“ genannte, denn hier waren schon mehr als einmal ganz besondere grüne Pflanzen in den Gewächshäusern der Laubenpieper aufgetaucht. Er erinnert sich jetzt, dass ihm die Rothaarige nach seiner Cohiba noch eine ihrer Zigaretten angeboten hatte und weil ihm das würzige Aroma zusagte, hatte er kräftiger daran gezogen, als seinem schmerzenden Schädel jetzt lieb war. Herr Jesus, Edelweiß hatte wirklich Kopfschmerzen.
Hinter ihm schnappt ein Feuerzeug auf, die Rothaarige war aufgewacht und zündet sich auf dem Beifahrersitz räkelnd eine ihrer besonderen Zigaretten an. Sie lächelt Edelweiß zu, zeigt Bein und bläst den würzigen Rauch wehte zu ihm hinüber. „Edelweiß“, denkt er noch, „du machst Sachen.“ Sein Magen hebt sich und er kann sich gerade noch umdrehen, bevor er sich über die Brüstung ins Tal übergibt.

Autor mit Urheberrechten: , Text, Mags, Rock´n Roll

2.

Mit einer Machete. So hatte es sich Paul gedacht. In den Busch rein, Kakaopflanze gegriffen und dann losgehackt. Es ging um Schokolade. Immer ging es um Schokolade. So auch dieses Mal. Paul wischte sich die Finger an der Latzhose ab. Er schwitzte. Wenn ihn jemand hier sah, war er geliefert. Dann wäre der Porsche weg, dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis sich sein Leben von der Brüstung schmeißen würde. Als hätte jemand Streichhölzer an die Tage und Nächte gehalten, hier und in Indien, wo die Intrige angefangen hatte. Und alles wegen Schokolade. Paul griff sich an den Kopf. Der fühlte sich immer noch wund an und verkatert. Vor einem wichtigen Auftrag sollte er einfach nichts trinken. Aber vielleicht war es ja das letzte Mal, dass er feiern würde. Und da auf die Etikette achten? Das war nicht sein Ding. Plötzlich hörte er, dass jemand am Porsche war. “Hier ist er!”, rief einer der drei Männer. Sie waren ihm also doch gefolgt. Er bückte sich und ging langsam auf sie zu. Mindestens drei Männer machten sich an seinem Auto zu schaffen. Paul sah sich um. Er musste einen Weg finden, die anderen zu alarmieren. Da sah er das Edelweiß im Gras liegen. Sein Glücksbringer. Wenn das mal kein gutes Omen war. Er schlich vorsichtig voran. Er hockte sich hinter ein Gebüsch, zog sein Handy aus der Tasche und schrieb den anderen: “Sie sind hier. An der Plantage. Mindestens drei. Kommt schnell und nicht unbewaffnet. Ich schaff das hier nicht allein. Sie machen sich gerade an dem Porsche zu schaffen. Paul”. Dann schickte er auf Senden und wartete ab.

Autor mit Urheberrechten: die Wolkenbeobachterin

3.

“Völlig verkatert von diesem widerlichen Edelweiß-Schnaps, den sie ein ums andere Glas in ihrer unbändigen Wut herunter gekippt hatte und mit einer ungerauchten Zigarette in der Hand verließ sie in der Morgendämmerung die Wohnung im 10. Stock.
Noch völlig benebelt von dieser absolut beschissenen Nacht, hatte sie sich in ihre Latzhose vom Vortag gepresst, in der ihr jeder permanent auf den Hintern glotzten musste.
Gestern hatte diese knappe Hose ihren Zweck erfüllt, heute war sie absolut hinderlich und keine besonders gute Tarnung.

Während sie in ihrer Hosentasche nach Streichhölzern kramte, ging sie, versunken in ihren verwirrten Gedanken über die Straße in Richtung Brücke.
Der Fahrer eines aus
dem Nichts auftauchenden Porsches hupte wild und pfiff ihr hinterher.
Sie ignorierte ihn.
Sie lehnte sich an die Brüstung, starrte auf den träge vor sich hin strömenden Fluss und zündete sich ihre Zigarette an.
So eine Gottverfluchte Scheiße.
Sommernachtstraum?!? Von wegen.
In die größte Katastrophe hatte sie sich da hinein katapultiert.

Am liebsten würde sie sich eine Machete schnappen und auf die ganzen Idioten losgehen.
Sie brauchte eine Lösung.
Einen gut durchdachten Plan.
Am Besten wäre es, sie würde in den nächsten Flieger nach Indien steigen und sich dort in Ruhe mit ihren Racheplänen auseinandersetzen.
Eine kleine Intrige sollte die Idioten vorerst genug ablenken, bis sie sich eine langfristige Alternative überlegt hatte..”

Autor mit Urheberrechten: jasysophie

4.

