Wenn der Postmann freundlich lächelt – Teil 2 FSK 18 – nichts für zarte Seelen

Fortsetzung

Direkt nach Feierabend schnappte er sich seine grünfarbene aus Kunstleder bestehende Umhängetasche. Ein Geschenk seiner Mutter. Er mochte diese Tasche nicht, hütete sich jedoch davor ihr das zu gestehen und rannte seit dem mit diesem froschfarbenem Umgehängsel herum. Stieg in sein klappriges Auto und fuhr zu dem Wohnort seiner Angehimmelten. Er war aufgeregt.

Den ganzen vorherigen Abend verbrachte er auf ihrer Seite im sozialen Netzwerk. Er kannte nun schon ein wenig von ihrem Musikgeschmack, einige ihrer Freunde, Bilder von ihrer Wohnung, dem schön dekorierten schlicht gehaltenem und hellpetrolfarben gestrichenem Wohnzimmer, so ganz anders als bei ihm zu hause. Sie schien eine Vorliebe für Blumen zu haben, so viele Bilder fand er von floristischen Aufnahmen auf ihrer Seite. Aber das sie viel Feiern ging, das missfiel ihm, er war neidisch. Gern wäre er mit ihr auf all den lachenden Partybildern zu sehen. Erst letzte Woche war sie mit ihren Freundinnen in Holland, ein Mann schien nicht dabei gewesen zu sein.  Auch die Profile ihrer Freunde studierte er lange. Ein grober sichtbarer Umriß aus ihrem Leben bildete sich in seinem Kopf. Ja, eine Menge gab diese virtuelle Plattform her.
Er stieg aus und schlenderte durch ihre Straße. Schaute immer mal wieder auf seine Uhr. Sie musste doch bald kommen. Ging zu ihrem Hauseingang, die Tür war nur angelehnt. Schlüpfte hinein und schaute sich die Briefkästen an. Zehn Wohnungen hatte ihr Haus. Seine schmalen Finger passten in ihren Briefschlitz und so konnte er leicht ihre Post aus dem Fach fischen. Drei Briefe. Einen von ihrer Bank, einer von einem Bekleidungsunternehmen und ein handgeschriebener Brief. Der Absender war ein Mann. Diesen lies er in seiner giftigen Tasche verschwinden, trat vor die Tür und wollte grade gehen, da kam sie ihm entgegen. Schwerbeladen mit mehreren Lebensmitteltüten.
Schüchtern lächelte er sie an, tat überrascht sie dort zu treffen und erklärte sich, mit Zufällen und Wohnungsbesichtigungen, heute und  hier in dieser Straße. Stellte sich ihr vor und sie kamen ein wenig ins Gespräch. Standen vor ihrem Haus, unterhielten sich über Gott und die Welt. Sie erzählte sie wohne noch nicht lange in dieser Gegend, erst neulich sei sie ausgezogen bei ihrem Freund.  Von ihrer Arbeit in dem Architekturbüro, vom schmierigen, wurstfingertragenden anzüglichem Herrn Ebermeyer und ihrem kleinen Freund, dem Kater Schmidt.

Der Postmann war ein guter Zuhörer. Das war er schon immer und ihr schien es gut zu tun, jemandem ihr Herz auszuschütten. Das es so einfach würde, hätte er nicht gedacht. Nach einer ganzen Weile stockte sie abrupt, dankte ihm für sein offenes Ohr und bot ihm ein Getränk an. Still lächelnd folgte er gern ihrer Einladung und half, die schweren Tüten nach oben in den ersten Stock zu tragen. Sie schloß die Tür auf und nahm ihn mit in ihre Wohnung.  Gott wie er sich innerlich freute, endlich noch ein Stück mehr von ihr. Der warme Geruch ihrer intimen Behausung, ihres Lebens schlug ihm entgegen. Er nahm Platz, sie tranken ein kühles Bier und sie unterhielt ihn weiter. Sein geistiger Stift schrieb unablässig still weiter Protokoll. Fragte nach ihrem Bad und während er die Spülung drückte, öffnete er ihren Wäschebehälter, kramte ein wenig und ließ einen Slip von ihr in seiner Hosentasche verschwinden. Nach einer Zeit verabschiedete er sich freundlich. Gab ihr seine Nummer und verließ, wenn auch ungern ihre Wohnung.
Daheim überschüttete seine Mutter ihn mit Vorwürfen über seinen Verbleib, redete und redete, stellte ihm dennoch sein Essen in sein Zimmer, liebevoll dekoriert mit ein wenig frischer Petersilie und ließ ihn allein, nicht ohne vorher seine Lunchbox aus seiner Tasche zu nehmen um diese für den nächsten Tag wieder herrlich vorzubereiten. Kaum aus dem Zimmer, holte er den Brief aus der Tasche. Öffnete ihn und las die hilflosen Erklärungsversuche ihres Exfreundes und seine Bitte, sie möge zurück kommen. Kramte aus seiner Tasche ein Feuerzeug, öffnete das Fenster, lehnte sich raus, verbrannte den Brief und sah der Asche zu, wie diese in der fast windstillen Nacht verschwand. Seine Gedanken blieben bei der schönen jungen Frau.
Zitternd holten seine dürren bleichen Finger ihren Slip aus der Hosentasche. Er schloß die Augen und atmete ihren intensiven Geruch ein. Selten hatte ihn nur irgendwas so erregt. Entledigte sich seiner Hose, lehnte sich zurück und rief nach seiner Mutter…

