Persönliches…

Eigentlich sollte es heute Teil 2 zu der Geschichte vom Postmann erscheinen.

Aber heute ist mir nicht nach düsteren Geschichten. Das derzeitige Weltgeschehen rund um diese doch fast unheimliche friedliche Oase namens Deutschland lässt den Kopf und die Gedanken heute stillstehen und ist düsterer, als jede Geschichte es nur sein könnte.

Heute bin ich nur einfach still in Trauer. So viel Trauer, das ich grad nicht weiß, wie ich sie los werde. Jammern auf hohem Niveau? Nein. Gestern, ahnungslos beim Scrollen auf Facebook schoß mal wieder ein Bild sich so fest in meinen Kopf, ich werde es einfach nicht los. Es brennt in meinem Vorderhirn, unfähig es loszuwerden. Und dabei ist es mir scheißegal, wo dieses Bild aufgenommen wurde. Ob es eine Woche oder drei Monate alt ist. Es spiegelt die Situation da, in der wir uns befinden.

Es zeigt einfach, das soviel geballtes Leid, Mißhandlung, Mord, Totschlag, Krieg um uns ganz nah herum ist. Tagtäglich das gemordet wird, vergewaltigt wird, leidtragend ist der kleine Mann. Die Personen die wie du und ich einfach nur leben möchten. Sicher mit offenem Fenster schlafen möchten, in Latschen über die Straße spazieren möchten. Mit ihren Kindern Ball spielen möchten. Ihre Kinder in die Schule schicken möchten. Eine gesicherte Krankenversorgung möchten. Arbeiten möchten. Lernen möchten. Lachen möchten. Leben möchten. Ja. Einfach sicher leben möchten.

Und nicht ihre Kinder zu Grabe tragen wollen. Nicht vor ihren Augen ihre Frauen vergewaltigt sehen möchten und nicht gefoltert werden wollen….

Und hier bei uns, braucht es einfach nur einen Klick. Klick und das Bild ist weg. Klick und die Seite ist zu. Klick und ich mach den fröhlichen Musikantenstadl mit ihren beschissenen fröhlichen Liedern an. Klick und ich bin wieder in meinem sicheren Zuhause.
Aber mein Kopf ist nicht im sicheren Zuhause. Und wie ich die doch so elementare Mauer um mein Herz grad wieder aufbauen soll, das weiß ich grad auch nicht. Finde einfach die Taste für den Klick heut nicht…

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29 Kommentare

  1. Beeindruckender Text, wieder einmal, und zu einem Thema, das wir wohl alle nur zu gut kennen; aber nicht umsonst ist D inzwischen ja „aufgestiegen“ zum zweitbeliebtesten Einwanderungsland der Welt… dafür muss es ja Gründe geben… vllt ja jenes der „friedvollen Oase“ inmitten einer kriegslüsternen Welt…

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    1. Vielen Dank für dieses große Kompliment.
      Ja, dieses Land hat sicher viele Defizite und falsche Problemangehensweisen – nur den absoluten Luxus dem man hier, egal wie, ausgesetzt ist, unvorstellbar für so so so viele andere Länder, den wehen wir häufig nicht.
      Einen wunderschönen Tag für dich 🙂