Da ich seit vielen Jahren panische Raucherin bin, habe ich immer eine Notfallzigarette und ein Päckchen Steichhölzer bei mir, es wäre dramatisch und auch ein kleiner Weltuntergang wenn ich in meiner chaotischen Art mal wieder vergessen hätte meiner Sucht nachzukommen und weder Zigaretten noch ein Feuerzeug bei mir zu haben. Streichhölzer sind einfach verlässlicher, denn Feuerzeuge habe immer wieder mal die Gewohnheit in panischen Momenten nicht zu funtionieren. Und so gehen meine Streichhölzer mit mir auf Reisen, sie waren dabei als ich in Latzhose und Edelweiß im Haar verkatert auf einer Alm sahs, die Berge bestaunte und ich mich gefragt habe, warum zum Henker ich eine Lederhose trage. Sie waren auch dabei als mich ein Mann beeindrucken wollte und mit mir in seinem Porsche durch die Münchner Innenstadt führ. Und als wir dann oben auf einem Hochhaus in der Altstadt von der Brüstung herunter schauten und er mir von seinem Sommernachtstraum vorschwärmte, ist mir klar geworden wie unglaublich naiv machen Männer sein können, fern ab von allen Intriegen, noch an die Liebe und das Gute glaubend.
Doch Bayern will ich hinter mir lassen, ich will die Welt bereisen, Asien steht ganz oben auf meiner Liste. Ich träume von Indien rüber nach Thailand und weiter nach Vietnam, fremde Kulturen, neue Religionen und andere Eindrücke. Auf Reisen soll man ja bekanntlich am Besten zu sich selbst finden und das Leben ist zu kurz um es im aufgeräumten und sturkturierten Deutschland zu verbringen. Mir ist schon klar, dass ich also Frau nicht mit einer Machete zum Schutz reisen kann, doch im Grunde glaube ich daran, dass ich mir keine Sorgen um meine Sicherheit machen muss. Weil das Leben schon weiß was es mit mir anstellt und selbst in stressigen Situotionen habe ich ja immer noch meine Notfallzigarette und die Streichholzschachtel.

Autor mit Urheberrechten: Chaos

5.

Zu betörendes Edelweiß

Verkatert geht er zu dem Porsche mit dem Nummernschild “K MP 1985″, öffnet den Kofferraum und holt einen Benzinkanister raus. Seine Studienzeit kommt ihm in den Sinn, Semiotik, Peirce und der ganze Scheiß. Sein Wagen ist ein “Index”, ein Anzeichen für seinen Erfolg. Die Verbindung ist kausal. Man sieht seinen Porsche und schließt auf seinen Erfolg, so wie man Rauch sieht und auf Feuer schließt. Das Pferd auf dem Logo hingegen ist ein “Ikon”, denn es hat sichtliche Ähnlichkeit mit dem, auf was es hindeutet: einem Pferd. Die dritte Art Zeichen, das “Symbol”, bestimmt sein Leben, denn quasi die gesamte Sprache besteht daraus: aus konventionell festgelegten Platzhaltern für Bedeutungen. Der Zusammenhang von Worten und dem, was sie bezeichnen, ist nämlich weder kausal, noch auf Ähnlichkeit beruhend, sondern willkürlich. Außer dem T, das zufällig wie ein Stehtisch aussieht, lässt nichts an dem Wort “Tisch” an einen Tisch denken. Und es gibt auch keinen stichhaltigen Grund, warum ein Tisch “Tisch” genannt werden muss. Man könnte auch “Stuhl” dazu sagen oder “Gurkenfotze”. Allerdings bräuchte man viel Geduld, um das als neues Symbol zu etablieren.

Den Porsche hat er sich bei Hank Moody abgeguckt. Ihm gefällt es, reflektiert und willentlich zu prahlen. Wer ihn in seinem Wagen sieht, soll sich denken: Der hat es geschafft! Und wer sein Gesicht kennt, soll sehen, dass er es durch Schreiben geschafft hat. Leider kennen nicht viele sein Gesicht, er ist kein Medientyp. Und so stellen die meisten wohl einen anderen Kausalzusammenhang her, denken sich: Junger, abgefuckt gekleideter Typ in einem schrillen Porsche – das muss ein Designer sein. Oder: Der hat bestimmt geerbt. Und wenn er zu seinem Dreitagebart auch noch Unterhemd trägt, vielleicht auch: Guck mal an, ein deutscher Drogendealer!

Aber er mag es auch, wenn die Leute ihn falsch einschätzen, etwa wenn er vor den Cafés auf der Schickimicki-Einkaufsstraße vorbeifährt, denn genau dort sitzen die Menschen, die seinen Porsche bezahlt haben: Möchtegern-Individualisten, die sich mit seinen Romanen in eine Welt von Sex und Gewalt hineinfantasieren. Die Figur Hank Moody gefällt ihm wirklich. Sie war ihm ein gutes Ideal. Nur in Bezug auf den Porsche hat er eine andere Meinung: Er ramponiert seinen nicht, auch wenn die Aussage stark ist, ein 140.000-Euro-Auto so zu behandeln als würde es nur 500 kosten. Aber nein, er hebt sich lieber ganz typisch von der Masse ab: Sonderlackierung – Aubergine mit gelben Felgen.