 

Teil 3 folgt…

 

 

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42 Kommentare

  1. Kennst Du den Kieler Tatort mit Lars Eidinger als Postboten? Da gibt es diese gruselige Szene, als die Wohnungsbesitzerin den Zucker nicht findet und Eidinger ihr sagt wo er ist, da er immer in ihrer Wohnung rumschnüffelt. Der Frau fällt das dann auch auf und ab da hat sie richtig Angst.

    Der letzte Satz hat da schon eher zur Entspannung beigetragen, da ein Kollege seit Wochen einen Inzestwitz nach dem anderen erzählt.

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    1. Nein wirklich ? Hab ich nicht gesehen. Werd versuchen ihn mal zu bekommen, wenn diese Story zu Ende ist 🙂
      Weiter bin ich froh, das du schon ein wenig abgehärtet bist, nicht wie die arme Frau Knobloch. Tat mir ja sehr leid.
      Mit herzlichen Grüßen durch die stehende Hitze

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      1. Sie stachen sofort ins Auge.
        Und dann ist mit heute morgen aufgefallen, das deine Beiträge gar nicht in meinem Reader erscheinen. Außer vor ein paar Tagen der mit über und von wertem Alec… Merkwürdig …

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      2. Huch? Ich kenn das nur, wenn Beiträge verpasswortet sind… dann erscheinen sie nicht in meinem Reader …
        Hmm ich habe garnichts geändert, keine URL-Änderung oder so… komisch… 😦

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  2. Uik… der letzte Satz läßt sich mich krümmen, wie nach einem Faustschlag… weiß nicht, ob ich das weiterlesen will. Schnell Ihr Feinstbildchen anschauen…. so, geht wieder. Kopfschüttelnde Grüße, Ihre Frau Knobloch.

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    1. Arg… schämend zu Boden geblickt. Und versprochen, es gibt einen FSK hinweis, falls es weiter so gemein bleibt.
      Frischer Kaffee, ein Strauß voll sonnigsten Blumen auf dem Tische, garniert mit herrlichstem Möhrenkuchen. Ob das meine werte Frau Knobloch schnell wieder besänftigt?
      Immer noch leicht beschämt Grüße, Ihre Frau Ahnungslos

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      1. Mir schwante ja, auf was ich mich einließ, aber selten haut einen ein einziger Satz nochmal komplett um. Nunja, ich bin halt doch eine Bienchenblümchenschneckchenblo…… oh, da! Blümchen! Hachende Grüße, die Ihre.

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      2. Alles jut. Sie können ja nüschte dafür, daß überm angeblichen Biedermieder ein Skandalöskopfkinoschwarzkopp thront. Eigentlich spricht es ja für Ihre Schreibe. Ich habe mich ja auch doch irgendwie über die Beschwerden über die Schlachterey bei mir gefreut…

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      3. Skandalöskopfkinoschwarzkopp? Dafür mit wunderschönem blauen Auge. Dazu in der Annahme, das ein zweites auch noch vorhanden ist 🙂 Ach… mein Herz ist ja ebenso sanft und weich wie das Ihre, das ist ja eh bekannt, doch braucht es manchmal wohl ein wenig Komplementär, damit alles im Lot ist 🙂

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      4. Da hat wohl die Blauigkeit des Feinsttuches abgefärbt, meine Liebe. Ich beharre auf Absinthmeerjungfrauengrünäugigkeit. Aber seis drum, es war ein gerade erst Erwachtschnappschuß, vielleicht bläute in mir noch die Farbe der Nacht.

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      5. Uik, ich dachte, ich hätte gestrig schon korrigierend kommentiert, aber heute finde ich hier nüschte. Bitte ändern Sie gedanklich die Knobloch’sche Augenfarbe in Absinthmeergrün. Beim Bildchen färbte wohl das Bleu des Himmels zu sehr ab. Schönstgrüße, Ihre Frau Knobloch.

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  3. Hi Mia, wichtigste Frage zuerst: Wie lange muss ich auf die Fortsetzung warten? Dieses kalte, schaurige Unbehagen, das sich beim Lesen breit macht … Boah, wo nimmst Du das her?
    Lieben Gruss von Melanie. Sehr schönes, neues Foto von Dir.

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