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  2. Danke, dieser Text hat mich sehr bewegt, nicht nur wegen der geschriebenen Worte oder/und aufgrund des Wahrheitsgehaltes, sondern weil ich diese Gedanken kenne. Ich kenne sie besser, als es mir lieb ist. Ich würde sie gerne verdrängen … nein, verdrängen ist nicht der richtige Weg – das hiesse ja, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Aber verdrängen wäre doch so schön angenehm … es wäre zwar nicht einfach, aber definitiv einfacher, als mal eben die Probleme dieser Welt zu lösen – ein Berg an Problemen, der so groß ist, dass ich beim Betrachten, drohe zu ersticken.
    Ich kann sie nicht lösen, weder per Knopfdruck, noch als Lebenswerk – verdrängen will ich sie nicht – also was kann ich tun??? Vor dieser Frage stehe ich regelmäßig, wenn ich „diese“ Bilder sehe, wenn ich Berichte „darüber“ lese oder gar als Farbfilm im Internet oder Fernsehen betrachten darf/muss!?! Manchmal erscheint es unerträglich, aber ich habe ja keine Wahl!
    Ich habe mal einen lustigen Satz gelesen, der ungefähr so lautete: „Entweder bist Du ein Teil der Lösung, ein Teil des Problems oder ein Teil der Landschaft!“
    So habe ich mich entschieden, nur ein Teil der Lösung zu sein und nach Möglichkeit zu verinnerlichen, dass es OK ist, nur ein Teil zu sein und nicht vom gesamten Berg überwältigt und erdrückt zu werden. Einen Teil, meinen Teil kann ich bewältigen. Ich kann freundlich, offen und tolerant gegenüber Mitmenschen sein. Ich kann einem Hungrigen etwas zu Essen spendieren – Aber ich möchte keinem Alki oder Junkie Geld geben, dass er/sie für Drogen einsetzt. Diese Menschen sind auch „nur“ krank und brauchen Hilfe. Diese Hilfe die sie benötigen, kann ich aber nicht leisten. Sie ist kein Bestandteil meines Teils. Ich kann Unternehmen wie Nestle und Monsanto boykottieren, ich kann im Tante-Emma-Laden um die Ecke einkaufen. Ich muss mir den abartigen Werbeslogan „Geiz ist geil“ nicht zu eigen machen. Ich kaufe T-Shirts aus fair gehandelter Bio-Baumwolle und betrete KIK oder Primark nicht. Ich helfe Menschen in meiner Umgebung, die derartige Hilfe benötigen, die ich zu leisten imstande bin. …
    Den großen Berg an Problemen muss ich aber um funktionieren und leben zu können überwiegend verdrängen, so gut ich es kann (aber nie gänzlich aus den Augen verlieren), sonst zerstört er mich und es ist niemandem geholfen …

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    1. Guten Morgen lieber Lars, so schön das er bewegt, so weiß ich auch, das er dennoch unvermittelt das selbige Gefühl just in dem Moment ahnungslos auslösen kann. Was natürlich nicht meine Absicht ist. Aber dich hat es ebenso wieder einmal – in dieses Thema verstrickt. Aber deinen Worten kann ich mich nur völlig anschließen. Selbiges tue ich ach. Oke. Vergiss die Bio Baumwolle, aber, wer weiß, vielleicht füht auch mein Weg dahin. Mensch kann immer für sich einiges tun und das sollte er auch. Diese Vogel Strauß Taktik ist total doof und nervt mich häufig wenn ich es erlebe.
      Und dein letzter Satz, ja was soll ich sagen.. könnte auch meiner sein …
      Liebe Grüße und einen schönen Tag für dich

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  3. Meine liebe Frau Ahnungslos, natürlich schmerzt jeder neue Riss in der Schutzmauer um unsere Herzen. Wann es stichelnd bröckelt, können wir nicht steuern. Wie Sie schreiben, es reicht ein Bild, manchmal gar ein Wort. Dann greifen wir uns an die schmerzende Brust, versuchen unsere Fassung zu bewahren. Die Gefühlsbrodeley zu beruhigen, Kummer zuzulassen und doch das Lächeln nicht aus uns zu verbannen, es ist manchen Tag ein verdammt schmaler Grad. Doch was wäre, wenn die Schutzmauer ehern stand hielte. Klar wäre unser Herz sicher geschützt, aber eben auch verdammt isoliert und einsam. Sehen Sie, ich pule mal an so einem Feinriss, wie die anderen Kommentatoren vor mir auch und lade Sie ein, schlüpfen Sie durch die entstandenen Lücke doch einfach zu meinem Narbenherz hinein, Platz genug habe ich. Sie sind immer Willkommen, meine Liebe, Ihre Frau Knobloch, gerade wegen solcher Gedanken zugetan.

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    1. Guten Morgen meine liebe liebe Frau Knobloch, wohlweich und festummantelt sicher fühl ich mich wieder einmal ummantel von Ihren tanzenden liebevollen Worten. Ja, unser Narbenherz, es begegnet uns immer mal wieder, ich merke das schon. Das ist schön, ich nehme dort gerne Platz, weiß ich doch, das ich dort passend und sicher aufgenommen bin. Danke mit einem Lächeln sonnenstrahligst. Welche ich übrigens heute wieder so schön auf Bild festhielt, inmitten einer just frischgemähten Wiese. Dieser Duft, diese Kombination zwischen den durch Bäume brechenden Sonnenstrahlen, einem festen Baumstamm und dieser Geruch. Es läßt einen nur Lächeln und Freuen über die Schönheit der Natur.
      Ihre, ebenso besonders zugetane Frau Ahnungslos.