Ja, ja, die Studienzeit, nichts mit “fucking and punching”, stattdessen das Frege-Prinzip: “Die Bedeutung eines komplexen sprachlichen Ausdrucks ergibt sich aus den Bedeutungen der einzelnen Ausdrücke und der Art ihrer Zusammensetzung.” Er kann den Kram noch immer runterbeten. Aber heute fragt er sich, was das Ganze überhaupt soll. Oder Chomsky’s Universalgrammatik – ist ja ganz nett: “Wir werden alle mit derselben Grammatik im Kopf geboren!” Aber, was ändert es, wenn es so ist? Ohrenscheinlich können wir ja schon sprechen. Oder Wittgenstein: “Die Bedeutung von Sprache ergibt sich allein aus ihrem Gebrauch!” Danke für diese intellektuelle Erlaubnis, unbeschwert drauflos zu quatschen und Tische “Gurkenfotzen” zu nennen. Und wenn irgendein Nazi ankommt und meckert, schwenkt man einfach um und behauptet: “Weißt Du, ich habe die Idee der Gurkenfotze geschaut und sie sah aus wie ein Tisch. Tut mir Leid für Dich, wenn Du noch in der Höhle hockst!” Darum hat ihn die ganze Theorie am Ende nur noch angekotzt: Selbst für den letzten Schlauberger lässt sie immer ein Türchen offen. Anfangs fand er dieses Spielchen auch nett, aber jetzt schafft er lieber Tatsachen! Er schüttelt den Kanister und merkt, dass er ist nicht mehr ganz voll ist. Aber das macht nichts. Sie ist ja relativ klein und fesseln muss er sie eh. Dann kann er sie auch gleich zum Paket schnüren. So wird es locker reichen.

Die Vorstellung, sie für ihre Intrige zu bestrafen, beschwingt ihn. Er sprintet die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf und tritt durch die angelehnte Tür. Leise geht er durch den Flur. Vor dem Schlafzimmer hält er inne und atmet durch, neben ihm der gerahmte Druck von Schiele, den er ihr letzten Monat geschenkt hat. Ein Mädchen liegt mit geschlossenen Augen und geöffnetem Mund da. Ihr Haar umrahmt offen und dunkel das blasse Gesicht. Der Mund dunkelrot, ist das Rot um ihre Lider ein wenig heller. Unten wiederholt sich der Kontrast: Ein schwarzer Rock fasst die weißen Oberschenkel ein, dazwischen verläuft hellrosa ein Unterrock und in der Mitte sitzt dunkelrot ihr Geschlecht. Wie schnell alles zerfallen ist!

Er packt den Kanistergriff fester und geht rein, doch auf dem Laken liegt nur noch ihr Buch: “Sommernachtstraum”. Er denkt kurz nach und kippt das Benzin trotzdem über das Bett. Dann holt er aus der Hosentasche die Streichhölzer, die er gestern aus dem Restaurant mitgenommen hat. Auf der Schachtel ist das Taj Mahal abgebildet und darunter steht: “Betörendes Indien”. Er reißt eines an und betrachtet die Flamme, pustet sie aber wieder aus und riecht den Rauch. Er steckt die Hölzer weg.
“Wo steckt mein betörendes Edelweiß?”, flötet er.
“Hier!”, kommt es vom Balkon zurück.
Er wischt die Vorhänge zur Seite und folgt dem Ruf. Nur mit einer Latzhose bekleidet lehnt sie an der Brüstung und raucht. Die linke Brust wird lediglich halb bedeckt und ein Nippel lugt hervor. Er geht zu ihr hin und küsst sie lange, erst auf den Mund, dann auf ihre weiße Haut, die sich straff über den Brustkorb spannt.
“Gehen wir rein?”, fragt sie.
“Ja!”
Sie geht voran und er sieht, wie ihre Rückenmuskeln unter dem Kreuz der Träger zucken, dann macht er ein paar schnelle Schritte, um kurz nach ihr im Zimmer zu sein. Sie stutzt.
“Was stinkt denn hier so? Ist das Benzin?”
Sie geht zum Bett und fasst auf die feuchten Tücher. Dann entdeckt sie den Kanister. Sie dreht sich fassungslos zu ihm.
“Ich wollte Dich anzünden.”, sagt er lakonisch. Sie starrt ihn an und sieht zu, wie er zu seiner Sporttasche schlendert und sich bückt. Als er sich wieder aufrichtet, hat er eine Machete in der Hand.
“Aber ich habe es mir gerade anders überlegt – Rot steht Dir ja viel besser als Schwarz!”

Autor mit Urheberrechten: mp , maxgeschichten

6.

Er hätte das niemals erdacht, als er nach Indien geflogen war. Jetzt kam er sich ziehmlich lächerlich in seiner Latzhose vor. Er stieg in seinen Porsche und fuhr los. Wohin wusste er selbst nicht so genau. Er fühlte sich total verkartert und übernächtigt. Musste er sich im ‘Edelweiß’ auch so die Kante geben?! Der Schmerz ist dadurch nicht weniger geworden.
Er konnte noch immer nicht verstehen, wie sie zu so einer Intrige fähig war. So hätte er sie niemals eingeschätzt. Am liebsten hätter er die Machete von der Wand genommen und wäre damit auf sie losgegangen.
Er stoppte den Wagen, zog eine Zigarette aus der Schachtel, die auf dem Beifahrersitz lag und zündete sie mit einem Streichholz an. Er verschloss den Wagen, nachdem er ausgestiegen war, um sich etwas die Beine zu vertreten. Müde und entäuscht blieb er auf einer Brücke stehen. Er schaute sich um. Er war allein. Er zog ein letztesmal an seiner Zigarette und warf sie zusammen mit seinem Sommernachtstraum über die Brüstung.

