Brief eines verlassenen Kindes, an die Witwe des Vaters..

Ich werde versuchen Ihnen zu verzeihen.

Das tue ich nicht für Sie, Sie interessieren mich nicht, das tue ich für mich. Denn in meiner Welt ist Lieben und Verzeihen unabdingbar für ein glückliches Leben.

Ich sehe Sie trauernd an dem Tage zum Grabe meines Vaters gehen. Schick zurecht gemacht mit Kleid und Hut, selbstverständlich in schwarz. Wie es sich anständig gehört. Ihre Kinder sind neben und hinter Ihnen.

Und ich höre die Worte des Pfarrers in meinen Ohren: IN DEMUT ACHTE EINER DEN ANDEREN HÖHER ALS SICH SELBST. Bei diesen Worten bekomme ich keine Luft mehr. Sie setzte einfach aus. Wie kann so ein Satz, ein Psalm in einem Gotteshaus gesprochen werden, wo Sie vor so vielen Jahren meinen Vater für mich beerdigten, das ganze ohne mein Beisein. Ihn mir einfach nahmen. Vielleicht wäre es etwas einfacher geworden hätte es damals schon die erste Beerdigung gegeben. Der Pfarrer hätte eine Rede für ein verlassenes Kind gehalten, Menschen hätten trauernd in den Reihen gesessen und mir zu dem Verlust des Vaters ihr Beileid geäußert. Dann hätte es einen klaren Strich gegeben.

Der Pfarrer sprach von Großmut und Großzügigkeit. Das zweite Mal das ich keine Luft mehr bekam. Was für eine Farce.
Ihnen ist ganz sicher nicht bewusst, oder vielleicht auch doch, was Sie mir damit angetan haben und welche Trauer Sie mir beschert haben in meinem ganzen Leben, immer mal wieder. Und ich kann Ihnen nur sagen, das war falsch und ein bitterer Fehler. Jetzt ist er Ihnen genommen, so wie mir vor so vielen Jahren. Sie haben lange von seiner Krankheit gewusst und es gab dennoch keine Chance auf ein letztes Gespräch, ein letzter Versuch all das zu verstehen was damals passiert ist. Es gab keine Möglichkeit mehr zu verzeihen, verzeihen zu lassen und Frieden zu schließen. Kein letztes Wiedersehen für einen endgültigen Abschied.

Und ich werde nie verstehen, warum ein Mensch so handeln kann. Die Zeit in der meine Kinder noch ganz klein waren, gab es viele Momente in denen ich sie anschaute und mich fragte, wie kann man sich einfach von ihnen wegdrehen und sich nicht mehr umschauen. Und wie kann ein Mensch das befürworten, wollen und unterstützen.

Aber ein jeder ist für sein Tun und Handeln selber verantwortlich und wird sich eines Tages im Spiegel seiner selbst sehen und mit seinen Taten konfrontiert werden. Es ist so. Was man versendet kommt irgendwann zurück. Und wer Liebe verschickt wird auch Liebe ernten. Der Rest wäre müßig hier zu verfassen.

Sie sollen nur wissen, es war ein grober unmenschlicher Fehler. Das war mir wichtig.

Auszug einer Geschichte eines Kindes, dessen Vater es nicht mehr wollte. Der Brief geht an an die nachfolgende Frau, nachdem der Vater sich nicht nur von der Mutter trennte, sonder gleichmit auch von dem Kinde.

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