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      1. Ein wundervolles Bild, was Sie da zeichnen, meine Liebe. Und welches ich bereits verinnerlicht habe. Die stille Schönheit und Stärke der Natur war mir immer letzte Rettungsinsel, wenn alle inneren Dämme zu brechen drohten. Gut, wenn die Augen es dem Herzen zuraunen, wie wir doch Teil vom Ganzen sind. Ich grüße ebenso zugetan zurück, Ihre Frau Knobloch.

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      2. Jaaa. Genau das. Vor einigen Monaten. Das Herz war traurig und resigniert. Es wehte, der Himmel war Grau verhangen. Dennoch suchte ich ein paar Reserveenergiepakete, schnappte den Hund und fuhr an den See. Es war noch Winter. Während ich halbversunken lief, blickte ich dennoch zu den kahlen Bäumen, ohne Kleid. Und da sah ich sie. Die Bilder und Fabeln in den Bäumen. Gesichter, Tiergestalten. Schaute zum Himmel und auch dort flogen sie langsam vorüber. Wie lange sah ich sie bis zu dem Tage nicht mehr. Ich weiß es nicht. Eine Freude überkam mich, ein so gutes Gefühl und ganz viel Stärke kam dort zurück. Ja, die Natur schenkt einfach Wunder und ist häufig das Seelenheilmittel schlecht hin 🙂

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  4. Aber… aber… schlaaaand!!!!

    Heuchlerei ist integraler Bestandteil des Menschen. Den man kann auch mit einem Klick helfen. Mit einem Klick ein Kinderlächeln auf hungrige Gesichter zaubern.
    Und in weiteren Nachrichten zum Sport…

    Was will der komische Kauz sagen: ob du es ignorierst, ob du „hilfst“ oder es dir schlicht egal ist weil wir eh zu viele Menschen sind… wichtig ist, sich seiner Haltung bewusst zu sein und diese ehrlich zu leben. Nichts ist schlimmer als ein sozial anerkanntes „ablasswesen“ wie Brot für die Welt. Den Menschen die dort arbeiten ist das bestimmt wichtig. Die Spender wollen jedoch meist nur ihr Gewissen läutern.

    Um mit den Ärzten zu sprechen: es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist. Es wär nur deine Schuld wenn sie so bleibt.
    Ergänzend dazu: oder akzeptiere, dass du sie so lässt.

    Wie schon vorher gesagt: manches Leiden kann man nicht lindern. Wenn man nicht will.

    Also: SCHLAAAND

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    1. Recht hast du, das muß jeder für sich selber entscheiden. Ich persönlich gehöre eher du der Fraktion ergänzen und schauen, wo kann ich was tun, soweit wie möglich. Und so geht es auch vielen anderen Menschen.
      Dennoch halte ich das Gefühl in einer sagen wir „trueman Show“ zu leben häufig schlecht aus.

      Dennoch. ..freut mich natürlich die Begeisterung der Fußballfreunde sehr 🙂

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    1. Frau Coupar’s Worten ist nichts hinzuzufügen.
      Und dennoch. Nicht jedes Leid kannst du lindern.So wie manchmal dir niemand helfen kann außer dir.Ein klar geführtes Leben ist das, was dein Anteil seien kann.Dann findest du auch mich an deiner Seite und brauchst dich nicht hilflos zu fühlen.Gemeinsam gerecht sein,gemeinsam feiern.Auch ich bin an deiner Seite.Komm mit.Herzlichst,Arabella

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      1. Guten Morgen liebe Arabella,
        ich war ja schön längst da. Hab mich irgendwie entfolgt. Merkwürdig. Gleiches passierte grade erst auch bei werter Frau Knobloch. Wie wunderlich.

        Hab dank der lieben Worte. Der Tag ist wieder heller und ein Telefonat am gestrigen Abend baute verlorene Schutzmauer wieder ein wenig mit auf, nebst euren lieben Worten.
        Danke 🙂
        Einen wundervollen Morgen dir,
        Mia

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  5. So pervers es klingt, aber wir dürfen deswegen auch nicht ständig trauern und dürfen es auch wegklicken dürfen. Es war ein Klick, der es dir vor Augen führte und es ist ein weiterer Klick, der es wieder wegführt. Dennoch ist es nur richtig, wenn man sich eben doch immer wieder auch darauf einlässt und nicht sofort und lustig-süßes Katzenbabyvideo anschaut. Nimm ruhig diese Auszeit, das ist schon ganz richtig so.

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