Autor mit Urheberrechten: xlautgedachtx

7.

Ich brauchte dringend frische Luft.
In meinem vernebelten Kopf tauchten alpenländische Wiesen voller Edelweiß auf.
Kühle bräuchte ich,frische Winde, wie in der fernen Heimat in den Bergen.
Nun war ich schon das 2.Jahr in diesem ungewohnt heißen Land – Indien.
Um mir hier die für einen, mir gefallenden, Sommernachtstraum erforderliche Kühle zu verschaffen, müsste ich erst meine Latzhosen anziehen und mit einer Machete den zugewucherten Weg zum Brunnen frei schlagen.
Dazu fehlte mir die Kraft.
Wenn ich wenigstens genügend Geld für die Heimreise hätte.
Aber so.
Nicht mal Streichhölzer könnte ich mir leisten und den Porsche meiner Träume wohl niemals.
Ein Glück, das von dem alten Fussel  noch etwas übrig ist, betäubte der doch die trüben Gedanken, die mich, einer Intrige gleich, heimsuchten.
Immer wieder.

Autor mit Urheberrechten: arabella50

8.

Die Hitze hier trieb mich in den Wahnsinn.
Verkatert wie ich war, lehnte ich mich über die Brüstung meines Balkons.Es war ein schlechter Tag. Ein richtig mieser Tag. Der Latte Macchiato war kein Getränk zur Feier eines guten Gefühls, sondern ein Frustkaffee. Alles ging komplett schief. Der Arzt ging ihr nicht aus dem Kopf.
Am Nebentisch saßen Menschen, die allem Anschein nach aus Asien stammten. Völlig irre und ihrem Alter unangemessen sangen sie das Edelweiß-Lied aus dem Film A Sound of Music. Sie hätte kotzen können. Nicht wegen dem Lied, aber wegen der guten Laune. Wegen dem ganzen Gelächter.
Mit aller Gewalt wollte sie sich auf ihr Buch konzentrieren. Ein Neuanfang. Ein Rettungsanker. Dieser Reiseführer für Indien sollte sie retten. Konnte es dieses Buch und dieses Land nicht, dann konnte es nichts und niemand. Die erzwungene Konzentration auf die politischen Verhältnisse bereiteten ihr Kopfschmerzen. Schlimmer, als hätte sie die ganze letzte Nacht gefeiert und säße hier völlig verkatert.
Grimmig griff sie nach ihren Zigaretten, konnte aber das Feuerzeug nicht finden. Schlichtweg unakzeptabel! Dieses Gesinge, das nichtssagende Buch, das fehlende Feuer. Sie war Teil einer grausamen Intrige geworden, die gemeinhin und absolut unpassend Leben genannt wurde. Plötzlich hatte es jeder und alles auf sie abgesehen.
Die Streichhölzer an der Theke waren ein mickriges Versöhnungsangebot, der Porsche auf der Verpackung schon wieder blanker Hohn. Ihr Exfreund fuhr ein solches Auto und der hatte sie in ihrem Unglück alleine gelassen. Und damit war es nicht zu Ende.
In diesem Moment betrat eine schwangere Frau das Geschäft. Stolz trug sie ihren dicken Bauch vor sich her. Wer zum Teufel trug heute noch Latzhosen? Zumal in diesem Zustand? Aber diese Frau tat es und sie hasste sie dafür. Dieses Klichee schmerzte sie. Schwanger, gesund und glücklich, die vergrößerte Brust wie eine stolze Brüstung vor sich hertragend. Diesen Anblick konnte sie nicht ertragen. In ihrer blutroten Wut spürte sie eine Machete in der Hand, damit würde sie dieses Kind aus dem sicheren Bauch schneiden, genau so, wie es mit ihrem Baby geschehen war. Warmes Lebensblut rann durch ihre Finger und sie lachte hysterisch auf. ‚Ich bin die Kraft, die Chaos schafft, ich kenne kein Pardon, ich bin die Kraft, die Chaos schafft und niemand kommt davon. Ich verarsch die ganze Welt, die mich für einen Engel hält‘, sprach es in ihrem Inneren. Diese Zeilen aus der Mittsommernachtstraum hatte sie schon immer geliebt. Und jetzt waren sie ehrlicher als jemals zuvor. Sie war mehr, als sich die anderen vorstellen konnten. Ein böses Mehr.

Autor mit Urheberrechten: magguieme

9.

“Klaus-Dieter mach laaaangsam”, schrie Udo über die Straße die mit großen Schlaglöchern durchzogen war, doch Klaus-Dieter hörte ihn nicht.
Der saß ziemlich verkatert mit seiner dunklen Schönheit, neustes Mitbringsel von seinem letzten Roadtrip durch Indien, in seinem Porsche und bretterte nach einem Theaterbesuch von Shakespears Sommernachtstraum selbst ziemlich traumatisch um die Ecke. Klaus-Dieter war ja nicht der hellste und bekam nicht eine einzige Intrige im Theater mit. Ob es an der schönen Helena auf der Bühne lag, oder an den gelenkigen Händen seiner indischen Schönheit, welche ihr eigenes Theater zwischen seinen Beinen spielte lag, das wußte er nicht.
Udo schlug sich die Hand vor den Kopf. Das Klaus-Dieter auch immer einen auf dicke Hose machen musste. Und das, wo der doch ständig in Latzhose durch Klein Rodau im Zillertal stolzierte. Ich mein, wer trägt schon Latzhosen außer Klaus-Dieter. Aber seit dessen Vater ne Menge Schotter mit dem Verkauf von Streichhölzern nach Übersee machte, befand sich Klaus-Dieter eh am Rande des Größenwahns. Soff ständig, jagte mit seinem knallgelben Pornoporsche durch die beschauliche kleine Ortschaft und ließ sich auf all seine Kleidungstücke blaue Edelweißsticker sticken.

