Parallelwelten FSK 18

Ein bekannter Hamburger Club. Nichts besonderes eigentlich, man kennt Clubs in Zusammenhang mit Hamburg. Das dir der leichte Grasnebel in der Kogge am Kickertisch in die Nase wandert, die DJ s dich im Pudel an der Elbe für Stunden auf der Tanzfläche Fesseln. Doch dieser Club ist ein wenig anders. Hier wird auch gefesselt, aber auf eine ganz andere Weise.

Man könnte sagen, du tauchst ein, in eine andere Welt. Zumindest diejenigen, die diese Art von Location noch nicht besuchten und Kleidung im herkömmlichen Sinne hat hier keinen Einlass.

Es gießt in Strömen, als unser Wagen in unweiter Nähe parkt. Ich bleibe einen Moment und beobachte die ankommenden Menschen in der Dunkelheit. Es wirkt wie ein geheimes Treffen von einer Spezies, die im Alltag nicht erkennbar ist. Sie beeilen sich um nicht durchnässt zu werden, Frauen mit Highheels und Netzstrümpfen, deren Beine fast in den Himmel ragen. Herren mit Zylinder und Stock in der Hand. Ein Mädchen, entsprungen aus einem Manga, nebst Freundin, die sich sonst nur im Moulin Rouge befindet. Ich steige aus und mach mich vorsichtig auf meinen Knochenbrecherschuhen in Richtung Eingang.

Ein heißer Polizist empfängt mich freundlich und charmant. Mein Ticket wird lächelnd entgegen genommen und ich kehre ein, in meinem engen tief ausgeschnittenen schwarzen Kleid, Rücken frei. Ein seitlicher Schlitz der, wäre er vorne, bis hin zur heiligen Mitte gereicht hätte, ein um den Hals engangliegendes Lack und Netzteil, geben hoffentlich dem Kleid eine für diesen Club passende und nötige Nuance. Meine Begleitungen sind schon da, so nehm ich erstmal alleine alles wahr. Eine Blondine mit Corsage, Brüste frei, kommt mir von links entgegen. An der Hand führt sich ihren Sklaven. Ein Hüne von einem Mann. An die zwei Meter, Bikerstiefel, enge Hose, hübsches Gesicht und einem Lederhalsband, nebst Eisenkette. Eine Zeit verweile ich an der Stelle, lasse die Anwesenden auf mich wirken. Erinnert mich ein wenig an den ersten Teil von Blade. Die Scene in der Schlachterei. Laute Elektrobeats. Töne die Menschen elektrisieren. Gleich verwandeln sich hier alle in blutrünstige Vampire und fallen über mich her. Durchaus realistisch der Gedanke. Nicht unverlockend.
Ein Blick nach links, eine wunderschöne Frau im Netzcatsuit passiert mich, in Begleitung ihres Hundes an der Leine. Ein großer nackter zweibeiniger rasierter Hund mit einem Riesenschwanz. Und das mein ich, wie ich es schreibe. Schluckend folgen meine Blicke den Beiden und ich bestelle mir erstmal ein Bier. Trink ein wenig und bekomme nicht genug von den bunten schönen Gestalten.

Zwei Bier und drei Kippen später stehe ich mit meinen Begleitungen auf einer Empore im ersten Stock. Unter uns die Tanzfläche. Lange schaue ich dem Hund beim Tanzen zu. Begnadet bewegt er seinen Körper zu dem schnellen elektronischem Beat, neben einer kleinen heißen Barbie, die verliebt ihren Gummimann im Arm schwenkt, als ich schnelle Bewegungen neben mir wahrnehme. Ein Blick nach Links, ein Grinsen huscht über mein Gesicht. Eine schöne Frau lehnt über die Brüstung unweit von mir und ihr Kerl besorgt es ihr beherzt von Hinten. Meine Augen bleiben ein wenig bei den beiden und weiter geht’s durch diese Grotte des Beats und der Lust. Zwei Treppen weiter, in einer großen Halle, die Musik ist dort nun sehr gedämpft zu vernehmen, ist eine nackte Frau mit Seilen fixiert und ein seriöser Herr bearbeitet ihr Hinterteil mit einer feingliedrigen Lederpeitsche. Etwas weiter rechts, ein ähnliches Szenario. Ruhige unzählige Augenpaare auf den Treppen und verschiedenen Emporen, begleiten das Schauspiel ruhig und interessiert.
Einige Stunden später zwitschern schon die Vögel, als wir den Laden verlassen und noch lange bleiben die Eindrücke ganz wach in meinem Geiste.

Es ist schon eine andere Welt, die doch nicht anders ist. Nur eben im Alltag weniger sichtbar und eher am Rande das täglichen normalen Wahnsinns zu finden.

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12 Kommentare

  1. Wenn ich auch nichts an der BDSM Scene abgewinnen kann, ausser vielleicht das rein Optische. Liebe ich Besuche das eine oder andere Mal in reinen Paarclubs, also so die besseren, wo alles passt, die Atmosphäre einfach gigantisch erotisch ist. Ein besonderes Erlebnis für jedes Pärchen ❤ wenn es der RICHTIGE Club ist

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  2. Nein, es ist nicht nur sehen und sehen lassen.

    Es ist mehr.

    Es ist viel mehr.

    Es ist dieses nicht allein zu sein mit seinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten.

    Und das ist großartig.

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    1. Weißt du was mir wirklich am meisten gefallen hat? Das wirklich ein jeder das tat, wonach ihm augenscheinlich beliebte. Niemand schaute auch nur ein wenig schräg den Nächsten an. Es gab keine merkwürdigen Moralvorstellungen und Etiketten. Das war wunderbar…

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  3. Gut beschrieben- ich gestehe, ich vermisse Hamburg. Tolle Locations. Berlin und Frankfurt (Offenbach) kommen da nicht ran. Das waren schöne Abende. Allerdings ist natürlich nicht jede Fete so, aber viele.

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      1. Nein Berlin ist schmuddeliger, manche sagen assiger.

        Hamburg ist eleganter. Oder wie eine Hamburger Schriftstellerin einmal den Frauen in Berlin ihr Mitleid ausdrückte. Sie täten ihr ihr so leid, diese Frauen in Berlin, da sie manchmal nicht auf eine Party gehen können, weil sie nur noch saubere Wäsche im Schrank haben und somit keine Ausgehkleidung zum Anziehen haben.

        Auch finde ich Berlin zu singlelastig. Die hungrigen Blicke der Übriggebliebenen. Der Trotz der aus ihren Blicken spricht, aus denen aber doch ziemlich deutlich zu lesen ist, dass sie es wissen, dass sie bislang nicht viel vom Zweisamkeitsglück in ihrem Leben abbekommen haben. Deswegen schauen sie so cool und reserviert abweisend, um ihre Angst, dass da nichts mehr kommt und dass da nichts ist, zu kaschieren.

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  4. Ich glaube, vor solch einem Club würde ich doch stark scheuen und das Weite suchen. Da würde ich mich wohl einfach unwohl fühlen, wobei das pure Zuschauen dabei durchaus schön wäre, aber ich glaube, ich hätte Angst, dass ich mehr als nur Zuschauer sein müsste.

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    1. Ich dachte lange ähnliches. Aber nein, der Fokus lag weniger auf sonstige Spielereien. Wer wollte hatte die Möglichkeit, aber ein Muss gibt es eh absolut nicht. Außer du hast natürlich auf einem das unbedingte Bedürfnis. So ein Club ist auch weniger vergleichbar mit Läden, in denen es nur um aktiven Sex geht.

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