Der langsame Tod des „Hans-kuck-in-die-Luft“ FSK 6

Hätte man es geahnt. Man hätte versucht diese damals zu Haufe vertretende Spezies zu erhalten und vor der Selbstausrottung versucht zu hindern. Doch keiner ahnte was in Zukunft mit den Hans-kuck-in-die-Luft, passieren würde, wenn erst das Smartphone die Welt erobert.

Gut. Am Anfang hätte keiner damit gerechnet, das sie eines Tages von der Bildfläche verschwinden würden. Damals waren diese Blindfische schon fast lästig. Bevölkerten Straßen, Haltestellen, Parkbänke und ähnliche Ortschaften. Welchem Autofahrer ist damals nicht fast täglich einer von ihnen vor den Wagen getrödelt. So ein Typ der nichts blickte, weil der mal wieder mit gedankenverlorenem Blicke durch die Weltgeschichte blickte.

Oder wer bekam nicht mit, wie einer von ihnen mal wieder den Bus verpasste, da sein Blick so von der weiten Ferne gefesselt wurde. Vielleicht von einem Schwarm Wildgänse. Oder der Braut mit dem Rock kurz über dem Arsch auf der anderen Straßenseite. Man weiß es nicht. Vielleicht überlegte sich so ein Hans-kuck-in-die-Luft auch grade wie es den Nachbarn um die Ecke brachte. Oder welchen Kuchen es morgen backen sollte.  Wer musste nicht schon einmal mit seinem Rad scharf abbremsen, da mal wieder einer schleichend seinen Weg kreuzte… Ja. So war das damals.

Gedankenverlorene Hans-kuck-in-die-Luft an jeder Ecke. Heute ist diese Spezies schwer zu finden.

Sie sind von einer viel mächtigeren Spezies überrannt worden. Oder nennen wir es eher vergiftet. Angefixxt. Verblendet. Der multimediale Hype hat sie von der Bildfläche verschwinden lassen und diesen ahnungslosen vertrauenswürdigen Typen ein Gerät in die Hand gegeben. Ein kleines Gerät was ihnen das eigenständige Sinnieren nahm und ihnen dafür die Möglichkeit einer Dauerinformationsflut für ihr spärliches Hirn gab. Fuck.

Nun gibt es keine sehnsüchtigen Blicke gen Himmel mehr. Keine gedankenverlorenen Augen, deren Blick du hier und da erhaschen kannst. Heute siehst du starre gesenkte Augen. Augen die ein kleines Gerät angestrengt und dauerhaft fixieren. Augen die ebenso wie oben benannter Hans ihre Umgebung nicht mehr Wahrnehmen, aber auf eine anderen Art eben. Es ist wie eine unauffällige kontaktentfremdende Seuche, die alle zu verschlucken scheint.

Menschen sitzen gemeinsam, doch sie unterhalten sich nicht mehr.

Kinder sitzen zusammen, doch sie spielen nicht mehr.

Sie haben sich komplett in einen Zwang begeben, von dem die meisten gar nicht wissen, was und wie ihnen geschieht. Meiner inbegriffen….

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18 Kommentare

  1. Übrigens geht das ja noch viel weiter. Vor einiger Zeit lag ich im Krankenhaus. Ein Zweibettzimmer. Und weißt du, was ich tat? Nichts, einfach nur geträumt. Tagelang. Und mein Nachbar fragte mich immer wieder, ob ich nicht fernsehen wollte. Nein, wollte ich nicht und brauchte ich auch nicht. Ich mochte ihn sehr, aber da sieht man schon, wie abnormal man plötzlich ist, wenn man nicht ständig auf einen leuchteten Monitor starrt.

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    1. Ja… genau so ist es wohl auch, aber ich kenne diesen „Unwillen“. Sowohl was Fernsehen angeht, wie auch die ständige Erreichbarkeit. Es ist schön seinen Gedanken nachzuhängen und sich nicht ständig berieseln zu lassen.
      Ich überlege derzeit auch ernsthaft, das Smartphone abzuschaffen und, back to the roots, ein Telefon mit Tasten und ohne Internetzugang zu besorgen. Ich glaub, das ist eine gute Idee…

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  2. Ich lese quer durch deine Texte, westendstorie, hier mag ich kurz sagen, wie sehr mir deine Geschichten, Gedanken, deine Worte gefallen. Wie ein Honigbrot am Sonntagmorgen. Eine Könnerin.

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    1. Heute würde es statt Puppen I-Phones aus dem Kofferraum regnen und die glatzköpfige Rasse lebt und erfreut sich bester Gesundheit, während sich die Menschen plötzlich krümmen und ans Herz fassend beten, noch etwas Zeit zu bekommen, die sie dieses Mal echt und wirklich mit Echtem und Wirklichem nutzen würden.

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  3. Ich bekenne mich schuldig.

    Im Ernst, wenn ich mal nicht selbst davor hänge sondern mir die Menschen anschaue, dann ist es mehr als erschreckend wie wenig direkte Kommunikation stattfindet, da jeder auf das Ding schaut.

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