Udo hielt die Hand vor die Ohren und Augen, sah er doch den lauten Knall, den Klaus-Dieters Porsche verursachte, als der gegen den alten Benz vom einäugigen Bert Moosmüller knallte, just kommen. Vorsichtig lugte er zwischen Ring und Mittelfinger hindurch und sah nur noch die dampfende völlig zerknitterte Kühlerhaube in knallgelb mitten in des Moosmüllers Lieblingsautos rechter Seite. “Verdammte Scheiße” tönte es in Mitten des Autohaufens und Klaus-Dieter schubste die indische Schönheit aus der Seitentür und fiel ihr hinterher kriechend noch fast vor die Nase.

Neugierige Köpfe lugten aus den umliegenden Häusern über die Brüstung der Balkone. Stille Köpfe. Sprachlose Augen die automatisch nach links schauten. Der Lärm auf der Straße erstarrte. Sogar die räudige Straßenkatze mit nur einem Auge verkroch sich miauend in einer der Gassen.

Links, drei Eingänge weiter öffnete sich langsam die Tür. Bert Moosmüller, drei Anzeigen wegen Mord im Affekt – fallengelassen wegen Mangel an Beweisen, trat in Zeitlupe vor die Tür. Starrte ausdruckslos erst seinen Benz an, oder das was von ihm übrig blieb und drehte langsam seinen Kopf zum Dorfidioten Klaus-Dieter. Ruhig waren seine Bewegungen wie er mit langsamen Schritten und seiner meterlangen Machete in der rechten Hand, auf ihn zuging. Klaus-Dieters Latzhose hing auf einer Seite runter und während er versuchte unauffällig rückwärts davon zu schleichen, verhederte sich sein Fuß mit seinem herunterhänenden Träger und ließ ihn rücklinks auf die Straße fallen. Ein leichtes Spiel für Herrn Moosmüller der binnen Sekunden über ihm stand und die Machete mit einem letzten Abschiedlächeln runtersausen ließ.

Autor mit Urundsoweiter…Frau Ahnungslos persönlich…

10.

Sie war ein stilles Mädchen, das viel las. Nicht grosse Literatur wie den Sommernachtstraum oder den Faust. Nein, am liebsten las sie von Menschen, die sich mit Problemen rumschlugen und diese dann erfolgreich lösten. Das machte ihr Mut und gab ihr irgendwie das Gefühl, das sich alles fügen würde. Auch für sie. Sie hatte eine allerbeste Freundin, wie man so schön sagt, und mit dieser verbrachte sie viel Zeit. Ein wenig beschämt erinnert sie sich noch daran, wie sie eines Morgens nach einer Party der älteren Schwester verkatert aufwachte. Die Früchte in der Bowle hatte sie masslos unterschätzt. Tagelang war ihr übel und es glich wohl eher einer Alkoholvergiftung. Im Zimmer dieser Freundin hingen Edelweiss-Bilder und am liebsten trug sie ganz unmodisch Latzhosen. Zu ihrer Zeit eine Seltenheit. Heimlich im zarten Alter von14 zogen sie sich mit Streichhölzern ausgerüstet zu ihrer ersten Zigarette auf einen Spielplatz zurück. Hustend und röchelnd fühlten sie sich kurz „erwachsen“. Sie kletterten auf hohe Bäume und balancierten auf Brüstungen, erzählten sich ihre Geheimnisse und analysierten die Jungs in ihrer Klasse. Versuchten Intrigen auf die Spur zu kommen, die Menschen zu verstehen. Nachts dachten sie sich Gruselgeschichten aus, in denen auch schon mal Menschen einer Machete zum Opfer fielen. Diese Zeiten waren gut und beide träumten noch nicht von fernen Orten, wie Indien oder von viel Geld, mit denen sie sich ihren ersten Porsche kaufen wollten. Ja, sie erinnerte sich wirklich gerne daran.

Autor mit Urheberrechten: melcoupar

11.

Als B. Traven den Koffer aus dem Schließfach holte
ahnte er noch nichts.
Er wußte nicht warum er sich
auf diesen Vorschlag von
http://westendstorie.com
eingelassen hatte.
Als er den Koffer öffnete
stieg sein Puls und kalter Schweiß lief ihm an den Schläfen entlang. Es lag nur dieser Zettel darin.
Darauf diese zehn Worte.
Edelweiß
Sommernachtstraum
Latzhose
Indien
Verkatert
Porsche
Streichhölzer
Intrige
Brüstung
Machete
Es war eine verdammt schwere Aufgabe.
Er brauchte Papier.
Er brauchte eine Idee.
Er hatte nichts zu verlieren.
Er hatte keine Zeit.

Autor mit Urheberrechten: zolaski

12.

Das elfte Wort

“Sie wissen, warum Sie hier sind?”

“Wegen des Diebstahls von Worten?”

“Genau. Wollen Sie etwas dazu sagen?”

“Es war nur ein Reflex. Sie lagen da so rum. Normalerweise tue ich sowas ja nicht, das können Sie mir glauben. Ich hab gar nichts übrig für Worte. Mein Ding sind Sportwagen, Ferrari, Porsche, Fiat. Mit Worten, nein, nich meine Welt. Ich weiß also nicht. “

“Erzählen Sie doch einfach mal.”

“Wie ich schon sagte, ich interessiere mich mehr für schnelle Wagen, für Autorennsport. Kam also gerade von einem Kumpel. War schon recht spät. Eddie und ich hatten zusammen den Großen Preis von Indien im Fernsehen angeschaut, danach noch so ein bisschen rumgehangen. Normalerweise schaue ich immer zuhause. War aber gerade dicke Luft dort. Meine Freundin hat ziemlich Stress wegen dem Buch gemacht. Sollte mal wieder was lesen. Bin ich erstmal abgehauen zu Eddie. Bis meine Freundin zur Arbeit muss.”

“Stress, aha. Weiter.”

“Im Gegensatz zu mir hat sie sehr viel für dieses Zeug, Literatur und so, übrig. Und hat mir mal wieder was zu lesen gegeben: Shades of grey heißt das, glaub ich. Konnt’ ich nicht lesen. Ist mir zu schwer.”

“Na, also Shakespeare ist das aber nicht gerade.”

“Wer?”

“Shakespeare. Kennen Sie nicht? Hamlet, Romeo & Julia, Sommernachtstraum?”

“Nee, sagt mir nichts, tut mir leid.”

“Aber erzählen Sie mal weiter.”

“Jedenfalls habe ich mich richtig geplagt mit dem Buch. Obwohl ja viel da so rumgefummelt wird. Brauch ich aber kein Buch für. Wer sich mit Autos gut auskennt, versteht sich auch auf Frauen. Und meine Freundin ist ein echt heißes Teil. Wenn se da mal eine rauchen wollen, einfach nur die Kippe an die Alte halten. Brauchen se keine Streichhölzer für.Von dem ganzen Literaturscheiß mal abgesehen, echter Jackpot. Geiler Arsch. Riesenbrüste.”

Brüstung?”

“Nein, Brüste. Haben Sie Tomaten auf den Ohren?”

“Passen Sie auf, was Sie sagen. Sie stehen hier vor Gericht.”

“Entschuldigen Sie, Richter.”

“Schon gut. Fahren Sie fort.”

“Sie hat also diese Riesenbrüste.”

“Das wissen wir jetzt. Sagen Sie uns lieber, wie es zu der Tat, wegen der Sie hier vor Gericht stehen, gekommen ist.”

“Klar, also das Buch konnte ich nicht lesen. Ging einfach nicht. Bin immer schlecht drauf gewesen wegen dem Buch. Wenn wenigstens Bilder dabei gewesen wären. Als Film kucke ich mir ja sowas an. Obwohl ja mehr so Actionfilme mein Ding sind, Expandables, Machete, so ein Zeug. Aber so ein schöner Porno zwischendurch ist auch nicht schlecht. Der Eddie, bei dem ich das Rennen gekuckt hab, hat da ne ziemlich geile Sammlung.”

“Hat das mit der Geschichte zu tun?”

“Komm ja jetzt drauf, Moment.”

“Sehr nett, Danke”

“Als Film hätte ich es mir also vielleicht, obwohl, wird mir zu viel gequatscht. Beim Porno kommen die ja gleich zur Sache. Ist wahrscheinlich nicht das, womit Sie sich so abgeben, ist nicht so erhaben und edel, weiß ich selbst. Können ja nicht alle so sein. Steh dazu und meine Freundin, also ab und zu, ist ihr das nicht so unrecht. Aber das Buch, beim besten Willen nicht. Hab’s nicht fertig gelesen und völlig entnervt vom Balkon über die Brüstung geschmissen.”

“Brüste?”

“Ne, Brüstung. Hören se dochmal zu. Schlimm genug, dass ich so viel hier reden muss. Und auch noch alles wiederholen. Das Buch war also weg, unten auf der Straße. Musste mich erstmal beruhigen und hab mir ein Bier aus dem Kühlschrank genehmigt. Das kann ich sagen, mit Alkohol hab ich’s nicht so. Ab und zu mit Eddie, aber nicht oft. Kanns nicht leiden, morgens so verkatert zur Arbeit zu müssen. Also wenn, dann meistens am Wochenende. Kann man seinen Rausch ausschlafen. Sonst eher nicht. Das war jetzt die Ausnahme. War total frustriert von dem Buch. Und so hab ich vielleicht ein paar Bier zuviel getrunken.”

“Und konnten sich nicht mehr erinnern, was dann geschah? Wollen Sie das sagen?”

“Ne, so dicht war ich nicht. Aber auch nicht ganz auf der Höhe. Lag da also auf der Couch, noch total frustriert. Wusste aber, wenn meine Freundin kommt von der Arbeit, ist Nachtschwester, dann wird sie wissen wollen, wie das Buch gewesen ist und wird keine Ruhe geben. Und wenn se merkt, ich hab nur die ersten zwanzig Seiten gelesen und das Buch entsorgt, ist erstmal wieder Schluss mit Liebe. Dann darf ich wieder bei Eddie Pornos schaun. Raff mich also auf und will das Buch von der Straße holen. Müssen wissen, ich brauch meine Ration Liebe jede Woche. Sonst lauf ich nicht richtig rund. Ich also Schuhe an und raus. War schon kurz nach Mitternacht oder so. Keine Seele auf der Straße. Bis auf die verrückte Alte, die mit ihrem halbblinden Köter wohl noch Gassi war. Die sollten Sie mal sehen. Immer, wirklich immer so ‘n Batik-Hemd, Latzhose und ‘ne Indianerfeder im Haar, typische vorsintflutliche Ökotussi. Und den Hund, Ibiza-Promenadenmischung immer im Schlepptau. Sonst war da keiner. Aber das Buch hab ich auch nicht gefunden. Auf der Straße nicht. Sonst auch nirgends. Bin sogar halb unter die Büsche vorm Haus gekrochen. Fehlanzeige. Das war echt Scheiße, saudämlich. Wird ziemlichen Ärger geben. Nicht nur nicht gelesen, sondern auch das Buch verschlampt.”

“Und Sie sind wieder in die Wohnung?”

“Ne, zur Tanke, ganz in der Nähe. Die hat rund um die Uhr auf. Wusste, die haben da auch so Bücher, Krimis, aber eben auch sowas für Frauen, mit Gefühl, Leidenschaft, Intrige und so. Alles, was Frauen halt so mögen in solchen Büchern. Vielleicht, dacht ich, hätte ich ja Glück und das Buch hätten die auch gehabt.”

“Und? Hatten Sie?”

“Ne, leider nicht. Die hatten komischerweise überhaupt keine Bücher mehr. Dabei noch vor Kurzem, ich hol da manchmal Bier und was zum rauchen, hatten die welche. waren aber keine mehr. Stattdessen hatten die so ein Regal, wo vorher das Regal mit den Büchern und Zeitschriften war, Westendstorie, war wohl der Name von der Firma, stand auf dem Regal drauf, da lagen so Pakete, Geschichten zum Selbermachen. Fand ich eigenartig. Und weil ich sowieso nicht ganz beisammen war, habe ich eine von den Packungen aufgemacht. Der hinter der Theke, ein Studi wahrscheinlich, hat nichts mitbekommen. Was soll ich sagen, in dem Paket waren nur so Worte drin, so Steine wie bei diesem Spiel, wo man aus Buchstaben Worte bilden muss. Meine Alten wollten das immer mit mir spielen, konnt mich aber immer drum drücken.”

“Scrabble?”

“Ja, genau, Scrabble. Hab’s gehasst. Und die Steine sahen eben genauso aus, waren aber ganze Worte, nicht nur Buchstaben. Waren elf Stück. Dachte noch, für 24,95 Euro ganz schön stolzer Preis für so Worte. Und warum eigentlich elf? Was sollte das alles? Was kann man mit elf Worten schon anfangen? Wer kauft das? Und langsam wurde ich richtig sauer. Reicht es nicht, solche Bücher lesen zu müssen. Jetzt sollte man auch noch sich selber welche basteln müssen. Das gab mir den Rest. Hab ich halt aus jeder von den Packungen vorsichtig ein Wort rausgenommen und jede Verpackung wieder zugemacht. Sollten die mal sehen, wie sie mit nur zehn Worten sich Geschichten zusammenkleistern. Wenn die auch so blöd sind, dafür Geld auszugeben, haben se das nicht anders verdient.”

“Und was haben Sie mit diesen Worten gemacht?”

“Diesen Text zusammengekleistert. Haben Sie keine Augen im Kopf?”

“Werden Sie nicht frech!”

“Ich sag jetzt nichts mehr. Worte sind eh alle.”

“Dann bleibt mir nur noch zu sagen, Schuldig des Diebstahls und der Unterschlagung von Worten und des Verfassens eines wirklich ziemlich miesen Textes. Ich verurteile Sie zu 25 Jahren Blogabstinenz und der Lektüre von Shades of grey, und zwar alle Bände.”

“Das ist fair. Danke.”

Autor mit Urheberrechten: Herr Hund

13.

Verkatert wachte Malte auf. Nach seiner Rückkehr aus Indien war es aus mit der Spiritualität. Was blieb waren Latzhose und Rucksack, letzterer stand noch im Flur herum. Jeden Abend wurde im Edelweiß kräftig gezecht. Wer eine Reise tut, der kann was erzählen. Malte gab jeden Abend seine Weltläufigkeit zum besten. Noch hatte er das Publikum. Jetzt griff er nach den Streichhölzern und zündete sich eine Nelkenzigarette an. Danach schlich er auf den Balkon und lehnte sich über die Brüstung, um ein Gefühl für das Wetter zu bekommen. Da kein Kaffee im Haus war, musste er wohl welchen kaufen. Er schnipste nach einem letzten Zug die Kippe in hohem Bogen durch die Luft, ging zurück in die Wohnung, wo er fast über die Machete stürzte, die immer wieder im Flur aus dem Schirmständer fiel, zog sich an und machte sich ins Treppenhaus und auf die Straße. Immer noch leicht alkoholisiert und berauscht von den Erlebnissen der letzten Monate, wo er auf die Grundlinien des Daseins gestoßen war, jenseits des Materialismus und der Intrigen, überquerte er die Straße vor dem Supermarkt schlafwandlerisch. Dabei übersah er den Porsche des feisten Immobilienmaklers, der wie immer um diese Zeit mit einem Kickdown die Straße erfreute. Ein dumpfer Schlag beendete den Sommernachtstraum.

Autor mit Urheberrechten: Gerhard Mersmann

14.

Gelegentlich bekommt unsere Familie private Post von sehr alten Menschen aus Indien. Ich beobachte unsere Mutter seit meiner frühesten Kindheit, wie sie jene rauteförmigen, tannengrünen Umschläge mit Goldrand und aufwändiger Perlenapplikation, wie aus einem Sommernachtstraum, vorsichtig mit einem scharfen Gegenstand öfftet und sich blinzelnd eine Strähne aus dem Gesicht pustet, um erwartungsvoll den Inhalt zu überprüfen, als hinge einen Augenblick lang ihr Leben von dieser Feinarbeit ab.

Gar nicht selten bekomme ich einen leichten Schwips vom Zuschauen. Selbstredend nur von zu vielen Mon Chérie, die ich während dem Spektakel herunterschlinge, nicht dem Edelweiß-Wein aus der geheimen Schublade an der Ecke des Küchentisches. Dabei mag ich Mon Chérie gar nicht. So heißt unsere Nachbarin, derren Intrigen vielen Frauen durch die Hände unserer Mutter das Leben kostete.

Verkatert wurde ich nie von den Mon Chérie, obwohl die eine mich oft wie einen Kater streichelt und schnurren lässt. Ersteres und letzteres würde mir beides die Latzhose kosten, doch so lange der Umschlag in ihren Händen ist, liege ich außerhalb des Aufmerksamkeitshorizontes unserer Mutter.

Sie rammte mir schon einmal ihren Brieföffner in den Schenkel. Scharf, wie eine Machete. Einst als ich mich der Brüstung wegen in unsere Karre setzte um nach Indien zu fliehen, wo das Geld auf Bäumen wächst und das weitere mal, als ich die Karre anzündete, weil unsere Mutter schrie sie wolle Expodieren.

Es expodierte nichts. Das alte Gerüst eines räderlosen Trappis. „Porsche“ habe ich das verkohlte Lack geritzt und den großen roten Fleck in meiner Hose bekamen wir auch nie raus. „Mon Chérie hat auf deinem Schoß menstruiert.“ erzähle ich, wenn jemand fragt.

Es fragt keiner und die Streichhölzer sind alle. Aber die an „Familie des und-dann-kommt-der-Vor-und-Nachname-des-Ehemannes” adressierten Briefe der konservativen, indischen Leute stehen dennoch in Flammen und mit ihnen der imaginäre Vater eines Hurensohnes.

Autor mit Urheberrechten: primamuslima

15.

es war wieder mal soweit. einer dieser freitagabende. charles wollte sich betrinken. in einer kleinen bar am rande der stadt. die woche war hart gewesen. in der werbeagentur ‘edelweis’ bei der er seit drei jahre beschäfftigt war ging es drunter und drüber. eine ‘intrige’ nach der anderen.

charles brauchte eine auszeit. wollte zurück zu seinen ursprüngen, zurück an den ort wo er damals die entscheidung traf in die werbung zu gehen. den ‘porsche’ hatte er gleich zuhause gelassen, denn heute würde es nicht bei einem drink bleiben.

als er die bar betrat viel im gleich die frau auf der ‘brüstung’ auf, die von oben auf den thekenbereich schaute und ihn ansah. charles nahm an der theke platz und bestellte sich einen drink. kurz darauf setzte sich ein komischer vogel in ‘latzhose’ neben ihn und fing an verrücktes zeug von ‘indien’ und einer ‘machete’ zu erzählen. charles hörte nicht zu.

“haben sie feuer?” charles drehte sich um. die frau von der brüstung lächelte ihn an. “aber natürlich” er griff in sein jacket und holte eine schachtel ‘streichhölzer’ heraus. ohne ihrem blick auszuweichen zündete er eines an und gab ihr worum sie ihn gebeten hatte. “darf ich?” sie blickte auf den hocker neben charles und setzte sich.

sie schauten beide in den spiegel hinter der bar. dann schauten sie sich an. er lächelte “was möchten sie trinken?” sagte er. “das was sie haben” lächelte die frau zurück und zog an ihrer zigarette. er bestellte die drinks und dachte kurz an den morgigen tag und wie ‘verkatert’ er sein wird. bevor er sich mit einem lächeln in diesen kleinen ‘sommernachtstraum’ fallen lies.

Autor mit Urheberrechten: tigerfour

16.

Und das nicht geschrieben, sondern gemalt. Ich fass es nicht. 🙂

http://mobeumers.econceptum.com/sketchbook/kreativsprint-10-worte-eine-geschichte-15-minuten-zeit/

Wie kriege ich hier nur das Bild rein?! ^^

Künstler, Schreiber und Supermaler, Herr Mo 🙂

Advertisements

7 Kommentare

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s